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Guus Hiddink ist momentan Trainer bei Chelsea und der russischen Nationalelf © getty

Guus Hiddink hat zum ersten Mal seine neue Arbeitsstelle besucht und traut den "Blues" noch den ein oder anderen Titel zu.

Von Liane Killmann

München - Michael Ballacks neuer Trainer Guus Hiddink hat zum ersten Mal seit seiner Verpflichtung seine neue Arbeitsstätte beim FC Chelsea in Augenschein genommen.

Dort wird er in der kommenden Woche bis zum Saisonende die Nachfolge des am Montag entlassenen Brasilianers Luiz Felipe Scolari antreten.

Hiddink flog in der englischen Hauptstadt ein, um eine Trainingseinheit seines neuen Teams zu beobachten. Anschließend traf sich der Niederländer mit dem russischen Klubeigentümer Roman Abramowitsch.

Chelsea gut für Titel

Den anwesenden Reportern diktierte Hiddink selbstbewusst in die Blöcke, dass Chelsea auch in dieser Saison noch gut für Titel sei.

"Die Mannschaft ist noch in drei Wettbewerben dabei", bilanzierte er und deutete gegenüber "ESPN" an, den "Blues" zuzutrauen, Manchester United an der Spitze der Premier League noch abfangen zu können: "Es sind zehn Punkte Rückstand, aber in der Entscheidungsphase der Meisterschaft kann viel passieren."

"Der Klub hat die Erfahrung, das Finale der Champions League zu erreichen", fuhr Hiddink fort. Sein Optimismus scheint grenzenlos.

Von Einzelkämpfern zum Team

Bisher hat der neue Coach zwar erst ein paar Minuten mit den Spielern in der Kabine verbracht, doch er lobt ihre Einstellung schon vor Amtsantritt als "leidenschaftlich".

Der 62-Jährige kündigte nach der Blitz-Hospitation an, im Training zukünftig einiges anders machen zu wollen, um mehr Effizienz aus jedem einzelnen Spieler herauszukitzeln.

"Es ist mein Ziel, die Einzelkämpfer zusammenzufügen und ein Team daraus zu formen." Hiddink fordert von seiner Mannschaft Ergebnisse. "So schnell wie möglich." (Ergebnisse und Tabellen)

Hiddink definitiv nur bis Mai

Beim 3:1-Sieg im FA-Cup-Achtelfinale beim FC Watford saß noch Co-Trainer Ray Wilkins auf der Bank. Hiddink tritt seinen Dienst am Montag an.

Bei seiner Stippvisite betonte der Niederländer erneut, dass er Chelsea über das Saisonende hinaus nicht zur Verfügung stehe: "Ich habe meine Verpflichtungen in Russland."

Bis Ende Mai wird Hiddink seinen Job als Nationaltrainer Russlands parallel zum Engagement in London ausüben.

Scolari: "Keinen Draht zu Spielern"

Unterdessen hat "France Football" ein Interview veröffentlicht, dass Luiz Felipe Scolari dem Magazin vor seiner Entlassung bei Chelsea gegeben hatte. Darin gab der Brasilianer zu, über Training und Spiel hinaus keine Beziehung zu seinen Profis gehabt zu haben.

"Es war nicht der gleiche Draht, wie mit meinen Spielern in Portugal." Dort war Scolari allerdings fünf Jahre Nationaltrainer. Seine Engagement in London hielt nicht einmal eine Saison.

Scolari sagte, dass die "Blues" dringend einen Robinho oder Robben benötigt hätten: "Chelsea hat keinen Spieler, der den Unterschied machen kann, etwas Magisches einbringt." Er bezeichnete das Team als "nicht brasilianisch genug" und "bürokratisch".

Zweistelliger Millionenverlust

Am Freitag wurde bekannt, dass Chelsea erneut einen Verlust von 26 Millionen Euro hinnehmen muss. Die Abfindungen von Ex-Coach Jose Mourinho und Assistent Avram Grant hatten die Bilanz der Saison 2007/08 gedrückt.

Noch stopft Öl-Milliardär Abramowitsch die Finanzlöcher der "Blues". Für die Sommerpause hat er Chelsea aber nun einen Sparkurs verordnet: Neuverpflichtungen sollen nur dann getätigt werden, wenn sie durch Verkäufe gedeckt sind.

Schwierige Trainersuche

In jeder Hinsicht ist das ein schwieriges Umfeld für die langfristige Trainersuche. Ein Hochkaräter hat den "Blues" derweil erneut einen Korb gegeben.

Milans Carlo Ancelotti, der schon im vergangenen Sommer ein Abramowitsch-Angebot abgelehnt hatte, lehnte im Interview mit "La Stampa" einen Wechsel erneut kategorisch ab: "Ich will nicht von Milan weggehen. Daran hat sich nichts geändert."

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