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Michael Ballack spielt mittlerweile seine dritte Saison beim FC Chelsea © imago

Abramowitsch hat die Finanzkrise getroffen. Jetzt erwägt er einen Verkauf des FC Chelsea - es bahnt sich eine Sensation an.

Von Daniel Rathjen

München - Holger Heims weiß, wie richtig investiert wird.

Der deutsche Kaufmann, der sein Diplom an der Münchner Universität erwarb, ist Mitglied eines Konsortiums, das aktuell den Kauf des FC Chelsea prüft.

Seine Leute beraten mit Vorliebe investitionsfreudige Scheichs und fädelten unter anderem die Übernahme von Manchester City durch die "Abu Dhabi Group" ein.

Es hatten sich zuletzt Tendenzen abgezeichnet, dass Roman Abramowitsch den Spitzenklub aus der Premier League gerne verkaufen würde.

Offenbar musste der russische Öl-Milliardär schwerwiegende finanzielle Einbußen im Zuge der globalen Finanzkrise hinnehmen (Schock für Chelsea).

Kenyon wiegelt ab

Bayern-Manager Uli Hoeneß heizte die Gerüchte noch an, indem er berichtete, davon gehört zu haben, der Verein von Michael Ballack sei derzeit zum Schleuderpreis zu haben (Chelsea für einen Euro?).

Chelsea-Geschäftsführer Peter Kenyon dementierte im Fan-Forum des Vereins dagegen sämtliche Verkaufabsichten Abramowitschs.

Doch auch er wird wissen, was im Fußball längst ein ungeschriebenes Gesetz ist: Letztlich zählt nur der Preis.

"Nichts ist unverkäuflich"

Das glaubt auch der Scheich Dr. Sulaiman Al-Fahim. Er arbeitet mit Heims' Firma "Falcon Equity" zusammen, die ihren Sitz in der Schweiz hat.

"Wir haben einige europäische Vereine geprüft, das Gleiche machen wir jetzt auch mit Chelsea. Mehr kann ich noch nicht sagen", wird Heims, der Börsenerfahrung und beste Geschäftskontakte in ganz Europa, dem Mittleren Osten und den USA aufweist, zitiert.

"Ich glaube nichts ist unverkäuflich, wenn man den richtigen Preis bietet. Wir wollen in erster Linie keinen Fußballklub kaufen, sondern Business", sagt er bei "SkySports" weiter.

Der Scheich will

Scheich Fahim ergänzt: "Es steht nicht genau fest, ob Chelsea zum Verkauf steht oder nicht. Aber wir müssen sehen, ob wir in der Position sind, ein Angebot abzugeben."

Dass die Übernahme nicht ganz billig werden würde, ist ihm klar. "In den letzten Jahren wurden mehr als 500 Millionen (Euro) in den Verein gesteckt", weiß er und gibt an, gerade in den Zeiten der Finanzkrise eher vorsichtig zu sein.

Er setzt voll auf Heims' Philosophie: "Der Investorenkreis ist eine aktive Matrix; wir finden in der Regel immer jemanden mit Branchen-Know-how und ein anderes Mitglied in der Nähe des Unternehmens. Beides braucht man, um erfolgreich zu investieren."

Rätsel um Abramowitsch

Kenyon hofft indes darauf, dass sich bald alle Spekulationen zerschlagen. "Wir haben viel Geld in den Verein gesteckt, in den nächsten Jahren werden wir die Früchte ernten", sagt er.

Wenn im Februar Chelseas Zahlen veröffentlicht werden, werde die Bilanz zeigen, dass Abramowitsch kein Interesse haben könne, den Verein zu verkaufen.

Etwas anders soll sich die Lage beim FC Liverpool darstellen. Mit-Eigentümer Tom Hicks steckt nach Informationen englischer Medien bereits in Gesprächen mit Nasser Al-Kharafi.

Wird auch Liverpool verkauft?

Um finanziell mithalten zu können, will der Rekordmeister den Scheich, der vor der Saison schon bei Newcastle United im Gespräch war, unbedingt mit ins Boot ziehen.

Al-Kharafis Vermögen wird auf 15 Milliarden Euro geschätzt. Er soll ebenfalls bereit sein, zu investieren.

Liverpools Finanz-Boss Phillip Nash ist auf dem Weg nach Kuwait, um erste Verhandlungen zu führen.

Zweifel bei den Fans

Die Fans fürchten sich in der Heimat vor den vermeintlichen "Rettern". Sie würden kein Herz haben für Liverpool, keine Leidenschaft und keine Liebe für Stadt und Leute.

Ihre Ängste scheinen berechtigt. Leidenschaft für den Sport klingt bei Investoren - speziell bei Kaufmann Heims - wenig durch.

"Man macht kein Geld, weil elf Leute auf dem Platz hin- und her rennen, man macht das Geld mit all den anderen kommerziellen Aspekten wie den Immobilien oder TV-Rechten", sagt er lapidar.

Letztlich zählt nur der Preis.

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