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Rafael van der Vaart absolvierte bisher 56 Spiele für Tottenham Hotspur © getty

Tottenham vorm Großangriff. Auch der deutsche Co-Trainer und Modrics Verkauf sollen helfen, ein Ex-HSVer wittert Morgenluft.

Von Christian Paschwitz

München - Für Rafael van der Vaart hat sich die Perspektive deutlich verbessert.

Nicht nur, dass der niederländische Nationalspieler nach der verkorksten EM gerade seinen Urlaub mit Ehefrau Sylvie im hitzigen St. Tropez genießt.

Für den 29-Jährige dürfte die Sonne bald auch wieder bei Tottenham Hotspur scheinen.

Weil Spielmacher Luca Modric auf dem Absprung ist, wahrscheinlich zu Real Madrid, verspürt van der Vaart wieder Lust an der White Hart Lane - und offenbar wenig Bedürfnis, zu Ex-Klub Hamburger SV zurückzukehren. (486320DIASHOW: Der Bundesliga-Transfermarkt)

Van der Vaart will bleiben

"Ich werde wohl auch in der kommenden Saison für Tottenham spielen", sagte "VdV" zu den sich hartnäckig haltenden Abwanderungsgerüchten in Richtung HSV. "Ich hatte in England bisher zwei sehr gute Spielzeiten. Und ich fühle mich wohl."

Das wirkte unlängst noch ganz anders, trotz elf Toren in den 33 zurückliegenden Premier-League-Spielen.

Doch die Zukunft bei den Spurs noch schmackhafter gemacht haben dürfte van der Vaart neben Modrics So-gut-wie-Fortgang wohl die vielversprechende Aufbruchsstimmung beim letztjährigen Tabellen-Vierten.

Ziel: Mit Villas-Boas nach oben

Dreimal in Folge waren die Londoner seit 2008 im europäischen Wettbewerb vertreten, ehe zuletzt die Teilnahme an der Champions League knapp um einen Punkt verpasst wurde - zum Missfallen der Klub-Granden.

Folge: Die Vereinsführung um Vorstandschef Daniel Levy trennte sich von Harry Redknapp, berief als Trainer-Nachfolger Andre Villas-Boas, dessen Ex-Arbeitgeber Chelsea dann pikanterweise ohne ihn die Königsklasse gewann.

In die will Tottenham nun um jeden Preis - und nimmt dafür reichlich Geld in die Hand, für vor allem teures, aber auch deutsches Personal.

Freund als Co-Trainer

Nun heuerte auch Steffen Freund als Co-Trainer an. (Bericht)

"Für mich geht mit der Rückkehr an die White Hart Lane ein Traum in Erfüllung", sagt der bisherige Junioren-Coach des Deutschen Fußball-Bunds, der die Chef-Funktion damit freiwillig abtritt, um ins zweite Glied zu rücken.

"Ich hätte mir keinen besseren Klub für meine erste Trainertätigkeit auf Vereinsbasis vorstellen können. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit einem so außergewöhnlichen Trainer wie Andre Villas-Boas?, so Freund, der als Profi einst 120 Spiele für Tottenham bestritt und mit dem Klub 1999 den Ligacup gewann.

Einkaufstour für 90 Millionen Euro?

Im Gegensatz zu Ralf Rangnick, der zwischenzeitlich als Kandidat für die Nachfolge Redknapps genannt worden war, sieht der 42-Jährige offenbar etwas Großes reifen im Londoner Nordosten.

Ihren Teil dazu beitragen soll Levys Einkaufstour mit Ausgaben von angeblich bis zu 90 Millionen Euro:

Bereits verpflichtet worden sind der frühere Hoffenheimer Mittelfeldmann Gylfi Sigurdsson (10 Millionen Euro/zuletzt ausgeliehen an Swansea City) und Belgiens Nationalverteidiger Jan Vertonghen von Ajax Amsterdam (12 Millionen).

Adebayor bleibt - kommt Moutinho?

Aller Voraussicht nach endgültig bleiben soll nach übereinstimmenden englischen Medienberichten überdies Stürmer Emmanuel Adebayor (bisher nur ausgeliehen von Manchester City).

Auf dem Wunschzettel stehen wohl zudem noch Hugo Lloris (Olympique Lyon) und Atletico Madrids Stürmer Adrian - laut "Marca" sind die Spurs bereit, für den spanischen Nationalspieler die festgeschriebene Ablösesumme von 18 Millionen Euro zu zu zahlen.

Bei einem Verkauf von Modric wiederum (2008 für 20 Millionen Euro geholt) wird die Personalie Joao Mouthino interessant: Portugals EM-Fahrer und Landsmann Villas-Boas hatten beim FC Porto gemeinsam Meisterschaft, Pokal und die Europa League gewonnen.

Leihgeschäft mit Sahin?

Die im Raum stehende Ablösesumme von 37 Millionen Euro ist hoch, wäre aber zu stemmen angesichts der gehandelten 44 Millionen Euro plus leistungs- und erfolgsabhängigen Zahlungen, die Real für Modric zu zahlen bereit scheint.

Womöglich gibt es als Dreingabe für die Engländer auch noch einen Spielertausch:

Dem Vernehmen nach will Madrid den Ex-Dortmunder Nuri Sahin an die White Hart Lane verleihen. (Bericht)

Umbruch in vollem Gange

So oder so: Der Umbruch ist in vollem Gange - die große Unbekannte ist, ob der in Chelsea mit seinen Stars gescheiterte Villas-Boas in Tottenham die richtige Handschrift findet.

"Harry kam in einer Zeit, als seine Vorgehensweise und seine Erfahrung dringend benötigt wurden", hatte Vorstand Levy unmittelbar nach der Trennung von Redknapp erklärt - und damit zu verstehen gegegeben, dass er von dessen Nachfolger mehr erwarte.

Wie in der Zeit nach Modric wohl auch von van der Vaart.

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