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Luiz Felipe Scolari (r.) ist seit Sommer Trainer von Michael Ballack bei Chelsea © imago

Der Chelsea-Coach muss sich nach dem Remis gegen West Ham verantworten. Aber nicht vor Abramowitsch, sondern vor seinen Spielern.

Von Michael Schulz

München - Verkehrte Welt beim FC Chelsea:

Nicht die Spieler, sondern der Trainer des aktuellen Zweiten der Premier League (Ergebnisse und Tabelle) steht in der Kritik.

Nicht Klubbesitzer Roman Abramowitsch bat Luiz Felipe Scolari zum Rapport. Es waren die Spieler der Blues, die auf eine Aussprache mit ihrem Vorgesetzten drängten.

Nach einem Bericht der englischen Tageszeitung "Times" forderten einige Führungsspieler nach dem 1:1 am letzten Wochenende im Londoner Derby gegen West Ham United von Scolari in der Kabine eine Erklärung, warum er Michael Ballack zur Halbzeit beim Stand von 0:1 für Didier Drogba ausgewechselt hatte.

Hingegen durfte Mittelfeldkollege Deco (Spielerporträt) durchspielen.

Der portugiesische Spielmacher läuft seit Wochen seiner Form hinterher, genießt aber anscheinend Privilegien beim brasilianischen Trainer.

Schelte für Deco

Der 31 Jahre alte Deco scheint im Gegensatz zu seinen Mitspielern sprachlich im Vorteil zu sein, denn einige Profis beklagten, dass sie die Anweisungen ihres Trainers nicht verstehen würden.

Die Sonderstellung bewahrte Deco jedoch nicht vor einer Schelte des Chelsea-Trainers, die gleichzeitig als Lob für Ballack gewertet werden kann.

"In den letzten zehn Minuten haben wir unseren Stil verändert, haben nur noch weite Bälle in den Strafraum geschlagen. Das will ich nicht sehen", monierte Scolari die Leistung seines Regisseurs: "Nachdem Drogba kam, haben wir das Mittelfeld verloren."

Terry und Lampard fordern härteres Training

Ende November war es zur ersten Revolte der Blues-Spieler gekommen.

Kapitän John Terry und Frank Lampard baten Scolari nach dem 1:2 gegen den Lokalrivalen FC Arsenal, das Training zu intensivieren und die Physis des Teams zu verbessern .

Die "Meuterei" der Spieler scheint dabei keineswegs unberechtigt. Nur einen Sieg gab es in den letzten fünf Spielen an der heimischen Stamford Bridge für den Vorjahres-Zweiten.

Schwache Auftritte in der Champions League

Und auch in der Champions League (Alles zur Gruppe A) sahen die Fans in den sechs Gruppenspielen - drei Siege, zwei Remis und eine Niederlage - keineswegs berauschende Spiele.

Noch hat Scolari, der momentan seinen schmerzenden Nierensteine auskuriert, beim Londoner Nobelklub nicht zeigen können, warum er mit der "Selecao" 2002 Weltmeister und zwei Jahre später mit Portugal Vize-Europameister wurde.

Der 60-Jährige braucht nun dringend Siege in den nächsten Auswärtsspielen (Everton und Fulham) sowie dem Heimmatch gegen West Bromwich Albion, um weitere Revolten seiner Spieler zu verhindern.

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