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Arsene Wenger trainiert den FC Arsenal seit dem Jahr 1996 © dpa

Der Arsenal-Coach rutscht nach der höchsten "Gunners"-Niederlage seit dem Jahr 1896 in die tiefste Krise seiner Amtszeit.

Von Martin Hoffmann

München - Die Menschen in London staunten über den ersten in ihrem Land vorgeführten Film - eine einminütige Aufzeichnung des Wellengangs am Ärmelkanal.

Sie sorgten sich um die diplomatischen Verstimmungen ihrer Heimatnation mit dem deutschen Kaiser Wilhelm II. Sie betrauerten das erste Todesopfer einer neuen Erfindung namens Automobil.

Und sie ärgerten sich - so sie denn Fans von Woolwich Arsenal waren - über eine 0:8-Blamage gegen den Loughborough FC.

1896 war das. Es dauerte 115 Jahre, bis der heutige FC Arsenal eine Niederlage ähnlichen Ausmaßes erleben sollte ? bis zum vergangenen Sonntag.

Höchste Pleite seit dem 19. Jahrhundert

Die 2:8-Schlappe bei Titelverteidiger Manchester United (Bericht) ist Arsenal heftigste Liga-Pleite seit dem 19. Jahrhundert.

Und sie stürzt den Mann, der die Londoner seit dem 100. Jubiläums-Jahr der Loughborough-Schlappe trainiert, in die größte Krise seiner eineinhalb Jahrzehnte langen Amtszeit (DATENCENTER: Premier League).

"Humili8ed" titelt die "Sun" in Anspielung auf die Anzahl der Gegentore über Arsene Wenger ? "gedemütigt".

"Man fühlt sich gedemütigt"

Und der Franzose kann nicht widersprechen: "Man fühlt sich gedemütigt, wenn man acht Tore zulässt."

Und mit nur einem Punkt aus drei Spielen nur einen Platz vor der Abstiegszone rangiert. Eine elende Situation für einen Coach, der sein Team zu drei Meisterschaften und vier Pokalsiegen geführt hat.

Was nun über ihn hereinbricht, hat Züge einer Wenger-Dämmerung.

"Entehrter General"

"Das Undenkbare muss nun auf die Agenda", findet die "Sun": Wengers Abschied.

Der seriöse "Guardian" stößt ähnliche Töne an: "Der General, der seine Truppen zu so viele Siegen geführt hat, steht entehrt da." Man müsse sich fragen, "ob er die Kraft hat, die er braucht, um so eine Katastrophe zu überwinden".

Wenger glaubt, die Kraft zu haben. "Nein. Natürlich nicht", lautete seine Antwort auf die sich mittlerweile aufdrängende Frage, ob er hinwerfen würde.

Zu seiner Verteidigung wies Wenger auch auf die besonderen Umstände der Niederlage hin: "Uns haben acht Spieler gefehlt, jede Mannschaft würde das zu spüren bekommen."

Beistand vom alten Rivalen

United-Coach Sir Alex Ferguson, zu besseren Zeiten Wengers großer Rivale, sprang seinem Trainerkollegen zur Seite.

"Er hat phänomenale Arbeit bei Arsenal geleistet", so der Schotte: "Er hat so viel für den Klub getan, ihm eine Philosophie gegeben."

Es sei "eine zynische Welt, wenn die Scharfrichter aus ihren Löchern kommen, wenn man ein paar Spiele verliert".

Und: "Er wird wieder ein großer Konkurrent sein, wenn er seine Spieler zurückbekommt."

Verluste wiegen schwer

Ob sich die Arsenal-Krise jedoch so einfach in Wohlgefallen auflösen kann, ist aber fraglich.

Der Verlust der Säulen Cesc Fabregas und Samir Nasri wiegt für das traditionell junge Wenger-Team schwer.

Erfahrenere Kräfte wie Andrej Arschawin oder Thomas Rosicky haben sich in der Krise außerdem nicht als diejenigen angeboten, die das Führungsvakuum füllen könnten.

Abschreckungspotenzial für Wechselkandidaten

Noch deutlicher als zuvor ist nach dem 2:8-Debakel klar, dass Verstärkungen her müssen.

Monacos südkoreanischer Stürmer Park Chu-Young wird wohl kommen, kurz vor dem Transferschluss am 31. August sucht Arsenal außerdem Zuwachs für die Innenverteidigung und das zentrale Mittelfeld.

Dumm allerdings, dass Arsenals momentaner Zustand erhebliches Abschreckungspotenzial für potenzielle Wechselkandidaten bietet.

Wenger baut verbal schon für den schlimmsten Fall vor: "Wir müssen die richtigen Spieler finden, wenn wir das tun holen wir sie. Wenn wir das nicht tun, liegt es daran, dass wir keinen gefunden haben."

Dzeko brilliert bei Tottenham

Während Dortmunds Champions-League-Gruppengegner am Boden liegt, ist einer der Kontrahenten des FC Bayern derzeit wie berauscht von der eigenen Stärke:

Manchester City steht nach dem dritten Saisonsieg im dritten Spiel hinter United an der Tabellenspitze.

Bei 5:1-Auswärtssieg über Tottenham Hotspur drängte vor allem der schon als Fehleinkauf abgestempelte Edin Dzeko ins Rampenlicht.

Mit einem Viererpack setzte sich der ehemalige Bundesliga-Torschützenkönig an die Spitze der Torjägerliste (SERVICE: Die Premier-League-Torjäger).

"Ich fühle mich nun viel stärker"

"Ein besonderer Tag. Vier Tore in der Premier League gegen so ein gutes Team zu schießen ist fantastisch", schwärmte der Bosnier.

Dzeko sieht sich nun endgültig angekommen in Englands höchster Spielklasse.

"Als ich hier ankam, war es schwierig für mich", erinnerte er sich: "Ich bin in der besten Liga der Welt gelandet ohne eine Saisonvorbereitung ? es waren sechs harte Monate. Ich fühle mich nun viel stärker und kenne die Liga viel besser."

Mancini zieht den Hut

"Citizens"-Trainer Roberto Mancini überschüttete den ehemaligen Wolfsburger regelrecht mit Lob: "Es war perfekt, unglaublich, er hat für die Mannschaft gearbeitet, hat gegen die Verteidiger gerackert

Dzeko sei "nicht nur in der Luft gut, er hält auch den Ball, hilft dem Team - und schießt Tore".

Der italienische Coach krönte seine Eloge, indem er nach dem Spieler Edin Dzeko auch den Menschen würdigte: "Ich bin glücklich für ihn, denn er ist ein guter Kerl."

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