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William Gallas wechselte 2006 vom FC Chelsea zum FC Arsenal © imago

Arsenal-Kapitän William Gallas legt mit einem öffentlichen Rundumschlag die vergiftete Atmosphäre in seiner Mannschaft offen.

Von Martin Hoffmann

München - Der Teamname ist Arsenal, der Spitzname "Gunners" - das schreit regelrecht nach martialischen Metaphern.

Und so ruft der Großteil der englischen Medien gerade den Kriegszustand in der Mannschaft von Oberbefehlshaber Arsene Wenger aus.

Im Zentrum steht dabei ausgerechnet Wengers General: Teamkapitän William Gallas hat mit einem öffentlichen Rundumschlag das vergiftete Klima in der Mannschaft offengelegt und mit dem Finger auf eine angebliche "Ratte" im Team gezeigt.

Die Unruhe, die er damit auslöst, könnten den Franzosen nun vor dem Auswärtsspiel bei Manchester City (Sa., 16 Uhr LIVESCORES) eine Menge Geld und das Kapitänsamt kosten.

"Nicht tapfer genug in der Schlacht"

Der Verteidiger (Spielerporträt) ließ in der Woche nach der bitteren 0:2-Heimpleite gegen Aston Villa dem Frust über seine Teamkollegen freien Lauf.

"Wir sind nicht tapfer genug in der Schlacht. Wir müssen Soldaten sein, wir müssen Krieger sein", mahnte er seine Mitspieler.

"Wenn wir aufhören miteinander zu kämpfen, dann passiert es, dass das Mittelfeld versinkt und die Abwehr mit. Und das ist gegen Villa passiert", klagt er.

Zoff in der Halbzeitpause

Diese Äußerungen kann man noch als gut gemeinten Weckruf interpretieren - nicht jedoch die detailreichen Schilderungen über die innere Zerrissenheit seines Teams.

So verriet er etwa, dass sich seine Mitspieler in der Halbzeitpause des 4:4-Unentschiedens gegen Tottenham im vergangenen Monat fetzten.

"Es gab ein Problem in der Halbzeit. Das einzige, was ich da sagen konnte war: 'Jungs, wir klären diese Probleme nach dem Match.'"

Klagen über eine "Ratte"

Weit pikanter allerdings ist Gallas' Enthüllung, dass es in der Elf einen Quertreiber gibt, eine "Ratte", wie die Engländer es undiplomatisch ausdrücken - und dass er auch noch einen ziemlich deutlichen Hinweis auf dessen Identität gab.

"Einige Spieler sind zu mir gekommen und haben sich über einen Mitspieler beschwert", schilderte Gallas.

"Und wenn man diesen Spieler im Match anspricht und er uns auch noch beleidigt, dann ist ein Punkt erreicht, wo wir das nicht mehr dulden können", beschrieb er seinen Ärger mit besagtem Akteur.

Hauptverdächtiger van Persie

"Ich nenne keine Namen", sagte Gallas zwar. Aber er nannte ein Detail, das den Kandidatenkreis stark eingrenzt: "Ich bin 31, der Spieler ist sechs Jahre jünger als ich."

Der Unruhestifter ist also 25 Jahre alt, das sind bei Arsenal nur drei Spieler: Emmanuel Eboue, Bacary Sagna und Robin van Persie.

Der Niederländer (Spielerporträt) gilt als Hauptverdächtiger, alternativ können sich englische Medien nur den auch nicht als schüchtern bekannten Sturmkollegen Emmanuel Adebayor vorstellen. Der ist zwar erst 24, aber man weiß ja nicht, ob Gallas wirklich alle Zahlen im Kopf hat (Torjägerliste).

Sechsstellige Geldbuße droht

Wer auch immer Ziel von Gallas' Attacken ist: Ärger kommt jetzt erstmal auf Gallas selbst zu.

Der fällt nicht das erste Mal unangenehm auf. In frischer Erinnerung ist etwa noch sein peinlicher Sitzstreik im Mittelkreis, nachdem Arsenal in der vergangenen Saison einen Sieg gegen Birmingham verspielte.

Wenger hat Gallas nun bereits mit einer Geldstrafe von bis zu zwei Wochengehältern - das wären rund 215.000 Euro - und einem Entzug der Kapitänsbinde gedroht.

Lange Pause für Walcott

Der Teammanager hat ohnehin schon genug Probleme.

Sein Team liegt schon neun Punkte hinter Tabellenführer Chelsea und steuert auf die fünfte Saison ohne Meisterschaft in Folge zu.

Dazu muss er auch noch den Verlust von Flügelspieler Theo Walcott verkraften, der drei Monate wegen einer Schulter-OP pausieren muss.

Das letzte, was General Wenger da braucht ist ein Amok laufender General.

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