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Sir Alex Ferguson (r.) ist seit 1986 Trainer von Manchester United © getty

Nach der Barca-Schmach krempelt Ferguson ManUnited um. Für die größte Problemposition hat er womöglich eine Überraschung in petto.

Von Martin Hoffmann

München - Einen Monat ist sie nun bald her.

Die Nacht in der Manchester United im Champions-League-Finale vom FC Barcelona "verschrottet" wurde, wie es die "Sun" uncharmant ausdrückte.

Doch schon jetzt wird diese Verschrottungs-Nacht als Schlüsselerlebnis gedeutet.

Als der Moment, in dem Sir Alex Ferguson erkannt hat, dass er sein Lebenswerk United reparieren und neu aufbauen muss.

Notwendige Einsicht

Eine Deutung, die den Sachverstand des Coachs beleidigend unterschätzt. Denn die Einsicht, dass sich bei den "Red Devils" einiges ändern musste, hat sich schon lange vorher aufgedrängt.

Gut lesbare Signale waren viele schwache Auftritte in der englischen Meisterschaft, der anstehende Karriere-Ausklang mehrerer Leistungsträger - und nicht zuletzt der Beinahe-Abgang von Wayne Rooney im vergangenen Herbst. (350007DIASHOW: Internationale Wechselbörse)

Der hatte schon öffentlich verkündet, seinen Vertrag auslaufen zu lassen, angeblich, weil er um die Konkurrenzfähigkeit seiner Mannschaft fürchtete.

36 Millionen für neue Asse

Am Ende siegte bei Rooney bekanntlich der Glaube, dass es Ferguson schon richten würde mit dem Umbruch. Ein Umbruch, der in diesen Wochen Kontur bekommt.

Am Donnerstag unterschrieb Offensiv-Ass Ashley Young (25), er kommt für rund 17 Millionen Euro von Aston Villa - und folgte damit Nachwuchsverteidiger Phil Jones (19), der für etwa 19 Millionen aus Blackburn kam.

Spanisches Talent soll van der Sar beerben

Fast sicher ist auch der Transfer des spanischen Jungkeepers David de Gea (20) von Atletico Madrid, der das schwere Erbe von Edwin van der Sar antreten soll.

Nicht der einzige Generationswechsel in Manchester, zumal neben dem Niederländer auch die langjährige Mittelfeldsäule Paul Scholes verabschiedet wurde.

Und keiner weiß, wie lange der bald 38-jährige Ryan Giggs die biologische Uhr noch umdribbeln kann.

Spekulationen um Nani

Neue Größen aber wachsen heran. United verspricht sich viel von den Mittelfeld-Talenten Ravel Morrison und Paul Pogba, beide 18. Beide haben in der vergangenen Saison in der United-Jugend für Furore gesorgt und dürften in der neuen an die erste Mannschaft herangeführt werden.

Die Zukunft von Flügelflitzer Nani bei United erschien dagegen lange ungewiss. Diverse englische Medien verstehen seine Nichtberufung in die Champions-League-Final-Startelf und den Kauf von Young als Zeichen, dass der Portugiese verkauft werden soll - Inter Mailand, Juventus Turin und Real Madrid wird Interesse nachgesagt.

Nani selbst sieht sich zwar geschmeichelt ("Natürlich würde ich gerne unter Jose Mourinho arbeiten."), will aber um seinen Platz in Manchester kämpfen, wie er "ESPN" versicherte:

"Es ist gut zu wissen, dass andere Klubs interessiert sind. Aber im Moment bin ich bei Manchester United zufrieden."

Spielmacher als Königstransfer?

Das größte Kopfzerbrechen bereitet den England-Experten ohnehin eher die Frage, ob sich Ferguson als deutlichstes Signal des Neustarts noch einen Königstransfer leistet.

Einen Stareinkauf für die verwaiste Gestalterrolle im Mittelfeld. Inter Mailands Wesley Sneijder wird ebenso ausdauernd als Kandidat genannt wie Tottenhams genialischer Kroate Luka Modric.

Während der prominente Kolumnist Jim White eine ganz andere, revolutionäre Gedankenspiele hegt.

Revolution mit Rooney?

Er spekuliert über eine dauerhafte Umschulung Wayne Rooneys vom Stürmer zum zentralen Antreiber ins Mittelfeld.

Eine Position, die Rooney schon oftmals behelfsmäßig ausgefüllt hat - und auf der sich viele Beobachter auf Dauer noch mehr von ihm versprechen als in der Angreiferrolle.

So oder so: Sir Alex scheint auch im 25. Dienstjahr bei United noch einige Überraschungen in petto zu haben.

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