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Andre Villas-Boas wechselte im Sommer 2011 vom FC Porto zu Chelsea © getty

Chelseas Teammanager attackiert vor dem FA-Cup-Achtelfinale gegen Birmingham sein Team. Ein Pokal-Aus hätte wohl Folgen.

Von Christoph Lother

München - Es weht ein eisiger Wind an der Stamford Bridge.

Doch das liegt weniger an den Temperaturen, als an der jüngsten Durststrecke des FC Chelsea in der Premier League.

Nach nur drei Punkten aus den letzten vier Partien und dem Abrutschen auf Rang fünf der Tabelle ist die Stimmung im Lager der Blues zunehmend gereizt (DATENCENTER: Premier League).

Eine weitere Niederlage im Achtelfinale des FA-Cups gegen Zweitligist Birmingham City (Sa., 13.25 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) könnte das Fass wohl endgültig zum Überlaufen bringen (DATENCENTER: FA-Cup).

Zwei Titel wohl schon verspielt

"Entsprechend unserem Glauben an dieses Team gaben wir ihm den Auftrag, zu versuchen, vier Titel zu holen", erinnerte Teammanager Andre Villas-Boas vor dem Pokalspiel gegen Birmingham noch einmal an die ursprüngliche Zielvorgabe für diese Saison.

Angesichts des Viertelfinal-Aus im Carling-Cup gegen Liverpool und mittlerweile 17 Punkten Rückstand auf Liga-Primus Manchester City hat Chelsea die ersten zwei Titelchancen aber wohl schon verspielt (SERVICE: Der Tabellenrechner der Premier League).

"Ich denke, unsere derzeitigen Ergebnisse sind nicht gut genug und wenn sie nicht gut genug sind, muss man versuchen, herauszufinden, woran das liegt", erklärte Villas-Boas.

Villas-Boas nimmt Spieler in die Pflicht

Nachdem zu Beginn der Woche schon Klub-Besitzer Roman Abramowitsch seinem Ärger über die jüngste 0:2-Niederlage in Everton Luft gemacht hatte, nahm nun auch Villas-Boas seine Spieler in die Pflicht.

"Im Endeffekt kämpfen die Spieler um ihren Platz im Team, auch was die Zukunft betrifft. Wer also auch künftig einen Platz in der Mannschaft haben möchte, sollte versuchen, sich gegen seine Konkurrenten durchzusetzen", sagte der Portugiese.

Verhältnis zur Mannschaft angespannt

Villas-Boas ging sogar noch einen Schritt weiter.

"Die Spieler müssen mein Projekt nicht unterstützen. Es ist der Besitzer, der es unterstützen muss. Manche wollen nicht mitziehen? Das ist normal. Ich denke, der Besitzer hat vollstes Vertrauen in mich und wird auch weiterhin mithelfen, die Ideen, die wir haben, umzusetzen", erklärte der 34-Jährige.

Während Villas-Boas sein Verhältnis zu Abramowitsch als "perfekt" bezeichnet, scheint das zur Mannschaft extrem gestört zu sein.

Villas-Boas fühlt sich sicher

Dass nach Nicolas Anelka und dem Brasilianer Alex im Sommer noch weitere Leistungsträger den Verein verlassen könnten, bereitet Villas-Boas offenbar keine Sorgen: "Zwei Spieler sind bereits gegangen. Weitere werden folgen und nicht mehr Teil dieses Projekts sein. Aber so ist das eben bei einer Fußballmannschaft." 486320(DIASHOW: Internationale Wechselbörse)

Seinen Job sieht der Portugiese jedenfalls nicht gefährdet, auch wenn er zugibt: "Ich weiß, dass ich hinsichtlich der Ergebnisse unter Druck stehe."

Drogba nimmt Villas-Boas in Schutz

Während er sich von großen Teilen der Mannschaft im Stich gelassen fühlt, erfährt Villas-Boas wenigstens von Stürmerstar Didier Drogba Rückendeckung.

"Jeder weiß, wie es ist, wenn man mit großen Ambitionen ankommt und es nicht so läuft, wie man es sich vorgestellt hatte. Es ist nicht leicht für ihn, aber er ist nicht allein verantwortlich. Das sind wir alle. Man hat seine Position und seine Autorität zu respektieren", wird Drogba bei "ESPN" zitiert.

Der Ivorer wird Chelsea aber auch gegen Birmingham fehlen. Genau wie für Salomon Kalou käme für Drogba ein Einsatz nach den Strapazen des Afrika-Cups wohl zu früh.

Allerdings weiß der Stürmer, dass es "katastrophal wäre, wenn wir es in der Premier League nicht unter die ersten Vier schaffen würden. Wir waren niemals schlechter als Vierter, seit ich hier bin."

Birmingham vor der Brust, Neapel im Kopf

Auch das Achtelfinal-Hinspiel in der Champions-League beim SSC Neapel (Dienstag ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) wirft bereits seine Schatten voraus.

"John Terry hat erstmals in dieser Woche eine komplette Trainingseinheit absolviert, aber bei zwei Spielen innerhalb so kurzer Zeit muss man vorsichtig sein. Wenn er gegen Birmingham spielt, kann er wohl das Neapel-Spiel nicht bestreiten und deshalb haben wir uns noch nicht entschieden", erklärte Villas-Boas.

"Die Fans haben eine Reaktion verdient"

So oder so dürfen sich die Londoner am Samstag aber wohl keinen weiteren Ausrutscher mehr erlauben.

Das weiß auch Villas-Boas: "Wir versuchen alles, die Fans haben eine Reaktion verdient. Wenn du schlechte Erlebnisse hattest, erwartest du eine Reaktion."

Und die dürfte im Falle einer Niederlage extrem negativ ausfallen.

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