vergrößernverkleinern
Terry ist seit 2003 englischer Nationalspieler. In 72 Spielen gelangen ihm sechs Tore. © getty

Obwohl Terry noch nicht verurteilt ist, zieht die FA in der Rassimus-Affäre bereits Konsequenzen und degradiert den Verteidiger.

London - Die Vorwürfe gegen John Terry sind schwerwiegend.

Und obwohl das juristische Urteil noch nicht gesprochen ist, hat der englische Fußball-Verband (FA) Konsequenzen aus der Rassismus-Affäre gezogen und den Innenverteidiger als Kapitän der Nationalmannschaft abgesetzt - bereits zum zweiten Mal.

"Die Entscheidung wurde aufgrund der hohen moralischen Verpflichtung des Amtes auf und neben dem Platz getroffen", hieß es in einer Mitteilung, "er wird das Team nicht führen, bis die Vorwürfe gegen ihn geklärt sind."

Terry dürfe aber weiter für die "Three Lions" spielen.

Doch ob der 31-Jährige jemals sein 73. Länderspiel bestreiten oder gar an der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine (8. Juni bis 1. Juli) teilnehmen wird, ist unwahrscheinlicher denn je.

Besonders brisant: Die Degradierung Terrys erfolgte ohne die Zustimmung von Nationaltrainer Fabio Capello.

Terry beteuert seine Unschuld

Wer den angeblichen Wortlaut von Terrys Beschimpfungen gegen seinen dunkelhäutigen Gegenspieler Anton Ferdinand von den Queens Park Rangers während eines Spiels in der Premier League am 23. Oktober 2011 nachlesen will, muss im Internet nicht lange suchen.

Es sind wirklich hässliche Worte, die der Verteidiger des FC Chelsea gebraucht haben soll. Terry selbst bestreitet die Vorwürfe vehement und bezeichnet den Vorgang als Hetzkampagne gegen seine Person.

"Ich werde mit Klauen und Zähnen kämpfen, um meine Unschuld zu beweisen", hatte er zuletzt stets betont.

Schwerer Imageschaden

Die Staatsanwaltschaft sieht die Anschuldigungen allerdings durch Videoaufnahmen belegt und hat bereits ein Verfahren gegen Terry eingeleitet.

Die Hauptverhandlung soll im Sommer kurz nach der EM beginnen - im Falle einer Verurteilung droht dem Multimillionär eine Geldstrafe von bis zu 3000 Euro.

Doch viel schwerwiegender ist für Terry der bereits jetzt angerichtete Imageschaden.

"Ich habe noch nie einen Menschen rassistisch beleidigt", sagte Terry zuletzt, "Rassismus hat in unserer Gesellschaft keinen Platz".

Er sei enttäuscht, dass die Menschen anhand der Videobilder die falschen Schlüsse über seine Äußerungen zögen.

"Ich dachte, dass Anton mich beschuldigte, ich hätte ihn rassistischt beleidigt. Ich reagierte aggressiv und sagte, dass ich diese Begriffe nie verwenden würde. Ich würde so etwas nie sagen, und ich bin traurig, dass die Leute denken, ich hätte es gesagt."

Zweite Degradierung für Terry

Terry wurde bereits zum zweiten Mal als englischer Kapitän abgesetzt.

Bereits 2010 vor der Weltmeisterschaft in Südafrika musste er die Binde abgegeben, nachdem bekannt wurde, dass der verheiratete Familienvater eine Affäre mit dem Unterwäsche-Model Vanessa Perroncel, der Ex-Freundin seines ehemaligen Teamkollegen Wayne Bridge, hatte.

Die Entrüstung auf der Insel war groß, Capello zog die Konsequenzen.

Weiter mit Ferdinand in der Innenverteidigung?

Doch in dem aktuellen Fall wollte der Italiener zu Terry stehen, solange dieser nicht rechtskräftig verurteilt sei.

Erst im März hatte ihn Capello nach einer Verletzung von Rio Ferdinand wieder zum Spielführer ernannt.

Zusätzliche Brisanz erhält die Affäre dadurch, dass Terry bei der kommenden EM gemeinsam mit Rio Ferdinand das Innenverteidiger-Duo bilden soll.

Anton Ferdinand ist der jüngere Bruder von Rio.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel