vergrößernverkleinern
Robert Huth hat 153 Premier-League-Spiele auf dem Buckel © getty

Robert Huth kann eine bärenstarke Saison mit dem englischen Pokalsieg krönen. Unter Joachim Löw ist er aber weiter ohne Chance.

Von Christoph Gschoßmann

München - Andrej Arschawin, Nicolas Anelka, Mario Balotelli. Wer fehlt in dieser Auflistung von Premier-League-Topstürmern? Genau, niemand anderes als Robert Huth. Der Verteidiger von Stoke City ist mit den Stürmern in ihrer Paradedisziplin auf Augenhöhe - dem Toreschießen.

Sechs Treffer erzielte der England-Legionär in dieser Spielzeit bereits für die "Potters", gleich viele wie die oben genannten.

Und auch am Wochenende war Huth wieder erfolgreich: Beim 5:0 von Stoke im FA-Cup-Halbfinale (Spielbericht) über Bolton traf er mit einem satten Rechtsschuss - sein zweiter Treffer im laufenden Pokalwettbewerb (DATENCENTER: FA Cup).

"The Berlin Wall", wie sie ihn in England liebevoll nennen, spielt die beste Saison seines Lebens.

Torgefährlichster Abwehrspieler Englands

Für Stoke spielte er häufiger als alle seine Teamkollegen, ist Toptorjäger seines Klubs und der torgefährlichste Abwehrspieler der Premier Leauge.

Huth weiß, was er kann ? und was er eigentlich nicht kann.

"Was das Tore schießen angeht, bin ich normalerweise ziemlich schlecht. Aber manchmal hat man eben so eine Phase, in der es einfach läuft. Es wird sicherlich wieder eine Zeit kommen, in der ich ewig nicht treffe", sagte der 26-jährige.

Huth bleibt bescheiden

Aus Huth spricht die Erfahrung: In zehn Premier-League-Saisons hat er bis jetzt erst elf Treffer erzielt.

Bei Stoke City, bei denen er seit letzer Saison gegen den Ball tritt, läuft es allerdings bestens - neun seiner elf Treffer markierte er im Trikot der Nordengländer.

Der Abwehrspieler bleibt bescheiden, dennoch hat er sich mit starken Leistungen längst wieder in den erweiterten Kreis der Nationalmannschaft gespielt 383110(Diashow: Die Nationalelf der Woche) .

Bei Löw ohne Chance

19 Länderspiele hat Huth auf dem Konto, seit zwei Jahren durfte er sich aber nicht mehr das Trikot mit dem Adler auf der Brust überstreifen.

Was ihm bei Bundestrainer Joachim Löw vor allem schlechte Karten einbringt, ist seine allzu englische, eisenharte Spielweise - für genau die er bei Stoke zum Publikumsliebling wurde.

Die Löwsche Philosophie, in der die Innenverteidiger die ersten Spielmacher sind, ist nicht wirklich auf Huth zugeschnitten.

Auch sein ehemaliger Trainer Gunnar Heidrich, unter dem Huth bei Union Berlin das Fußballspielen lernte, kennt die Stärken des 1,87 Meter großen Huth und weiß, warum die Fans auf der Insel den kantigen Defensivspezialisten so schätzen.

Der erste Titel winkt

"Er wird in England total akzeptiert. Es gibt so viele Nationalitäten in der Premier League, und Deutsche werden dort allgemein nicht unbedingt geliebt. Aber bei Robert ist das anders - er hat etwas Britisches", sagte Heidrich.

Huth kickt seit 2002 auf der Insel und hat nach fünf Jahren Chelsea und drei Jahren Middlesborogh bei Stoke endlich seine Heimat gefunden - und könnte im Finale (14. Mai im Londoner Wembleystadion) sogar seinen ersten Titel holen.

Selbst wenn nicht - ein Deutscher wird auf jeden Fall bald englischer Pokalsieger. Denn auch Jerome Boateng zog mit seinem Team, das im Stadtderby United bezwang, ins Cupfinale ein.

Boateng wird dabei nicht mitwirken können. Der Ex-Hamburger ist verletzt, und wurde kürzlich am Meniskus operiert.

Zoff bei ManCity

Bei Boatengs Scheich-Klub gab es trotz des Finaleinzugs gegen United 380378(Diashow: Das ist Manchester United) Zoff.

Citys Stürmer Mario Balotelli machte nach dem Spiel mit provokanten Gesten gegen die gegnerischen Fans auf sich aufmerksam, worüber sich Nationalspieler Rio Ferdinand fürchterlich aufregte und den Italiener vor laufenden Kameras zusammenstauchte.

"Wenn man ein Tor schießt und die gegnerischen Fans ein wenig triezt, akzeptiere ich das. Aber nach dem Schlusspfiff geht man zu seinen eigenen Fans", so der United-Verteidiger nach dem Spiel.

[kaltura id="0_eymesp42" class="full_size" title="City schl gt United"]

Stoke doch nicht im Finale?

Und auch bei Stoke kam es trotz des Halbfinaltriumphs zu einer Hiobsbotschaft.

Stokes Medienvertreter leisteten sich einen Faux-Pas, als sie das Ergebnis des Halbfinals auf der offiziellen Webseite präsentierten.

Bolton 5, Stoke 0 stand dort in großen Lettern - der Schock der angeblichen Pokalklatsche dürfte bei den "Potters"-Fans aber schon wieder überstanden sein, auch wenn es ganze 18 Stunden dauerte, bis der Fehler behoben und Stoke letztlich doch noch siegreich war.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel