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Demba Ba wechselte im Winter 2010/11 von Hoffenheim zu West Ham United © getty

West Ham United steigt sechs Jahre nach der Premier-League-Rückkehr ab. Grant ist weg, der Umzug ins neue Stadion gerät in Gefahr.

Die Spieler - niedergeschlagen auf dem Rasen. Die Fans - geschockt auf der Tribüne. Der Trainer - erst fassungslos, dann arbeitslos: West Ham United - ein Klub am Boden.

"Das ist der traurigste Tag meines Fußballer-Lebens", sagte Teammanager Avram Grant nach der 2:3 (2:0)-Niederlage bei Wigan Athletic und dem Abstieg aus der englischen Premier League. "Mein Job war es, die Mannschaft in der Liga zu halten. Das habe ich nicht geschafft."

Teilnahmslos hatte Grant noch auf dem Spielfeld tröstende Umarmungen der Gegner hingenommen. Während die Fans der "Latics" den Rasen in Wigan stürmten, sackten die West-Ham-Profis auf eben jenem in sich zusammen.

Irgendwo in dem Chaos lagen auch Thomas Hitzlsperger und Demba Ba. Ihre Karrieren - am Tiefpunkt.

"Hitz" legt auf, Ba trifft

Ausgerechnet Ba, möchte man sagen. Der Stürmer, der sich im Winter von 1899 Hoffenheim zu den "Hammers" gestreikt hatte, hatte den dreimaligen FA-Cup-Sieger im Alles-oder-Nichts-Spiel in Wigan früh mit 2:0 in Führung gebracht (12. und 26.).

Beide Tore bereitete der lange verletzte Hitzlsperger vor, dessen Leidenszeit sich seit seiner Demontage beim VfB Stuttgart, dem Intermezzo bei Lazio Rom und der Nicht-Nominierung für die Weltmeisterschaft 2010 bei West Ham nun nahtlos fortsetzt.

Zu diesem Zeitpunkt sah für Grant, der bereits im Vorjahr mit dem FC Portsmouth abgestiegen war und anschließend mit "Pompey" auch das FA-Cup-Finale gegen den FC Chelsea verloren hatte, noch nichts nach einem nahen Ende aus.

Trennung eine Stunde nach dem Abpfiff

Doch die Partie kippte nach dem Seitenwechsel und etwas mehr als eine Stunde nach dem Schlusspfiff in Wigan gab West Ham auf der Homepage die Trennung vom 56 Jahre alten Israeli bekannt (DATENCENTER: Premier League).

"Ich habe wirklich geglaubt, dass wir mit den Neuverpflichtungen im Januar und der Rückkehr von Hitzlsperger genug getan hätten, um die Gefahr abzuwenden", schrieb Co-Besitzer David Gold bei "Twitter".

"Das ist unbestreitbar der schrecklichste Moment in all den Jahren, in denen ich West Ham unterstütze, und selbstverständlich wünsche ich mir, dass ich die Dinge anders gemacht hätte."

Talentschmiede West Ham

Das Eingeständnis der Klubführung, denen vor allem das Festhalten an Grant vorgeworfen wird, kommt allerdings zu spät für West Ham.

Der Klub von Hitzlsperger, der sich im Mutterland des Fußballs einen Namen als Talentschmiede ("The Academy of Football") gemacht hat und Stars wie die 1966er-Weltmeister Geoff Hurst, Martin Peters und Bobby Moore oder aktuelle Stars wie Frank Lampard, Joe Cole und Rio Ferdinand hervorgebracht hat.

Mehr als fraglich ist, inwieweit die Mannschaft zusammenbleibt. Nationalspieler wie Kapitän Matthew Upson, Robert Green oder Scott Parker werden wohl kaum ins Fußball-Unterhaus gehen.

Die Leihspieler Wayne Bridge und Robbie Keane werden zu ihren Klubs Manchester City beziehungsweise Tottenham zurückkehren.

Direkter Wiederaufstieg ein Muss

Hinzu kommt, dass durch den Abstieg nach sechsjähriger Erstliga-Zugehörigkeit der für die Zeit nach Olympia 2012 in London geplante Umzug vom altehrwürdigen Upton Park in das neue Olympiastadion kippen könnte.

Erst Anfang des Jahres hatte sich die zuständige Olympic Park Legacy Company (OPLC) gegen Tottenham ausgesprochen und West Ham den Zuschlag gegeben.

Schwer vorstellbar, dass ein Zweitligist in Englands drittgrößtem Stadion auflaufen soll. Der direkte Wiederaufstieg ist wohl auch deshalb ein Muss.

Fans nehmen es sportlich

Der Schock über den Abstieg schien aber immerhin bei den eigenen Fans nicht allzu lange anzudauern.

Schon bald nach dem Debakel in Wigan stimmten die mitgereisten Anhänger den Doris-Day-Klassiker "Que sera, sera" an.

"Whatever will be, will be, we re going to Bermondsey", sangen die "Hammers"-Fans in Anlehnung an die bevorstehenden Derbys gegen den Erzrivalen FC Millwall.

Und der ist in Bermondsey, im Londoner Südosten, beheimatet.

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