Podolski läuft van Persie den Rang ab
Köln - Die Kölner Fans bereiteten ihm zum endgültigen Abschied noch einmal einen Gänsehaut-Moment, die Arsenal-Fans haben ihn nach nur einem Spiel ins Herz geschlossen:
Nach seinem Heimatbesuch genoss Lukas Podolski die Zuneigung beider Fangruppen in vollen Zügen und strahlte über das ganze Gesicht.
"Das geht runter wie Öl. Mir haben die Haare hochgestanden, ich hatte eine Gänsehaut und würde am liebsten weinen", sagte der Nationalspieler nach dem 4:0 von Arsenal in seinen Ablösespiel sichtlich bewegt:
"Ich habe zwei Tore geschossen, gehe mit dem fremden Trikot in die Kurve, und alle stehen auf und singen meinen Namen. Das hat mich sehr berührt."
Bei seinen beiden Toren hatten ihn die FC-Fans ihren Liebling zwischenzeitlich sogar ausgepfiffen, als er nach dem Spiel im ungewohnten lila-schwarzen Trikot vor die Südtribüne lief, erhoben sich die 30.000 Zuschauer von ihren Sitzen und applaudierten. Und aus den Boxen lief, dann doch arg dramatisch, "Bye, bye my love."
Frieden mit der Vergangenheit
Drei Monate nachdem er im letzten Ligaspiel mit Köln abgestiegen war und in die Kabine flüchten musste, hat der 27-Jährige seinen Frieden mit der Vergangenheit geschlossen.
Viel wichtiger scheint aber, dass ihm bei den "Gunners" schon die Zukunft zu gehören scheint.
Denn die Medien überschlagen sich mit Lobeshymnen, und Teammanager Arsene Wenger gab ihm für das erste Saisonspiel gegen den FC Sunderland trotz mangelnder Fitness eine Kader-Garantie.
"Wir sind sehr zufrieden mit ihm. Er wird auf jeden Fall im Aufgebot stehen, und er hat auch eine sehr gute Chance, von Anfang an zu spielen", sagte der Elsässer, während für die Medien sogar letzteres außer Frage steht.
Nachfolger von van Persie
Torschützenkönig Robin van Persie ist wegen seiner Abwanderungsgedanken bei Fans und Presse unten durch, Podolski als sein legitimer Nachfolger auserkoren.
"Wer braucht schon noch RVP", titelte die "Daily Mail". Der "Mirror" nannte den Deutschen den "neuen starken Mann", und die "Sun" schrieb: "Die Arsenal-Fans haben sich von Robin van Persie abgewendet und huldigen Lukas Podolski als ihrem neuen Helden."
Dies war Podolski durchaus nicht entgangen. "Das ist einfach verrückt", sagte er: "Diese Reaktion der Arsenal-Fans hat mich sehr überrascht und bewegt."
In London fühlt er sich bereits sehr wohl. "Die Wohnungssuche ist abgeschlossen, die Familie ist schon da, die Mannschaft hat mich super aufgenommen", berichtete er stolz.
Von London habe er allerdings "noch nicht viel gesehen, weil es immer so voll war wegen Olympia".
Reiseführer für die Kollegen
Dafür gab der 101-malige Nationalspieler am Sonntagmittag den Reiseführer und zeigte seinen neuen Kollegen den Kölner Dom.
"Jeder hat sofort sein Handy gezückt und Fotos gemacht", berichtete er: "Alle waren begeistert von der Stadt, dem Stadion und den Fans. Wenn der FC in Deutschland in den oberen Regionen spielen würde, würde der ein oder andere der Jungs sicher auch hier spielen."
Man merkt, so richtig abgeschlossen ist das Kapitel Köln für Podolski nicht, und wird es wohl auch nie sein. "Der Geißbock ist überall in meiner Wohnung", berichtete er schmunzelnd:
"Ich habe eben ein kölsches Herz am rechten Fleck. Aber London ist eine tolle Stadt, Arsenal ein Weltklub, und ich freue mich auf die nächsten vier Jahre."
"Selbstständige Persönlichkeit"
Dass der heimatverbundene Bergheimer in London Probleme kriegen wird, glaubt Klubkollege Per Mertesacker, der wie Podolski freiwillig auf die Reise zur Nationalmannschaft verzichtete, nicht.
"Poldi ist eine selbstständige Persönlichkeit, die sich selbst helfen kann. Er ist sehr gereift in den letzten Jahren, spricht auch schon sehr gut Englisch, da bin ich beeindruckt", sagte "Merte", der den neuen Klubkollegen fußballerisch ohnehin weit vorne sieht:
"Er ist agil und motiviert, torgefährlich ist er sowieso. Deshalb müssen wir uns um ihn keine Sorgen machen."