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Guus Hiddink trainiert seit 2006 die russische Nationalelf © getty

Der Niederländer hat eingeräumt, Gespräche mit dem FC Chelsea aufgenommen zu haben. Russlands Verband gibt grünes Licht.

Von Mathias Frohnapfel

München - Seine Handynummer hat er und deshalb hat es nicht lange gedauert, bis Chelseas Klubboss Roman Abramowitsch bei Guus Hiddink durchklingelt.

"Es ist richtig, dass ich einen Anruf vom Management des FC Chelsea erhalten habe", räumte der russische Nationaltrainer am Dienstag ein. Der 62-Jährige ist ein enger Vertrauter Abramowitschs.

Und letzterer benötigt dringend einen Nachfolger für den am Montagabend in London entlassenen Trainer Luiz Felipe Scolari. Hiddink ist ganz offenbar seine erste Wahl.ad

"Ein besonderer Klub"

Erfolgreich, innovativ und von internationalem Renommee sollte Chelseas Neuer sein.

Auf Hiddink trifft das alles zu. Und der Niederländer zeigt sich der Aufgabe nicht abgeneigt.

"Chelsea ist für mich ein besonderer Klub, weil ich ein gutes Verhältns zum Klubbesitzer habe. Ich will dem Verein in dieser Situation gerne helfen", sagte Hiddink, der sich mit der russischen Nationalmannschaft im Trainingslager im türkischen Belek befindet.

Interimslösung Hiddink

"Das ist eine außergewöhnliche Situation. Würde es sich um anderen Klub außer Chelsea handeln, würde ich sofort Nein sagen." Hiddink denkt dabei allerdings eher daran, als Interimslösung einzuspringen. "Die Geschichte wäre nur für zwei bis drei Monate, also bis zum Ende der Saison möglich", meinte er.

Er werde sein Amt als russischer Nationaltrainer auf keinen Fall niederlegen, sondern der Auswahl bei den entsprechenden Terminen weiterhin zur Verfügung stehen. Ein Umstand, den der internationale Spielkalender erlaubt. Der russische Fußball-Verband RFS hat schon grünes Licht gegeben.

Russischer Verband sagt ja

"Wir sehen darin kein Problem. Der Zeitplan des Nationalteams erlaubt es, dass Guus beide Posten gleichzeitig innehat", sagte RFS-Generalsekretär Alexej Sorokin der Nachrichtenagentur "Reuters".

"Ich habe als Trainer von Australien und PSV Eindhoven schon einmal für eine gewisse Zeit eine Doppelfunktion übernommen", sagte Hiddink. "Ich kenne die Situation und weiß, worauf es ankommt."

Rijkaard schreckt Chelseas Ruf

Dessen ungeachtet bringt sich Frank Rijkaard für die Position beim Premier-League-Vierten (Ergebnisse und Tabelle) in Stellung.

Sein Berater Perry Overeem ließ wissen, dass der frühere Trainer des FC Barcelona sich gewiss ein Angebot anhören würde. "Er würde jeden seriösen Job bei einem der großen europäischen Klubs in Betracht ziehen und selbstverständlich gehört Chelsea dazu."

Der Niederländer gewann 2006 mit Barca die Champions League, er hat also beste Referenzen vorzuweisen.

Allerdings weiß Rijkaard auch, dass die Trainerstelle bei Chelsea ein Schleudersitz ist. Seit Abramowitschs Amtsantritt ging es an der Stamford Bridge zu wie im Beatles-Song "Hello Goodbye": Vier Trainer verschließ der russische Klubeigner seit 2003.

"Natürlich macht es dieser Ruf für Frank nicht unbedingt leichter. Deshalb würde er gewiss etwas länger überlegen", erklärte Overeem. Auch aus diesem Grund würde Rijkaard ein längerfristiges Engagement einplanen - "nicht ein oder anderthalb Jahre".

West Ham will Zola nicht gehen lassen

Das Kandidatenkarussell in London dreht sich im Moment schwunghaft. Eine Entscheidung soll angeblich in den nächsten 24 Stunden fallen.

Zu den gehandelten Namen gehören auch Gianfranco Zola und Roberto Mancini.

Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass Zola - immer noch Liebling der Chelsea-Fans - eine Freigabe von seinem aktuellen Klub West Ham United erhält. Ein Mitglied des "Hammers"-Vorstands gab an, es gebe keinen Kontakt zu Chelsea und sein Klub wolle Zola ohnehin nicht gehen lassen.

Zolas Berater Fulvio Marrucco sagte: "Zola ist glücklich bei West Ham. Aber es ist schwer vorauszusagen, was passiert, denn Chelsea ist für ihn ein ganz besonderer Klub."

Mancini sagt ab

Von Roberto Mancini kam indes bereits vorab eine Absage.

Der frühere Trainer von Inter Mailand ließ über seinen Agenten Giorgio de Giorgis ausrichten: "Es gibt keine Anfrage. Ich schließe die Möglichkeit aus, dass Roberto zu Chelsea geht."

Noch ein weiterer Italiener scheint beim Klub von Nationalelfkapitän Michael Ballack auf der Liste zu stehen.

Roberto Di Matteo spielte früher selbst für Chelsea, jetzt coacht er erfolgreich die Milton Keynes Dons in der League One. Das Team belegt in der dritthöchsten englischen Fußballliga aktuell den zweiten Platz.

Zu den eher unwahrscheinlichen Spekulationen gehört, dass Avram Grant, Champions-League-Finalist mit Chelsea 2008, zu den Blues zurückkehren könnte.

Scolari scheitert an Renovierungsarbeiten

Indes zeichnet sich immer klarer ab, weshalb Scolari seinen Job an der Stamford Bridge verloren hat.

Acaz Fellegger, Scolaris Sprecher, erklärte: "Es scheint, als ob Abramowitsch persönlich die Entscheidung getroffen hat. Der Chelsea-Kader ist alt. Scolari wollte ihn auffrischen. Er wollte daher Deco und Robinho haben, doch nur Deco wurde gekauft."

Bekanntlich wechselte Robinho stattdessen für zirka 40 Millionen Euro zu Manchester City.

Manchester-United-Trainer Alex Ferguson reagierte überrascht auf Scolaris Rausschmiss. "Es ist ein Schock, er kam ja erst vor sieben Monaten. Ich sehe das als ein Zeichen der Zeit: Es gibt keine Geduld mehr in dieser Welt."

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