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Stürmer Nicolas Anelka (l.) markierte für Chelsea bereits 14 Ligatore © imago

Mit 29 Jahren ist Nicolas Anelka zu einem echten Teamplayer gereift, von früheren Eskapaden ist keine Spur mehr zu sehen.

Von Tobias Schneider

München - Egal, wo Nicolas Anelka, 29, in den vergangenen Jahren seine Brötchen verdiente:

Es war immer nur eine Frage der Zeit, bis der extrovertierte Franzose es sich mit dem Trainer, den Vereins-Bossen, den Fans oder gleich mit allen gemeinsam verscherzte.

Diese Zeit soll nun aber endgültig der Vergangenheit angehören.

Anelka (Spielerporträt) hat genug vom Image des Rüpels, des ständigen Quertreibers und Egomanen. Gegen das Schlusslicht aus West Bromwich will der 29-Jährige (ab 13.30 Uhr LIVE) sein Torekonto weiter ausbauen

Seit Januar 2008 steht der weitgereiste Stürmer beim FC Chelsea unter Vertrag, 15 Millionen Pfund überwiesen die "Blues" damals an die Bolton Wanderers, um sich die Dienste des unsteten Franzosen zu sichern.

Das Risiko wurde belohnt: Mit 14 Saisontore ist Anelka nicht nur der beste Torjäger in Reihen seines Teams, sondern führt auch die Torjägerliste in der Premier League mit weitem Vorsprung vor Gabriel Agbonlahor (Aston Villa, 9 Tore) an.

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Odysee durch Europa

Bei acht Klubs stand das "Enfant terrible" in den vergangenen acht Jahren unter Vertrag, spielte in Spanien, Frankreich, der Türkei und England. Über 130 Millionen Euro legten die Klubs insgesamt als Ablöse auf den Tisch.

Damit ist der in Versailles geborene Stürmer noch vor Hernan Crespo (120 Millionen Euro) und Juan Sebastian Veron (117 Millionen Euro) der teuerste Spieler der Welt, was die Gesamtsumme seiner Ablösen angeht.

Das Ende der Diva

Seinem früheren Spitznamen "Le Sulk", übersetzt "Der Mürrische", den er aus seiner Zeit bei Arsenal hinter sich herschleift, wird der Franzose nicht mehr gerecht.

Im Londoner Nobel-Klub Chelsea hat Anelka endgültig sein Lachen wieder gefunden, stellt sich völlig in den Dienst der Mannschaft.

Die Zeiten der schmollenden Diva gehören endgültig der Vergangenheit an.

"Eine große Persönlichkeit"

Kevin Nolan, Bolton-Kapitän und bis Januar Teamkollege von Anelka, lobt den Franzosen in der "Sun" in den höchsten Tönen:

"Sein Abschied hat uns allen weh getan. Er war eine große Persönlichkeit, auf und neben dem Platz. Für Chelsea ist er ein echter Glücksfall. Die Leute reden immer nur von Drogba, aber Nicolas hat mit seinen Toren allen gezeigt, was er drauf hat."

In der Kabine der "Blues" zeichnet sich Anelka mittlerweile für das komödiantische Rahmenprogramm verantwortlich, gibt einen Witz nach dem anderen zum Besten. Die Mitspieler krümmen sich bisweilen vor Lachen.

"Ich bin ein lustiger Typ. Wenn etwas witzig ist, lache ich schnell. Die Leute monieren, dass ich nie auf dem Rasen lächle. Das stimmt aber nicht", so Anelka.

Nächste Ausfahrt Hollywood?

Noch ist es für den 29-Jährigen zu früh, sich ernsthaft darüber Gedanken zu machen, wie es nach der aktiven Karriere weiter geht. Bis Juni 2011 ist Anelka noch an den FC Chelsea gebunden. Es sieht alles danach aus, als würde Anelka seinen Vertrag erfüllen.

Doch was kommt danach? Tingelt Anelka etwa als Stand-Up-Comedian durch England? Dem Franzosen schwebt etwas anderes vor: Hollywood. Schauspielerische Erfahrung kann er immerhin schon vorweisen. 2002 hatte Anelka eine Rolle in dem französischen Gaunerstreifen "Ball and Chain - Zwei Nieten und sechs Richtige".

Ein Job, der Lust auf mehr geweckt hat: "Ich liebe Action-Helden wie Bruce Willis oder Vinnie Jones. Wer weiß, vielleicht steht nach der sportlichen Karriere bald ein Oscar in meiner Vitrine."

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