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Torres traf für Liverpool im Schnitt 0,64 mal pro Spiel © getty

Für viel Geld kam Fernando Torres zum FC Chelsea. Doch Torres leidet unter Dauer-Ladehemmung und die Unterstützung schwindet.

München - Keinem anderen Spieler schauen die Engländer mit so viel Spaß beim Scheitern zu wie Fernando Torres.

Seit Wochen machen sich Fans und Medien darüber lustig, dass der Mittelstürmer das Tor einfach nicht mehr trifft.

Seit 1074 Minuten wartet Torres auf einen Treffer - überhaupt hat der Spanier, der vor einem Jahr für 58 Millionen Euro vom FC Liverpool zum FC Chelsea gewechselt war, erst drei (!) Ligatore für die Blues erzielt. Das macht knapp 20 Millionen pro Treffer.

Die spanische Zeitung "Sport" nennt seine Zeit in London ein "Jahr in der Hölle. Oder ist es sogar schlimmer als die Hölle?"

Villas-Boas stärkt Torres den Rücken

Dennoch wird er am Sonntag gegen Manchester United (ab 17 Uhr LIVESCORES) spielen. Weil die Konkurrenten Didier Drogba und Salomon Kalou mit der Elefenbeinküste beim Afrika-Cup weilen, redet Trainer Andre Villas-Boas seinen gefallenen Star stark.

"Stürmer leben von ihren Toren", sagt Villas-Boas, "aber man kann nicht sagen, dass er es nicht versucht. Er bewegt sich gut, ist präsent. Eines Tages wird sein Aufwand belohnt."

Ja, Torres rackert, Torres läuft - aber ihm gelingt einfach nichts. Seitdem er das rote gegen das blaue Trikot getauscht hat, warten die Fans sehnsüchtig auf einen dieser blitzartigen Antritte, einen eleganten Abschluss wie den, mit dem er Deutschland 2008 den EM-Titel entriss. Längst ist "El Nino" (der Junge) nicht mehr derselbe Stürmer, der für Liverpool 65 Mal in 102 Ligaspielen getroffen.

Bei Chelsea verstolpert er die Bälle und versemmelt spektakulär selbst die besten Torchancen, wie im Hinspiel gegen United.

Platz bei Spanien wackelt

Selbst in Spanien ist Torres nicht mehr unumstritten. Nationaltrainer Vicente del Bosque setzte ihn zuletzt mit Hinblick auf die EM in Polen und der Ukraine unter Druck.

"Wenn sich seine Situation beim FC Chelsea nicht verbessert, wird es hart für ihn", sagte del Bosque, zwar verdiene Torres "Respekt für seine bisherigen Leistungen", aber es gebe "bestimmte Dinge, die auch klar sind". Eine bemerkenswerte Aussage, schließlich hatte sich zu diesem Zeitpunkt David Villa längst das Schienbein gebrochen.

Es gibt nicht mehr viele, die Torres öffentlich den Rücken stärken. Frank Lampard gehört dazu. Der Mittelfeldspieler, mit neun Toren Chelseas bester "Torjäger", sagt: "Ich warte auf den Moment, in dem er mal zwei oder drei Tore in einem Spiel macht. Irgendwann muss der Knoten ja platzen. Schließlich reißt er sich den A... auf, geht weite Wege und bereitet Tore vor."

Chelsea zwölf Punkte zurück

Tore sind gegen Manchester dringend notwendig. Chelsea liegt bereits zwölf Punkte hinter United und Manchester City. Ein Sieg würde die angespannte Stimmung bei den Blues sicher beruhigen.

Zwar gab es nur eine Niederlage in den letzten zehn Spielen, aber glückliche Unentschieden wie gegen die Aufsteiger Swansea und Norwich trüben die Bilanz merklich. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Wer ersetzt Ashley Cole?

Zudem plagen Coach Villas-Boas Abwehrsorgen. Linksverteidiger Ashley Cole flog gegen die Waliser vom Platz, ein adäquater Ersatz ist nicht im Kader. Daher muss Villas-Boas improvisieren. Möglich ist, dass Rechtsverteidiger Paulo Ferreira den Job übernimmt.

Die Routiniers Frank Lampard und John Terry dürften wieder ins Team rücken. Bei Terry bleibt allerdings abzuwarten, wie er die Absetzung als "Three Lions"-Kapitän verdaut hat. (BERICHT: Terry verliert Kapitänsamt)

Torwartprobleme bei United

Auch United-Trainer Alex Ferguson hat Verletzungssorgen. Keeper Anders Lindegaard fehlt mit einer Knöchelblessur mindestens vier Wochen. Der zuletzt unsichere David De Gea lag während der Woche mit Grippe im Bett, soll aber spielen können. Ansonsten kommt Youngster Ben Amos zu seinem zweiten Liga-Einsatz.

Die zuletzt angeschlagenen Wayne Rooney, Nani und Ashley Young sind wohl wieder dabei. Ein Fragezeichen steht hinter Tom Cleverley, der mit einer Knöchelverletzung seit Oktober außer Gefecht war.

"Unsere Verletzungssituation hat sich verbessert. Ich hoffe, dass Rooney, Nani, Cleverley und Young im Kader sind", bangt Ferguson.

Die Bilanz der "Red Devils" an der Stamford Bridge ist alles andere als rosig. Seit zehn Jahren konnten sie dort nicht mehr gewinnen.

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