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Andre Villas-Boas war mit 23 Jahren schon Nationaltrainer © getty

Ande Villas-Boas wechselt für die Rekordsumme von 15 Millionen Euro zu den Blues. Er wehrt sich gegen Vergleiche mit Mourinho.

Von Tobias Wiltschek

München - Der Trainer-Deal des Sommers ist perfekt.

Wie der FC Chelsea bestätigte, wird Andre Villas-Boas ab der kommenden Saison den englischen Vizemeister übernehmen.

An der Stamford Bridge tritt der Portugiese die Nachfolge von Carlo Ancelotti an. Der Italiener trainierte die Londoner seit 2009 und führte sie ein Jahr später zum Premier-League-Titel.

Den großen Traum von Klub-Eigner Roman Abramowisch, den Gewinn der Champions League, konnte der 52-Jährige dem russischen Milliardär jedoch nicht erfüllen.

Dreijahresvertrag für 33-Jährigen

Das soll nun der 19 Jahre jüngere Villas-Boas schaffen, der in der abgelaufenen Saison mit dem FC Porto das portugiesische Double und die Europa League gewann. Der Verein aus dem Westen Londons stattete ihn mit einem Dreijahresvertrag aus.

"Sein Ehrgeiz, Schwung und seine Entschlossenheit passen zu Chelsea", teilte der viermalige englische Meister. Wie wichtig den Blues die Dienste von Villas-Boas sind, beweist die Rekord-Ablösesumme, die laut Medienberichten bei 15 Millionen Euro liegen soll. So viel ist noch nie für einen Trainer bezahlt worden.

Folgt Falcao dem Coach?

Und vielleicht darf er seinen Top-Stürmer Radamel Falcao gleich mit nach London nehmen. Diese Gerüchte schürte der Berater des Kolumbianers, der Porto in der abgelaufenen Saison mit 17 Toren fast im Alleingang zum Triumph in der Europa League schoss.

Der Wert des kolumbianischen Angreifers wird auf 30 Millionen Euro geschätzt (350007DIASHOW: Internationale Wechselbörse).

Lehrmeister Mourinho

An der Stamford Bridge ist man davon überzeugt, dass der Führungsstil des neuen Trainers zu "großartigen Erfolgen auf nationaler Ebene und in europäischen Wettbewerben" führen wird. Dafür soll er angeblich ein Jahresgehalt von fünf Millionen bekommen.

In seiner Heimat wird der Portugiese bereist als "neuer" Jose Mourinho gefeiert (BERICHT: Porto feiert "Mini-Mourinho").

Tatsächlich kreuzten sich die Wege der beiden Trainer schon früh. Im zarten Alter von 16 Jahren traf Villas-Boas auf Mourinho, der damals Co-Trainer von Bobby Robson beim FC Porto war.

Zehn Jahre später - Villas Boas war in der Zwischenzeit Auswahl-Trainer der britischen Jungferninseln - wurde er bei Chelsea Assistent seines Landsmanns und zog mit ihm 2007 weiter zu Inter Mailand.

Abnabelung vom Mentor

2009 emanzipierte sich der Lehrling und wurde bei Academica Coimbra erstmals Cheftrainer eines Profi-Vereins. Auch taktisch entwickelte der "Mini-Mou" andere Ansichten als sein Mentor.

"Man darf die Profis nicht so sehr einengen. Sonst können sie nicht ihre Fähigkeiten entwickeln", erklärte der jüngste Trainer eines Europacup-Siegers zum Umgang mit seinen Spielern.

"Ich bin kein Klon, ich bin ganz anders"

Das steht im krassen Gegensatz zu Mourinhos Vorstellungen. Der Trainer von Real Madrid zwängt seine Spieler allzu häufig in ein straffes taktisches Korsett.

Villas-Boas weist denn auch Vergleiche mit dem selbst ernannten "Special One" zurück. "Ich bin kein Klon, ich bin ganz anders", meinte der 33-Jährige. Er vergleiche sich eher mit Bobby Robson.

Vergleich mit Bobby Robson

Der Engländer, der im Juli 2009 an Krebs verstarb, wohnte während seiner Trainer-Station in Porto Mitte der 90er Jahre in der Nachbarschaft von Villas Boas und war von dessen forschem Auftreten beeindruckt.

Nachdem der Teenager dem Coach per Brief taktische Tricks gegeben hatte, wurde er von ihm prompt als Praktikant angeheuert.

"Ich bin Robson viel ähnlicher", sagte der Portugiese mit englischen Vorfahren bei seiner Vorstellung als Trainer des FC Porto. "Ich habe eine große Nase und mag Wein."

Das sind zwar gute Voraussetzungen für einen Trainerjob in London. Um den Traum von Abramowitsch erfüllen zu können, wird Villas-Boas allerdings vor allem seine Fähigkeiten als Trainer unter Beweis stellen müssen.

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