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Michael Ballack erzielte für Chelsea in dieser Saison noch kein Tor © getty

Im Zuge der Finanzkrise ist eine Vertragsverlängerung des DFB-Kapitäns in London auch angesichts der jüngsten Leistungen nicht garantiert.

Von Martin van de Flierdt

München - Im November noch schien alles nur eine Formsache.

Der Vertrag von Michael Ballack beim FC Chelsea läuft zwar im Sommer aus. Doch beim englischen Spitzenklub waren die Verantwortlichen mehr als nur geneigt, die Option auf ein weiteres Jahr ohne Wenn und Aber zu ziehen.

"Michael spielt eine bedeutende Rolle bei Chelsea, daher sehen wir keinen Grund, von dieser Option nicht Gebrauch zu machen", sagte Blues-Geschäftsführer Peter Kenyon damals.

Die Finanzkrise hat dazu geführt, dass inzwischen sehr wohl über das Wenn und Aber diskutiert wird.

Schließlich ist das Vermögen von Klubbesitzer Roman Abramowitsch im Zuge der Wirtschaftskatastrophe um 3,3 Milliarden Euro geschrumpft, wie das englische Magazin "FourFourTwo" errechnet hat.

Der Russe ist mit einem Eigentum von 7,7 Milliarden Euro nur noch die Nummer drei der Fußballgeldgeber auf der britischen Insel hinter Manchester Citys Boss Scheich Mansur bin Sajid Al Nahjan (16,5 Milliarden) und dem Inder Lakshmi Mittal (13,7 Milliarden), dem Zweitligist Queens Park Rangers gehört.

Es fällt also auch Chelsea nicht mehr so leicht, die kolportierten 135.000 Euro pro Woche für Ballack locker zu machen. Zumal der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft nach der Operation an beiden Füßen im Oktober nicht mehr die Form erreicht hat, in der ihn die Londoner Verantwortlichen gerne sähen.

Kein Tor für Chelsea in der Hinserie

Kein einziges Pflichtspieltor erzielte Ballack für seinen Klub im vergangenen Halbjahr, für das DFB-Team traf er immerhin vor seiner Operation im wichtigen WM-Qualifikationsspiel gegen Russland (2:1).

Seine Auswechslung zur Pause des Ligaspiels gegen West Ham United (1:1) sorgte Mitte Dezember dennoch für Diskussionen von Chelseas Führungssspielern mit dem zunehmend angeschlagenen Trainer Luiz Felipe Scolari. (Scolari tritt Flucht nach vorne an)

Beim 2:0 gegen West Brom am Boxing Day keine zwei Wochen später stand Ballack erneut im Blickpunkt, als er für einen wutentbrannten Griff ins Gesicht seines Gegenspielers Chris Brunt Rot hätte sehen können. Sportlich ist der 32-Jährige dagegen länger nicht mehr aufgefallen.

Blues wollen Grundgehalt senken

Laut der "Times" haben Kenyon und Ballack-Berater Michael Becker zwar schon vor Weihnachten mit Vertragsgesprächen begonnen. Doch die Blues hätten in dem neuen Einjahreskontrakt gerne ein geringeres Grundgehalt festgehalten, mit höheren Prämien bei entsprechend guten Leistungen.

Ballack favorisiere eine Laufzeit von zwei Jahren. Dass er sich finanziell nicht verschlechtern will, ist ohnehin anzunehmen.

"Wenn Chelsea die geplanten leistungsbezogenen Verträge mit Didier Drogba, Michael Ballack, Deco und Joe Cole bereits geschlossen hätte, hätten die vier nach dem 0:3 bei Manchester keinen Penny gesehen", schrieb die "Times" nun nach der bitteren Pleite Chelseas bei United (Herbe Schlappe für Chelsea) im Topspiel am Sonntag.

Schwache Vorstellung in Manchester

In der Offensive war Ballack mit Ausnahme einer Schwalbe nicht aufgefallen, vor dem 0:3 waren John Terry und er von Dimitar Berbatov vernascht worden. "Teilnahmslos" nennt der "Daily Mirror" Ballacks jüngste Darbietungen, die "Times" bezeichnet sie als "gleichgültig".

In eigenem Interesse sollte Ballack also am besten gleich im FA-Cup-Wiederholungsspiel bei Drittligist Southend United (Mi., 20.10 Uhr LIVESCORES ) eine Schippe drauflegen. Zumal auch Bundestrainer Joachim Löw von seinem Kapitän Leistung erwartet.

"Ich kann auf niemanden Rücksicht nehmen, der keine Form hat", sagte Löw jüngst der "Sport Bild". "Es kann sich niemand zurücklehnen und sagen: Ich habe etwas erreicht und eine gute Position."

Dies gelte explizit auch für Ballack.

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