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Der Niederländer Guus Hiddink ist seit 2006 Nationaltrainer Russlands © getty

Der Niederländer wird Nachfolger des geschassten Scolari. Der Brasilianer tritt nach und bezeichnet Ballack als seinen "Feind".

Von Thorsten Mesch

Düsseldorf ? Es ist offiziell: Ab kommender Woche übernimmt Guus Hiddink bis zum Saisonende den Trainerposten beim FC Chelsea.

"Es ist zwar nicht genug Zeit, um ein Team in so kurzer Zeit vorzubereiten, aber das ist jetzt eine besondere Situation", sagte der Niederländer der Nachrichtenagentur "Reuters": "Chelsea hat gute Spieler und sie sollten in Top-Form sein, das macht den Job einfacher".

Allerdings hält Hiddink nach der Entlassung von Scolari den Platz auf der Bank nur für seinen Nachfolger warm.

Ancelotti wird heiß gehandelt

Die Anzeichen dafür, dass der Niederländer seinen Posten dann an einen Italiener übergibt, verdichten sich.

Nach einem Bericht von "SunSport" soll Carlo Ancelotti der erste Kandidat für den Trainerposten bei den Blues sein. Im Sommer läuft dessen Vertrag beim AC Mailand aus, Ancelotti wäre dann ohne Ablöse zu haben.

"Wenn der Platz bei Chelsea im Juli frei ist, denke ich, dass er (Ancelotti) ihn in Betracht zieht", erklärte Milans "Organisations-Direktor" Umberto Gandini am Montag.

"Ballack ist mein Feind"

Dass Scolari bei Chelsea gehen musste, soll auch an Konflikten des Brasilianers mit Teilen der Mannschaft gelegen haben.

Berichten englischer Medien zufolge soll es auch zwischen Scolari und Michael Ballack nicht zum Besten gestanden haben.

"Ballack, Cech und Drogba wurden meine Feinde. Sie haben einen Draht zu Abramowitsch", soll Scolari laut "The Sun" zu einem engen Freund gesagt haben.

Torwart Petr Cech, Stürmer Didier Drogba und Ballack seien unzufrieden mit dem 60-Jährigen gewesen, weil zu wenig trainiert wurde. Drogba habe dies auch moniert ? und saß zuletzt nur auf der Bank.

Terry bedauert Scolaris Entlassung

Ballack äußerte sein Bedauern über Scolaris Entlassung. "Es ist schade, denn er war ja nicht lange bei uns", sagte der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft im Exklusiv-Interview mit Sport1.de. "Natürlich war Kritik da und wir haben nicht die Ergebnisse erzielt, die wir uns gewünscht haben."

Kapitän John Terry erklärte: "Scolari tut mir leid. Er hatte meine Unterstützung. Zwei oder drei Spieler werden das gleiche sagen wie ich, da bin ich sicher."

Doch ein großer Teil des Teams stand Scolari wohl eher kritisch gegenüber. So auch Frank Lampard, der zuletzt öffentliche Kritik an Scolaris Training und Taktik äußerte.

Reichlich Geld für Kurzarbeit

Scolari soll nach seiner Entlassung 7,1 Millionen Pfund als Abfindung erhalten, und auch Hiddink würde für sein Kurzzeit-Engagement an der Stamford Bridge fürstlich entlohnt.

Etwa 1,5 Millionen britische Pfund, so berichtet "The Sun", soll der Niederländer als Festgehalt für die kommenden vier Monate für den Job als "Feuerwehrmann" bei den Londonern verdienen.

Dazu könnten 500.000 Pfund für den Gewinn der Champions League und weitere 500.000, abhängig von Chelseas Resultaten in der Meisterschaft und im FA-Cup, kommen.

Doch diese Bonus-Summen zu bekommen, wird nicht einfach. In der Champions League trifft Chelsea im Achtelfinale auf Juventus Turin, in der Premier League belegen die Londoner mit sieben Punkten Rückstand (bei einem mehr ausgetragenen Spiel) auf Tabellenführer Manchester United nur Platz vier. (Ergebnisse und Tabellen)

"Ich will gerne helfen"

Bei der geplanten Hiddink-Transaktion kommen dem FC Chelsea die guten Beziehungen seines russischen Eigners Roman Abramowitsch zum Trainer der russischen Nationalmannschaft zugute.

"Chelsea ist für mich ein besonderer Klub, weil ich ein gutes Verhältnis zum Klubbesitzer habe. Ich will dem Verein in dieser Situation gerne helfen", bekundete Hiddink sein Interesse.

Vom Verband abgesegnet

Vom russischen Verband hat der 62-Jährige bereits grünes Licht für seine Londoner Mission erhalten.

"Wir sehen darin kein Problem. Der Zeitplan des Nationalteams erlaubt es, dass Guus beide Posten gleichzeitig innehat", sagte RFS-Generalsekretär Alexej Sorokin der Nachrichtenagentur "Reuters".

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