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Andrej Arschawin (l.) wechselt nach langem Gezerre von Zenit St. Petersburg zum FC Arsenal © getty

Überall wird gespart, nur die Premier League vermeldet Transfer-Rekordausgaben. Woher kommt das Geld für Arschawin und Co.?

München - Noch vor wenigen Wochen musste man sich fast Sorgen machen, um die Vereine der englischen Premier League.

Chelsea-Besitzer Roman Abramowitsch strich seinem "Spielzeug" die Scouts aus dem Personalbudget und dachte mehr oder weniger laut über einen Verkauf der Blues nach.

West Ham United zitterte nach den Milliardenverlusten seines Besitzers Bjorgolfur Gudmundsson durch die internationale Finanzkrise sogar um die Existenz.

Doch jetzt?

Arsenal London kauft für teures Geld Andrej Arschawin von UEFA-Cup-Sieger Zenit St. Petersburg (Arschawin zu den "Gunners") , Scheich Suleiman Al-Fahim übernimmt Manchester City und geht auf Winter-Shopping-Tour.

Die Finanzkrise kann den englischen Klubs offensichtlich nichts anhaben.

Rekord-Investitionen auf der Insel

Nach einer Erhebung der Unternehmensberatung Deloitte haben die Erstligisten von der Insel in der Januar-Transferperiode insgesamt die Rekordsumme von 176 Millionen Euro (160 Millionen Pfund) für neue Spieler ausgegeben - mehr als in Deutschland, Italien, Spanien und Frankreich zusammen.

Rekord-Investoren waren Manchester City (55 Millionen Euro, darunter rund 20 Millionen Euro für den Hamburger Nigel de Jong) und Tottenham Hotspur (50 Millionen Euro).

Doch woher kommt das viele Geld, während die Bundesligavereine sich beispielsweise in Krisenzeiten lieber auf risikoarme Leihgeschäfte spezialisieren? (Die Bundesliga-Winterfahrpläne)

Milliarden-Einnahmen durch TV-Vermarktung

Die Antwort: Die Premier League steht vor einem Rekord-TV-Vertrag.

Schätzungen zufolge könnte sogar die magische Milliarde-Pfund-Schallmauer (1,1 Milliarden Euro) pro Jahr geknackt werden. In den kommenden drei Jahren wären somit über 3,3 Milliarden Euro Einnahmen für die Premier-League-Klubs möglich.

Laut eines Berichts der "Daily Mail" will Medienmogul Rupert Murdoch der Eliteklasse für vier der sechs ausgeschriebenen Rechte-Pakete zur TV-Live-Übertragung bis 2013 für sein Pay-TV "Sky" 1,45 Milliarden Euro (gut 1,3 Milliarden Pfund) zahlen.

Bundesliga weit abgeschlagen

Doch das ist noch nicht alles: Zusätzlich werden die jeweils 23 Top-Spiele am Samstagnachmittag und Montagabend, die aus dem normalen Spielkalender herausgelöst sind, in einer zweiten Bieterrunde versteigert.

Experten erwarten, dass dadurch zusätzlich noch mehr als die bisherigen 1,9 Milliarden Euro (1,7 Milliarden Pfund) für einen Drei-Jahres-Vertrag in die Kassen der Klubs fließen.

Zum Vergleich: Die Bundesliga kommt mit ihrem neuen TV-Vertrag (2009 bis 2013) für vier Jahre auf insgesamt 1,65 Milliarden Euro.

Murdoch ist auch Großaktionär beim deutschen Bezahlsender Premiere, der ab der kommenden Spielzeit zwischen 225 Millionen und 275 Millionen Euro pro Saison für die Bundesliga-Rechte im Pay-TV bezahlen wird.

Mehr Geld auch aus Zweitverwertung

In England zahlt die öffentlich-rechtliche BBC für die Zweitverwertungsrechte der Premier League noch einmal 190 Millionen Euro (173 Millionen Pfund).

Die Ausstrahlung der zeitversetzten Ausschnitte erfolgt allerdings zeitlich deutlich später nach dem Abpfiff als die Bundesliga-Zusammenfassungen der ARD-Sportschau.

Auch die Auslands-, Internet- und Mobilfunkrechte sollen in England in Zukunft mehr als die 710 Millionen Euro (650 Millionen Pfund) bringen.

Die ARD zahlt für ihr Rechtepaket (einschließlich Zusammenfassung der Sonntagspiele, Live-Übertragung der Saison- und Rückrundeneröffnung sowie der Relegationsspiele) in Zukunft rund 100 Millionen Euro pro Saison.

Von den Verhältnissen der Premier League bleibt die Bundesliga also auch in Zukunft, nicht nur sportlich, weit entfernt.

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