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Seit Tagen toben in mehreren englischen Großstädten schwere Straßenschlachten © dpa

Hitzlsperger erlebt die Krawalle in London hautnah mit. Van der Vaart sorgt sich um seine Sicherheit. Die Liga will reagieren.

London - Der ehemalige deutsche Nationalspieler Thomas Hitzlsperger erlebt die schweren Krawalle hautnah mit, der Ex-Hamburger Rafael van der Vaart sorgt sich um seine Sicherheit und der englische Fußball könnte ein zweites Mal vor der Gewalt kapitulieren:

Nach der Absage des für Mittwoch angesetzten Länderspiel-Klassikers zwischen England und Vizeweltmeister Niederlande (News) ist nun auch der Start der Premier League am Wochenende gefährdet.

Die Ausschreitungen im Gastgeberland der Olympischen Spiele 2012 nehmen auch außerhalb des Fußballs Einfluss auf den Sport. (350007DIASHOW: Internationale Wechselbörse)

"Wir diskutieren die Situation mit den Clubs, der Polizei und den Behörden", heißt es in einer offiziellen Stellungnahme der Premier League.

Van der Vaart in Sorge

Eine Verschiebung droht in erster Linie den Heimspielen der Londoner Klubs Queens Park Rangers und Tottenham Hotspur. Ligavertreter und Vereine wollen bei einem Treffen am Donnerstag zu einer Entscheidung kommen.

"Ich frage mich, ob die Ligaspiele am Wochenende tatsächlich stattfinden können. Im Moment kann ich mir das nicht vorstellen", sagte Tottenham-Akteur van der Vaart.

Die Spurs, beheimatet in dem Londoner Stadtteil, in dem die Krawalle begannen, sollen zum Ligastart am Samstag zu Hause gegen den FC Everton spielen.

"Das Chaos ist unglaublich"

Van der Vaart betonte, dass an seinem Wohnort alles ruhig geblieben sei, ergänzte aber mit Blick auf das abgesagte Länderspiel: "Ich habe die Bilder im Fernsehen gesehen. Das Chaos dort ist unglaublich. So wie es aussieht, gibt es keine Chance, ein Spiel sicher durchzuführen."

Van der Vaarts Mitspieler Younes Kaboul rief die Verantwortlichen dazu auf, über weitere Absagen nachzudenken.

"Bei den Krawallen scheint es jetzt ernst zu werden. Wenn es zu gefährlich wird, sollte man lieber verschieben, um die Fans nicht zu gefährden. Die Sicherheit der Leute muss an oberster Stelle stehen." Benoit Assou-Ekotto meinte dagegen: "Ich hoffe, dass der Sport dazu beitragen kann, die Lage zu beruhigen."

Hitzlsperger ist fassungslos

Der derzeit vereinslose Thomas Hitzlsperger ist fassungslos über die Vorkommnisse in der englischen Hauptstadt. "Die Menschen sind besorgt, denn die Polizei bekommt die Lage derzeit nicht in den Griff, was in London einige wundert", sagte der 29-Jährige, der in London lebt, der "Zeit".

Hitzlsperger, der zuletzt bei West Ham United gespielt hat, schilderte: "Am Montag gab es keine Meile von meiner Wohnung entfernt Krawalle. Ich lebe an der Grenze zu Hackney im Nordosten Londons. Ich hab mich mit meinem Nachbarn darüber unterhalten, dass wir nur unsere Straße hochgehen müssten - dann könnten wir sie schon sehen. "

"Kurze Zeit später war ich im Fitnessstudio und habe während des Trainings alles live am Fernseher mitverfolgt, was in der Nachbarschaft passiert. Das war schon bizarr", so der Ex-Stuttgarter weiter.

"Der Frust ist deutlich spürbar"

Auch über mögliche Ursachen für die Wut der meist jugendlichen Randalierer äußerte sich Hitzlsperger.

"Die drastischen Sparmaßnahmen der Regierung spielen womöglich eine Rolle. (...) Der Frust ist deutlich spürbar, viele haben keine Arbeit und kein Geld", sagte er.

Gleichzeitig betonte Hitzlsperger: "Dass es derartige soziale Unterschiede gibt, ist nicht neu. Aber das ist keine Rechtfertigung dafür, auf Polizisten loszugehen, Eigentum anderer zu beschädigen oder Geschäfte zu plündern."

Hohe Verluste durch Länderspiel-Absage

Der niederländische Fußball-Verband befürchtet nach der Absage des Länderspiels Kosten in Millionenhöhe. "Wir wissen noch nicht, wie hoch die Summe genau ist. Wir werden mit dem englischen Verband darüber sprechen", sagte Verbandsdirektor Bert van Oostveen gegenüber der Tageszeitung "De Telegraaf".

Die Summe setzt sich aus den TV-Rechten und anderen kommerziellen Aktivitäten zusammen.

Am Dienstag waren auch vier Begegnungen des englischen Ligapokals und das Länderspiel zwischen Ghana und Nigeriam, das im nordwestlich von London gelegenen Watford hatte stattfinden sollen, abgesagt worden. Am Mittwoch folgte die Absage des Ligapokalspiels zwischen den Bristol Rovers und dem FC Watford.

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