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Savio Nsereko ging 2005 von 1860 München nach Italien © getty

Fußball-Deutschland reibt sich verdutzt die Augen. West Ham überweist elf Millionen für einen beinahe unbekannten Landsmann.

München - Es ist schwer zu glauben, aber wahr.

Am Dienstag vermeldeten die Klubs offiziell Vollzug.

Jetzt steht fest: Mit seinem Wechsel vom italienischen Zweitligisten Brescia Calcio zu West Ham United für 11 Millionen Euro ist Savio Nsereko der sechstteuerste deutsche Fußballer aller Zeiten.

Die Rangliste wird übrigens angeführt von Jörg Heinrich. 12,6 Millionen überwies der AC Florenz 1998 an Borussia Dortmund.

In Nsereko scheint tatsächlich enorm viel Talent zu stecken. Selbst der FC Bayern hatte seine Fühler nach ihm ausgestreckt.

München als Heimat

In Deutschland fragen sich die Fußball-Fans aber immer noch: Savio wer?

Mit gerade mal 16 verließ der in Uganda geborene Nsereko seine Heimat München.

Trainer Horst Hrubesch, mit dem Nsereko U19-Europameister wurde, schwärmt in den höchsten Tönen über das Talent.

Hrubesch schwärmt

"Er ist ein kompletter Spieler, ich kann ihm nur das beste Zeugnis ausstellen", sagt der Europameister vom 1980: "Er ist aggressiv in der Vorwärts- und Rückwärtsbewegung, hat eine ausgezeichnete Technik, ist sehr schnell und kann eine Mannschaft führen. Ich bin sicher, dass er sich bei West Ham durchsetzen wird."

Bei der U19-EM schaffte Nsereko - für den Zweitligisten 1860 München als Ausbildungsverein nun unverhofft 400.000 Euro erhält - im vergangenen Sommer den großen Durchbruch.

Deutschland holte seinen ersten Titel im Jugendbereich seit 16 Jahren, der dribbelstarke Mittelfeldspieler wurde zum besten Spieler des Turniers gewählt.

Absage an Inter

Ein Angebot des italienischen Meisters Inter Mailand lehnte er daraufhin ab, "weil ich als junger Spieler Spielpraxis brauche und ein Wechsel zum jetzigen Zeitpunkt nicht klug gewesen wäre".

Dabei wollte Brescia ihn damals eigentlich loswerden. "Wir haben mit dem Gedanken gespielt, ihn auszuleihen", sagte Trainer Nedo Sonetti: "Gott sei Dank haben wir uns dagegen entschieden."

Denn Nsereko setzte sich beim Zweitligisten durch, wurde in der Hinrunde zum Stammspieler und Leistungsträger. "Ich habe ihn einmal beobachtet", berichtet Hrubesch: "Da hat er sehr stark gespielt. Außerdem war er Publikumsliebling."

Spitzenklubs standen Schlange

Und plötzlich standen die europäischen Spitzenklubs Schlange.

"Große italienische und ausländische Vereine sind wegen Savio bereits an mich herangetreten", sagte Präsident Gino Corioni. Darunter sollen sich Juventus Turin, der AS Rom und der FC Liverpool befunden haben. "Und auch Bayern München hat sich bei mir informiert", erklärte Corioni.

Nsereko wechselte zu West Ham, obwohl er einst sagte, dass er "den kampfbetonten Fußball in England nicht so mag". Doch Hrubesch glaubt, dass sich der 19-Jährige mit den Erfahrungen der letzten Jahre auf der Insel durchsetzen wird.

Druck wächst an

"Das ist eine große Verantwortung, aber ich weiß, was ich kann", wurde Nsereko auf der Internetseite des Vereins zitiert.

Mit der hohen Ablösesumme könne er "sicher umgehen", außerdem würden der italienische Teammanager Gianfranco Zola und der technische Direktor Gianluca Nani - einst bei Brescia - die Eingewöhnung erleichtern.

Dabei wird der Druck groß. Nsereko soll den walisischen Superstar Craig Bellamy, den er als teuersten Transfer der Klubgeschichte ablöst, auch auf dem Spielfeld ersetzen.

Für die Fans gilt er als Heilsbringer, nachdem sie die zurückhaltende Einkaufspolitik des angeblich verkaufsbereiten Klub-Besitzers Björgolfur Gudmundsson zuletzt besorgte.

"Charakterlich einwandfrei"

Doch Nsereko ist bisher immer seinen Weg gegangen. Als er mit 16 die Heimat verließ. Und auch als ihm der Schiedsrichter des Halbfinals bei der U19-EM mit der zweiten Gelben Karte wegen ausgelassenen Torjubels (Hrubesch: "Ein Hohn") die Final-Teilnahme verdarb.

"Er ist charakterlich einwandfrei und sehr selbstständig", meint Hrubesch.

Irgendwann werde man Nsereko sicher auch im deutschen A-Team sehen, "doch lasst den Jungen sich erst mal in England durchsetzen".

Dann wäre sein Name sicher in Deutschland bald auch den meisten ein Begriff.

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