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Andre Villas-Boas war von 2004 - 2007 bereits Trainer-Assistent beim FC Chelsea © getty

Chelseas neuer Trainer Andre Villas-Boas will zunächst keine Panik-Käufe tätigen. Besonders im Mittelfeld sieht er jedoch Bedarf.

Von Jakob Gajdzik

München - Gut Ding will Weile haben.

Das hat sich wohl auch Chelseas neuer Trainer Andre Villas-Boas gedacht - und setzt es konsequent um.

"Jeder weiß, wie fieberhaft der Markt in den letzten August-Wochen sein wird", sagte der Nachfolger von Carlo Ancelotti.

"So ist das jedes Jahr, und obwohl ich die Erwartungen nach neuen Spielern und Veränderungen der Fans verstehe, müssen wir erst unsere Lage abschätzen", fügte er hinzu.

Heißt: Bevor die "Blues" große Investitionen in die Mannschaft machen, will sich der Ex-Trainer des FC Porto erst einen Überblick über den großzügigen Kader verschaffen, den die Londoner bereits besitzen.

Große Qualität im Sturm

Alleine der Sturm ist mit Spielern wie Didier Drogba, Fernando Torres, Nicolas Anelka, Salomon Kalou und dem von den Bolton Wanderers zurückgekehrten Daniel Sturridge glänzend besetzt.

Ob da Neuzugänge, wie der zuletzt kolpotierte Romelu Lukaku vom RSC Anderlecht als weitere Neuzugänge notwendig sind, erscheint fraglich. (350007DIASHOW: Internationale Wechselbörse)

Folglich will sich Villas-Boas an Spekulationen nicht beteiligen. "Ich kenne Lukaku, er hat in Belgien eine überragende Saison gespielt, aber ich werde dies nicht weiter kommentieren."

Drogba vor Vertragsverlängerung

Zudem sieht alles nach einer Vertragsverlängerung mit dem Ivorer Drogba aus, der bereits seit 2004 für die "Blues" auf Torejagd geht. Der 33-Jährige, um den sich immer wieder Abwanderungsgerüchte rankten, scheint nun doch seinen Aufenthalt an der Stamford Bridge verlängern zu wollen.

"Wir haben mit den Verhandlungen begonnen. Jeder weiß, was ich für Chelsea empfinde und was ich mir wünsche. Ich habe bereits gesagt, dass ich noch einige Jahre bleiben will", sagte Drogba dem "BBC".

Mag der Sturm auch ohne Neuzugänge glänzend aufgestellt sein, im Mittelfeld könnte der vierfache englische Meister eine Blutauffrischung gebrauchen.

Verstärkung im Mittelfeld notwendig

Mit Frank Lampard, Mikael Essien oder Florent Malouda tummeln sich dort zwar immer noch hochkarätige Namen, jedoch war bereits in der vergangenen Saison zu erkennen, dass auch sie ehemaligen Glanzleistungen hinterherlaufen.

Zudem fällt der Ghanaer Essien mit einem Kreuzbandriss erneut für Monate aus.

Spieler wie Ramires oder John Obi Mikel brauchen dagegen noch Zeit, um in diese Mittelfeld-Rollen hineinzuwachsen. Ein Glück für Villas-Boas, dass der Israeli Yossi Benayoun bisher eine starke Vorbereitung spielt und im Mittelfeld die zentrale Rolle einnimmt.

Modric-Verhandlungen stocken

Als weitere Verstärkung für das Mittelfeld ist zudem Tottenhams Luka Modric der Wunschkandidat.

Für den kroatischen Spielmacher gab Chelsea bereits zwei Mal ein Angebot ab, beide Male holte man sich beim Londoner Konkurrenten eine blutige Nase.

Auf knapp 40 Millionen Euro haben die "Blues" ihr Angebot mittlerweile aufgestockt, und obwohl der Wunsch der 25-Jährigen, zum FC Chelsea zu wechseln, verbürgt ist, scheint der Poker noch lange nicht beendet.

"Wenn wir darauf aus wären, ihn zu verkaufen, wäre dieser Betrag nicht das, was ich mir vorstelle", sagte Spurs-Coach Harry Redknapp in der britischen "Sun". " Luka ist weitaus mehr wert."

Romeu-Deal fast fix

Einer, dessen Transfer jedoch so gut wie in trockenen Tüchern ist, ist Oriol Romeu vom FC Barcelona.

Da sich das 19 Jahre alte Mittelfeldtalent aber derzeit mit dem spanischen U-20-Nationalteam bei der Weltmeisterschaft in Kolumbien aufhält, lässt die offizielle Unterschrift noch auf sich warten.

Für Chelseas neuen Trainer ist Romeu die optimale Ergänzung für das defensive Mittelfeld: "Da sind wir noch zu dünn besetzt, nicht erst seit der Verletzung von Michael Essien."

Bisher haben die Londoner mit Thibaut Courtois lediglich einen 19-jährigen Nachwuchstorhüter vom belgischen Meister KRC Genk verpflichtet. Der belgische Torhüter des Jahres wurde aber prompt zu Atletico Madrid ausgeliehen, um Erfahrung zu sammeln.

Vorbereitungstour in Asien

Also befindet sich Chelsea momentan gänzlich ohne prominente Neuzugänge in Asien auf Vorbereitungs- und Marketing-Tour und feilt an der Form für den Saisonstart.

Gegen eine Auswahl aus Malaysia (1:0), eine Thailand-Elf (4:0) und zuletzt im Rahmen der Barclays Asia Trophy gegen den Kitchee SC aus Hong Kong (4:0, Tore durch Lampard, Drogba, Sturridge sowie ein Eigentor) hielt sich das Team bisher schadlos, was bei der Auswahl der Gegner allerdings nicht überraschend war.

Das Finale der Trophy gegen den Ligarivalen Aston Villa könnte somit zu einer ersten Standortbestimmung werden.

Unabhängig vom Ergebnis, will Villas-Boas die Entwicklung seiner Mannschaft vorantreiben.

"Wir haben nach der Asien-Tour noch 15 Tage in London bevor die Saison losgeht. Momentan ist es bei uns weiterhin ein laufender Prozess. Wir werden nicht aufhören, werden weiter intensiv trainieren. Die Testspiele sind wie eine zusätzliche Trainingseinheit."

Villas-Boas plant offensiv

Beim System zeichnet sich beim 33-Jährigen zunehmend das 4-3-3 als Favorit ab.

"Beim 4-3-3 haben wir nicht nur einen Stürmer, sondern gleich drei Angreifer", erklärt der Portugiese, "Für dieses System haben wir die Flexibilität im Kader", sagte er im Wissen um die zahlreichen Stürmertypen im Kader.

Allerdings wurden in den Tests auch ein 4-4-2 sowie ein 4-2-3-1 getestet. "Wir müssen in der Liga flexibel sein", begründet Villas-Boas seine Maßnahmen.

Bislang scheint der neue Trainer also auch ohne Transfer-Kracher mit seiner Mannschaft zufrieden zu sein. Bei der Jagd auf Meister Manchester United würden sie indes sicher auch nicht schaden.

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