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Weitaus Heftigeres leistet sich der 22-Jährige bei Ex-Klub-Manchester City: Im Training packt ihn sein Coach Roberto Mancini (r.), zerrt an ihm - bevor der Sohn ghanaischer Eltern seinen Coach wegschubst
Mario Balotelli (r.) wechselte 2010 von Inter Mailand zu Manchester City © SPORT1

Nach dem Handgemenge mit dem Coach gibt es für Citys Spieler keine Konsequenzen. Bei Mancini könnte das anders sein.

Von Christian Paschwitz

München - Von wegen bevorstehender Rauswurf für Manchester Citys Skandal-Stürmer:

Nach seiner handfesten Auseinandersetzung mit Trainer Roberto Mancini (Bericht) hat Mario Balotelli keine Sanktionen zu befürchten - vielmehr scheint es, als drohten dafür Mancini klubintern Konsequenzen.

"Wir werden nichts unternehmen, weil es sehr schnell vorbei war. Damit ist die Sache erledigt", sagte Mancini am Freitag überraschend versöhnlich.

Und ergänzte mit gespielt wirkender Harmonie: "Zwischen Mario und mir hat sich nichts geändert, so etwas passiert eben. Ich werde ihm noch 100 weitere Chancen geben, so lange er nur versucht, sich zu bessern und hart für diesen Klub arbeitet."

Mancini: "Die Bilder lügen"

Mancini und Balotelli waren beim Training am Donnerstag zunächst verbal, dann aber auch körperlich aufeinander losgegangen. Auslöser des Disputs war ein Foul von Balotelli an Teamkollege Scott Sinclair.

So eine Attacke wünsche er sich im Spiel, nicht aber gegen einen Kollegen, sagte Mancini.

"Ich bat ihn, den Platz zu verlassen, doch er weigerte sich, weshalb ich ihn runterschieben wollte. Das ist alles, was passiert ist, nichts weiter", schilderte der Coach nun seine Sicht der Dinge.

Von einem "Kampf" könne nicht die Rede sein, "die Bilder lügen", so Mancini. ("Roarrr - Premier League Highlights": Fr., ab 23 Uhr im TV auf SPORT1)

Mancini offenbar viel aggressiver

In den Augen vieler Betrachter tun sie das mitnichten - sie lassen jedoch Mancini in einem für ihn wenig schmeichelhaften Licht erscheinen.

Ein Augenzeuge erklärte gegenüber den "Manchester Evening News", dass während des über das Maß einer normalen Rangelei hinausgehenden Konflikts die meiste Aggression vom Trainer ausging.

[kaltura id="0_y6ared76" class="full_size" title="Handgemenge zwischen Balotelli und Mancini "]

"Mancini ist auf ihn zugerannt - er tobte. Er packte ihn und versuchte, ihn auf den Boden zu werfen. Es sah aber aus, als sei Mario zu stark."

Balotelli passiver bei Handgemenge

Was ebenso gegen Mancini und eher für eine passive Rolle Balotellis spricht:

Als andere Trainer und Spieler versuchten, die beiden Streithähne zu trennen, ließ Mancini nicht ab, "er versuchte immer wieder, sich zu befreien und Balotelli zu packen", so mehrere Zaungäste.

Englische Medien spekulieren bereits darüber, inwieweit die City-Verantwortlichen nicht womöglich Mancini alleinverantwortlich machen für den Trainingseklat - und ihn dafür zur Rechenschaft ziehen.

Sieben Punkte hinter United

Es ist ein offenes Geheimnis, dass der Italiener - anders als Landsmann Balotelli - bei Klub-Eigentümer Scheich Mansour immer weniger Kredit hat.

Im Meisterschaftsrennen liegt City bereits sieben Punkte hinter Spitzenreiter Manchester United. Die Gerüchte um Mancinis vorzeitige Entlassung oder zumindest Ablösung zum Saisonende durch Jose Mourinho (Real Madrid) oder Ex-Barcelona-Coach Pep Guardiola halten sich seit Monaten hartnäckig.

Was auch eine Erklärung für den Wutausbruch des Trainers gegenüber Balotelli wäre. (DATENCENTER: Premier League)

Klub-Eigentümer pro Balotelli

Der nämlich scheint in Citys Zukunftsplanungen ungeachtet seines Skandal-Potenzials (658078DIASHOW: Skandal-Kicker Balotelli) nach wie vor eine ganz große Rolle zu spielen.

Mit Verweis auf den Klub-Eigentümer hatte zum Jahreswechsel ausgerechnet Mancini erklärt: "Scheich Mansour hat eine Vorliebe für Balotelli. Mario war eine der größten Investitionen dieses Klubs (2010 von Inter für 28 Millionen Euro gekauft, Anm. d. Red.) - und der Klub will das Geld nicht zum Fenster rauswerfen."

"Ich denke, dass er bleibt", hatte Mancini ergänzt, selbst in der Vergangenheit dagegen immer wieder abgedeutet, dass er mit Balotelli nicht mehr zusammenzuarbeiten gedenke.

Mancini wollte Balotelli schon mal rauswerfen

Im April 2012 hatte der Coach das Enfant terrible nach dessen bösem Tritt gegen Alexandre Song und Platzverweis bei der 0:1-Pleite gegen Arsenal sogar rausschmeißen wollen:

"Er wird nicht mehr für uns spielen, ich werde versuchen, ihn zu verkaufen", so Mancini. "Ich habe meine Arbeit mit ihm beendet. Er ist ein fantastischer Spieler - aber er muss sein Verhalten ändern."

Womöglich wird Mancini nun aber das eigene Verhalten zum Verhängnis.

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