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Letzte Saison noch Teamkollegen: Michael Ballack (l) und Claudio Pizarro © getty

20 Milliarden Euro kostet Chelseas Eigentümer die Finanzkrise. Der Ausverkauf droht, die Meisterschaft ist in Gefahr. Nur Werder könnte profitieren.

Von Christian Paschwitz

München - Wenn es stimmt, was Roman Abramowitschs Portfolio mittlerweise ausweisen soll, und falls es doch richtig ist, dass Geld Tore schießt und Titel holt, dann wird es wohl wieder nichts mit Michael Ballacks erster Meisterschaft auf der Insel.

Jedenfalls dürfte der FC Chelsea und sein Mäzen, Lohn-Überweiser auch des deutschen Nationalmannschafts-Kapitäns (Porträt), den Gürtel angesichts der Finanzkrise ab sofort wohl deutlich enger schnallen müssen.

Zum einen, was die Verpflichtung weiterer Spieler-Hochkaräter angeht. Mehr aber sogar, was die Weiterbeschäftigung derjenigen betrifft, die bereits auf dem Gehaltszettel stehen.

Denn: Laut mehreren Medienberichten ist das Vermögen von Chelsea-Eigentümer Abramowitsch von 23,5 auf 3,3 Milliarden Euro zusammengeschmolzen. Notverkäufe drohen - wie womöglich der von Claudio Pizarro, momentan nur ausgeliehen an Werder Bremen.

Sogar ein Klub-Verkauf droht?

Wird am Ende gar Ballack abgegeben? Dem Star-Ensemble mit so klangvollen Namen wie Frank Lampard, Michael Essien und Didier Drogba droht jedenfalls die Sprengung.

Abramowitsch soll durch den weltweiten Kurssturz an den Börsen derart in Schieflage geraten sein, dass Beobachter der Premier League bereits unken, der 42-Jährige müsse den Klub veräußern.

Das wiederum brächte die in der Liga zuletzt wenig souveränen Londoner (Chelsea lässt Federn) in die Bredouille, durch Spielerverkäufe Einnahmen generieren zu müssen.

So oder so: Abramowitsch muss mächtig sparen. Laut der "Aspen Times" drückt es den Russen schon so arg, dass er sogar eine Silvester-Party im amerikanischen Nobel-Ski-Ort Aspen kurzfristig abgesagt hat.

Born bringt sich in Stellung

Des einen Leid könnte des anderen Freud werden - besonders im Fall Pizarro: Werder-Lenker Jürgen L. Born bringt sich jedenfalls schon mal vorsorglich in Stellung hinsichtlich eines Notverkaufs des Torjägers (Porträt) von London an die Weser.

"Dass Chelsea 15 Scouts entlassen hat, ist eine deutliche Sprache. Der Klub wird umdenken und die Bleistifte spitzen müssen", sagte Born der "Bild" - und rechnet wohl auch damit, den Wunsch-Stürmer (bisher 13 Saison-Treffer) dann zum Schnäppchenpreis zu bekommen.

Der 30-Jährige, bei Chelsea noch bis 2010 unter Vertrag, wird mit einen Marktwert von neun Millionen Euro gehandelt. Ein Notverkauf dürfte den Preis jedoch enorm nach unten drücken.

Allofs fragt bald an

Der Peruaner hat ohnehin verlauten lassen, sich eine Zukunft in Bremen vorstellen zu können. Werder-Sportdirektor Klaus Allofs soll nach dem Jahreswechsel bei Chelsea anfragen, ob man bereit sei, Pizarro abzugeben.

Eigene Transfers dagegen, teure allemal, scheinen bei den Engländern kaum noch drin zu sein. Boulevard-Blätter wollen sogar erfahren haben, dass die Spieler von Coach Luiz Scolari (Porträt) in der Klub-Kantine ihre Mahlzeiten aus eigener Tasche berappen zu müssen.

Eine psychologische Situation, die im Titel-Rennen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle) gravierend belasten mag. Besonders Ballack, der in der Premier League noch immer auf seinen ersten ganz großen Titel wartet.

Final-Niederlage mit Pizarro

Pikanterweise an der Seite von Pizarro hatte der 32-Jährige in der vergangenen Saison das Champions-League-Finale gegen ManUnited im Elfmeterschießen verpatzt.

Verlieren die "Blues" nun auch noch Abramowitsch als Mäzen, sind die Folgen kaum abzusehen: Zumal ein solcher Vorfall in der Vergangenheit schon mehrfach eine enorme Kräfteverschiebung nach sich zog.

Ein Lied davon singen kann auch West Ham United: Dessen Geldgeber Björgolfur Gudmundsson, isländischer Geschäftsmann und Hauptaktionär der Pleitebank Landsbanki, erwägt wie der Eigentümer des FC Fulham den personellen Aderlass und Klub-Verkauf.

Portsmouth und Everton blank

Einen solchen erst im letzten Moment noch abgewendet hat Newcastle United. Bereits auf der Suche nach neuen Besitzern sind dagegen der FC Portsmouth und der FC Everton.

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