Modrics teures Spiel mit dem Feuer
Von Matthias Becker
München - Es ist ja nicht so, als wäre das alles nicht schon mal dagewesen.
Ein Profi-Fußballer möchte andernorts "eine neue Herausforderung annehmen", wie es dann immer so schön heißt, sein aktueller Verein pocht aber auf die Einhaltung eines gültigen Vertrags.
Der Spieler nimmt das zum Anlass, die (Trainings-)Arbeit einzustellen und hofft durch die Rebellion, den Transfer zum nächst-größeren Klub zu beschleunigen. (DIASHOW: Die wertvollsten Klubs der Welt)
Nicht selten funktioniert das, wer will schon einen Millionen-Verdiener auf der Tribüne sitzen haben, wenn man seine Ablöse auch in neue Beine investieren könnte? .
Luka Modric könnte sich beim Versuch, einen Wechsel zu Real Madrid zu erzwingen aber mächtig verkalkuliert haben. (DIASHOW: Transfermarkt International)
Werbetour geschwänzt
Denn der derzeitige Klub des Kroaten, Tottenham Hotspur reagierte wenig amüsiert darauf, dass Modric Ende vergangener Woche das Training einstellte und sich auch weigerte, die Promo-Tour der Spurs in die USA anzutreten. ( DATENCENTER: Spielplan Premier League 2012/2013)
Dort trifft der Premier-League-Vierte der letzten Saison in Testspielen unter anderem auf L.A. Galaxy und den FC Liverpool. Dass mit Modric eine der Hauptattraktionen fehlt, wird den Veranstaltern in Übersee ebenso wenig gefallen, wie dem konflikterprobten Klub-Boss Daniel Levy.
Modric zurück im Training
Inzwischen ist der Kroate nach Klub-Angaben in London eingetroffen und hat bereits wieder an der Spurs Lodge trainiert. Das Trainerteam würde jetzt über den weiteren Verlauf der Vorbereitung entscheiden.
"Ich glaube, Modric täuscht sich", sagte Spurs-Coach Andre Villas-Boas der spanischen Sportzeitung "AS" zum Thema: "Das wird sich für ihn rächen, mit seinen Handlungen verschlimmert er die Situation. Der Chef ist sehr böse."
Geldstrafe summiert sich
Wie böse Levy ist, kann Modric demnächst wohl seinem Kontostand entnehmen. Schon jetzt haben die Spurs den Spielmacher angeblich mit einer Geldstrafe in Höhe von 100.000 Euro belegt.
Trainer Villas-Boas bestätigte jetzt, dass wegen der verpatzten USA-Reise eine Strafe auf Modric zukommt. Die Geldbuße soll von Modric' Salär einbehalten werden.
Laut "Sun" erhöht sich die Summe jeden Tag, den Modric dem Training fernbleibt, um 20.000 Euro.
"Luka und ich kennen uns sehr gut. Ich traf ihn gestern kurz vor seinem Haus und es ging ihm nicht gut", sagte Mitspieler Rafael van der Vaart: "Er findet es schade, dass es überhaupt soweit gekommen ist. Er ist angeschlagen und traurig mit der ganzen Situation."
Modric darf gehen
Dabei versucht Tottenham gar nicht mehr, den Mittelfeldspieler um jeden Preis zu halten. Wenn ein Verein käme, der die geforderte Ablöse zu zahlen bereit ist, würde man Modric ziehen lassen, ließ zuletzt auch Villas-Boas durchblicken.
Auch die "Marca" will erfahren haben, dass die Spurs verhandlungsbereit wären, wenn Real das Angebot nachbessern würde.
Bislang ist aber offenbar kein Klub bereit, die kolportierten gut 51 Millionen Euro auf den Tisch zu legen. Manchester United und - natürlich - Paris St. Germain sollen am 26-Jährigen interessiert sein.
Kaka bei Real aussortiert
Als Wunschziel von Modric gilt aber längst Real Madrid.
Dort dürfte ein Platz frei werden.
Laut der spanischen Sporttageszeitung "AS" ist Kaka beim Rekordmeister Real Madrid aussortiert worden.
Dem 30 Jahre alten Weltfußballer von 2007 wurde Berichten zufolge in einem 45-minütigen Sechs-Augen-Gespräch mit Trainer Jose Mourinho und Generaldirektor Jose Angel Sanchez mitgeteilt, dass er in den Planungen für die kommende Saison keine Rolle mehr spielen würde.
Villas-Boas schwärmt
Die Madrilenen haben selbst schon reichlich Erfahrung mit streikenden Profis gesammelt. Teils wollten die einen Wechsel zu Real (wie einst auch Franck Ribery) beschleunigen, teils aber auch weg von Real (wie der Brasilianer Robinho).
Für Modric hat Real bisher angeblich erst 35 Millionen geboten - und lässt damit noch eine erhebliche Lücke zur Forderung der Spurs. Am Montag soll Jose Mourinho Kaka die Freigabe erteilt haben, was unter Umständen frisches Geld für den Modric-Transfer in die Kassen spülen könnte.
"Er ist gut, sehr gut sogar", schwärmt Andre Villas-Boas vom Kroaten: "Er wäre ein großer Verlust, denn er ist ein Spieler, der den Unterschied ausmachen kann, Klarheit ins Spiel bringt und auf verschiedenen Positionen einsetzbar ist."
Nur die Kirsche auf der Torte
Mit Cristiano Ronaldo, Mesut Özil, Angel di Maria, Esteban Granero, Nuri Sahin und Jose Callejon ist Real allerdings auch bei einem möglichen Abgang von Kaka schon üppig mit kreativen Geistern ausgestattet.
Ob sich die "Königlichen" Modric als Kirsche auf der Torte tatsächlich gut 50 Millionen Euro kosten lassen, ist da fraglich.
Spurs blockierten Chelsea-Deal
Zumal Tottenhams Anführer Levy für seinen langen Atem bekannt ist. "Ich habe versucht, ihn (Modric, Anm. D. Red.) letzten Sommer zu Chelsea zu holen", erinnert sich Villas-Boas.
Doch obwohl Modric auch damals seinen Wechsel-Willen offen zur Schau stellte, blieben die Spurs hart - und der Spielmacher an der White Hart Lane.
Auch diesmal könnte sein Spiel mit dem Feuer nach hinten losgehen.