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Didier Drogba erzielte in viereinhalb Jahren Premier League 51 Tore © imago

Chelsea gelingt ein wichtiger Sieg im FA-Cup. Zuvor hatte es reichlich Kritik gegeben. Trainer Felipe Scolari reagierte streng.

Von Daniel Rathjen

München/London - Im Nachsitzen hat Michael Ballack mit dem FC Chelsea die vierte FA-Cup-Runde erreicht.

Der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft zeigte beim 4:1 (1:1) der Blues im Nachholspiel bei Drittligist Southend United eine starke Leistung und erzielte mit einem Rechtsschuss das 1:1 in der 45. Minute.

Adam Barrett (17.) hatte den Außenseiter in der Roots Hall überraschend in Führung gebracht.

Die weiteren Treffer für Chelsea, das sich im ersten Duell an der Stamford Bridge mit einem 1:1 hatte begnügen müssen, erzielten Salomon Kalou (60.), Nicolas Anelka (78.) und Frank Lampard (90.).

Schiedsrichter verwirrt alle

Deco und Didier Drogba standen am Mittwoch wegen zuletzt schwacher Leistungen nicht im Kader.

Für Verwirrung hatte vor dem Spiel Schiedsrichter Chris Foy gesorgt. Er verkündete wegen starken Nebels zunächst öffentlich die Absage des Matches, revidierte seine Entscheidung allerdings wenige Minuten später.

Scolari wirft Drogba raus

Didier Drogba traf vor dem Spiel der ganze Zorn von Luiz Felipe Scolari.

Die Demütigung durch das 0:3 am Sonntag gegen Manchester United (Herbe Schlappe für Chelsea) hat die Stimmungslage beim FC Chelsea verschärft.

Als Zeichen seines neuen Autoritätsstils (Scolari tritt Flucht nach vorne an) warf der Trainer den Starstürmer von der Elfenbeinküste überraschend aus dem Kader.

Tage offenbar gezählt

Die Tage des 30-Jährigen, der bereits mit Olympique Marseille und Mourinho-Klub Inter Mailand in Verbindung gebracht wird, sind in London damit offenbar gezählt.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass Scolari Spieler verabscheut, die sich auf dem Platz egoistisch verhalten und sich nicht dem Teamgedanken unterordnen.

Dabei hatte Drogba im Vorfeld einige Chancen bekommen, sich gegen seinen Konkurrenten im Sturm, Nicolas Anelka, zu behaupten.

Doch der Angriffshüne, der einst Angst und Schrecken unter den Verteidigern verbreitete, wirkte nur noch wie ein Schatten seiner selbst.

"Nur 35 bis 40 Prozent abgerufen"

"Gegen ManUnited gab es Spieler, die nur 35 bis 40 Prozent ihres Potenzials abgerufen haben", hatte Scolari beobachtet.

"Ich habe jedem Spieler genug Möglichkeiten gegeben, sich zu zeigen, damit sich niemand beklagen kann, er habe nur eine Chance bekommen."

Eine Teilschuld an den dürftigen Leistungen der letzten Wochen räumte der Coach immerhin auch ein.

"Das Spiel gegen Manchester war eine Lehrstunde für uns. Wir haben jetzt fünf Spiele nicht gut gespielt und müssen etwas anders machen", forderte der Brasilianer und versprach den Fans, wieder von Mann- auf Raumdeckung umzustellen.

Auch Scolari unter Druck

Auch der Druck auf ihn wächst zusehends.

In der Premier League steht der Klub des deutschen Nationalmannschafts-Kapitäns Michael Ballack zwar noch auf Platz zwei hinter dem FC Liverpool, Verfolger Manchester United hat aber zwei Spiele weniger absolviert und mit zwei Siegen die Möglichkeit, die Spitze zu erobern.

Harte Kritik an der Mannschaft

Scolari und der FC Chelsea brauchen daher zwingend Erfolgserlebnisse, um die allgemeine Gemütslage aufzuheitern.

Der Coach geht mit seinem Team hart ins Gericht: "Wenn Sie mich fragen, ob dieses Team Titel gewinnen kann, sage ich nein. Die Mannschaft ist nicht bereit und sie weiß das."

Auf kurzfristige Verstärkungen müssen die Blues in diesem Jahr aber verzichten. Vereinsboss Roman Abramowitsch hat ihnen im Zuge der Wirtschaftskrise schließlich den Geldhahn zugedreht, was auch Ballack und seine Vertragsverlängerung betrifft (droht Ballack Gehaltskürzung?).

Auch Ballack betroffen

Es herrscht Zwist im Team, in dem mit Frank Lampard, Deco, John Obi Mikel, und Ballack zu viele ähnliche Spielertypen im Mittelfeld, die gerne das Spiel an sich reißen, agieren.

Dazu soll Ballack laut "Sun" eine Klausel im Vertrag haben, die ihm vom englischen Pfund unabhängig mache und ihm gleichzeitig - im Gegensatz zu seinen Teamkollegen - eine Gehaltserhöhung einbringen soll.

Die Mission für den Coach ist schwierig. Doch auch wenn Scolari scheitern sollte und das Ruder nicht herumreißt, macht sich der Coach wenig Sorgen um seine Zukunft.

"Wenn ich meinen Job hier verliere, habe ich eben einen anderen Job", merkt er an.

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