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Arsene Wenger trainiert den FC Arsenal seit dem 30.9.1996 © getty

Klatsche in der Champions League. Aus im FA-Cup. Die Horrorwoche für Arsenal ist "perfekt" und die Kritik an Wenger wächst.

München/London - Arsene Wenger hatte die Frage wohl erwartet, dennoch wertete er sie als Affront.

Ob seine Position als Teammanager des FC Arsenal gefährdet sei, wurde der Franzose nach dem Achtelfinal-Aus im FA Cup beim AFC Sunderland gefragt (DATENCENTER: FA-Cup).

"Welche Position?", fragte Wenger giftig zurück.

Als sich dann noch jemand erdreistete zu fragen, ob er hoffe, in der kommenden Saison noch im Amt zu sein, hatte Wenger genug gehört. "Ich glaube, dass es besser ist, diese Pressekonferenz jetzt zu beenden", sagte er - und ging.

Reds helfen drei Eigentore

Während bei Arsenal die Saison nach dem Aus im Pokal und dem Debakel im Champions-League-Achtelfinal-Hinspiel in Mailand (Bericht) in Trümmern liegt, rettete der FC Liverpool seine Saison vorerst mit dem Einzug ins FA-Cup-Viertelfinale.

Die "Reds" setzten sich in der Runde der letzten 16 gegen Zweitliga-Aufsteiger Brighton and Hove Albion 6:1 (2:1) durch.

Neben den Toren von Martin Skrtel (5.), Andy Carroll (57.) und Luis Suarez (85.) erhielten die Liverpooler noch Unterstützung durch drei Eigentore der "Seagulls".

Zweimal traf Liam Bridcutt (44./71.) ins eigene Netz, einmal Lewis Dunk (74.). Den zwischenzeitlichen Ausgleich erzielte Kazenga LuaLua in der 17. Minute.

Dagegen blamierte sich Tottenham Hotspur gegen den FC Stevenage. Beim Drittliga-Aufsteiger reichte es für den Tabellendritten nur zu einem 0:0. Damit kommt es zu einem Widerholungsspiel.

Schmähgesänge von Sunderland-Fans

Dass Wenger, in London längst eine Legende, derart angegangen wird, wäre vor wenigen Monaten als Majestätsbeleidigung eingeschätzt worden.

Doch spätestens seit der Tracht Prügel von Mailand am vergangenen Mittwoch, als die "Gunners" 0:4 unter die Räder gekommen waren, steht Wenger ernsthaft zur Disposition.

"Morgen früh fliegst du raus!", sangen die Sunderland-Fans am Samstag beim 2:0 (1:0)-Sieg der Black Cats. Und auch, wenn es so weit noch nicht ist, muss man sich ernsthaft sorgen um Wenger (SERVICE: Der Tabellenrechner der Premier League).

[kaltura id="0_8kprufq4" class="full_size" title="Eigentor-Show bringt Liverpool weiter"]

Guardiola im Gespräch

Es mag wie ein Sakrileg erscheinen, das zu sagen, schrieb der "Guardian" am Tag nach der Niederlage, "aber selbst die Besten verirren sich irgendwann - und dann unwiederbringlich".

Die "Daily Mail" spekulierte nach der "Horror-Show" sogar, dass Wenger ("ihm gehen die Ideen aus") zum Saisonende trotz bis 2014 laufenden Vertrags in den Vorstand "wegbefördert" wird und Pep Guardiola vom Champions-League-Sieger FC Barcelona auf ihn folgt.

Guardiola zögert, seinen Kontrakt zu verlängern und hat schon häufiger vom Reiz des Neuen gesprochen.

Van Persie vor Absprung?

Arsenal ist in beiden Cup-Wettbewerben ausgeschieden, in der "Königsklasse" so gut wie und in der Liga nur Vierter - es wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die siebte Saison ohne Titel in Folge (DATENCENTER: Premier League).

Möglicherweise wird Arsenal sich erstmals in der Ära Wenger, der seit 1996 amtiert, nicht für die Champions League qualifizieren. Nicht nur Nationalspieler Per Mertesacker wird das beunruhigen.

Zumal die Kanoniere sich im Dauer-Umbruch befinden und ihr einziger Weltklassespieler Robin van Persie vor dem Abgang steht.

Arschawin aussortieren

Roy Keane, der sich mit Arsenal als Profi von Manchester United so manche Schlacht lieferte, nannte die aktuelle Truppe am Wochenende die "schlechteste Arsenal-Mannschaft, die ich je gesehen habe".

Emmanuel Petit, Double-Sieger mit Arsenal 1998, empfahl Wenger, nun knallhart durchzugreifen. "Man muss ein starkes Signal setzen und Leuten wie Arschawin und Rosicky sagen: 'Gentlemen, danke, aber auf Wiedersehen!' Und zwar bald!"

Ende des Jungendstils?

Wenger müsse seinen Jugendstil aufgeben und erfahrene Spieler holen.

Bezeichnenderweise war es in Sunderland ein Eigentor des 18-jährigen Alex Oxlade-Chamberlain (78.), das die Niederlage besiegelte. Zuvor hatte Kieran Richardson getroffen (40.).

Steckt Arsenal jetzt in der Krise? "Kommt darauf an, was Sie Krise nennen", sagte Wenger: "Die Leute kritisieren, analysieren, zerstören. Ich bekomme von vielen viel zu hören. Es ist wichtig, dass wir uns dem stellen und Stärke zeigen."

Die Frage ist nur, wie lange er das noch will.

Auch Villas-Boas vor Aus

Kollege Andre Villas-Boas steht nach dem 1:1 des FC Chelsea im FA-Cup gegen Zweitligist Birmingham City, das ein Wiederholungsspiel nötig macht, ähnlich stark unter Druck.

Die Fans forderten bereits die Rückkehr von Jose Mourinho, die Medien spekulieren, dass Villas-Boas bei einer weiteren Niederlage am Dienstag in der Champions League beim SSC Neapel seinen Job los sein könnte.

Villas-Boas musste derweil Gerüchte dementieren, dass Stürmer Didier Drogba in der Halbzeit die Taktikbesprechung übernommen habe. "Lächerlich", sei das, und überhaupt: Seine Position sei "überhaupt nicht" gefährdet.

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