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Roman Abramowitsch kann für Chelsea nicht mehr so viel Geld ausgeben wie gewohnt © getty

Die weltweite Finanzkrise bedroht Fußball-Europa. Sogar der FC Chelsea wird womöglich ohne Neuzugang in die Rückrunde gehen.

München - Die Finanzkrise zwingt die europäischen Top-Klubs auf große Investitionen zu verzichten.

Weil das Vermögen von Klubbesitzer Roman Abramowitsch angeblich um 14 Milliarden Euro geschrumpft ist, steht den Blues ein schmerzhaftes Sparprogramm bevor.

Erstes Indiz: Womöglich muss der englische Vizemeister ohne Neuzugang im Januar auskommen.

"Es ist eine andere, eine schwierigere Zeit für Chelsea", klagte Trainer Luiz Felipe Scolari und muss dieser Tage förmlich um einen Neuzugang betteln: "Wenn sich keiner mehr verletzt, dann werden sie wohl höchstens noch einen Neuen holen, denn ich brauche ja einen neuen Spieler. Nur einen. Einen Stürmer."

Zurückhaltung auch bei der Konkurrenz

Die Auswirkungen der Finanzkrise haben die Premier League, die mit rund 3,2 Milliarden Euro verschuldet ist, offenbar schon voll erwischt. Statt Millionen-Transfers zu tätigen, üben sich die Großkopferten in Zurückhaltung.

Meister Manchester United verpflichete für die restliche Saison die beiden Serben Zoran Tosic und Adem Ljajic. "Das war es erstmal mit unseren Neuzugängen. In diesem Monat werden wir definitiv nicht mehr aktiv", erklärte ManU-Teammanager Sir Alex Ferguson.

Dabei wurde auf der Insel erst vor einem Jahr eine Rekordsumme von umgerechnet rund 240 Millionen Euro in die Januar-Transfers investiert. Fünf Jahre zuvor waren es im Vergleich dazu "nur" 50 Millionen Euro gewesen.

Bezeichnend für die allgemeine Tristesse auf dem europäischen Spielermarkt, dass aktuell ein knapp dreimonatiges Ausleihgeschäft die Schlagzeilen bestimmt. David Beckham sorgt zumindest bis 8. März 2009 beim AC Mailand für den Glamour-Faktor.

Beckenbauer kann Krise etwas Gutes abgewinnen

Deutschlands Fußball-Lichtgestalt Franz Beckenbauer allerdings sieht die schwierige wirtschaftliche Situation auch als Chance für eine Regulierung der "Marktpreise". "Gott sei Dank trägt die allgemeine Finanzkrise als Nebeneffekt dazu bei, dass die absurde Preistreiberei in Europa aufhört. 20 oder mehr Millionen Euro für Durchschnitts-Spieler? Das war Wahnsinn und wird sich hoffentlich ändern", meinte Beckenbauer in der "Bild".

Bayern-Coach Jürgen Klinsmann ergänzte in Dubai: "Es wird spannend sein zu verfolgen, was bei den großen Klubs passiert, wenn die Investoren sagen, dass sie nicht mehr das nötige Kleingeld haben."

West-Ham-Besitzer will verkaufen

Besonders im Fußball-Mutterland England geht angesichts der Hiobsbotschaften und düsteren Prognosen aus aller Welt die Angst um. Kein Wunder, neun der 20 Premier-League-Klubs sind derzeit im Besitz ausländischer Investoren.

Vor allem West Ham United droht Ungemach, weil der Klub in isländischer Hand ist. In Island hat die Finanzkrise zum Staatsbankrott geführt. "Hammers"-Besitzer Björgolfur Gudmundsson ist davon direkt betroffen und muss den Klub so schnell wie möglich verkaufen.

Abramowitsch beklagt 14 Milliarden Verlust

Auch Chelsea könnte vor einer ungewissen Zukunft stehen. Immerhin soll das Vermögen von Blues-Besitzer Roman Abramowitsch nach Angaben der russischen Zeitung "Iswestja" innerhalb weniger Monate von knapp 17 Milliarden Euro auf 2,3 Milliarden Euro geschrumpft sein.

Abramowitsch höchstpersönlich soll Coach Scolari Neueinkäufe in der Winterpause untersagt haben. Derzeit belastet ein Schuldenberg von etwa 1,1 Milliarden Euro die Blues.

Bei rund 870 Millionen Euro handelt es sich um Kredite. Diese muss der Klub an Abramowitsch zurückzahlen. Das Ziel, 2010 ohne zusätzliche Schulden auszukommen, ist erst einmal in weite Ferne gerückt.

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