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Arsenal musste bei Tottenham die siebte Saisonpleite hinnehmen © getty

Arsenal unterliegt Tottenham, ein Übernahmeangebot in schwindelerregender Höhe bringt vor der wichtigen Partie mächtig Unruhe.

Von Raphael Weber und Tom Vaagt

München - Trotz eines Treffers von Per Mertesacker hat der FC Arsenal das Londoner Derby bei Tottenham Hotspur verloren und damit im Kampf um die direkte Champions-League-Qualifikation einen herben Rückschlag hinnehmen müssen.

Die Gunners, bei denen Lukas Podolski bis zur 77. Minute auf der Bank schmorte, haben nach der 1:2 (0:2)-Auswärtsniederlage nun sieben Punkte Rückstand auf die Spurs.

Deren Rückkehr auf den begehrten dritten Platz verfolgte der Ex-Schalker Lewis Holtby allerdings 90 Minuten von der Ersatzbank aus.

Tottenham war durch einen Doppelschlag des in den vergangenen Wochen glänzend aufspielenden Walisers Gareth Bale (37.) und Aaron Lennon (39.) vor der Pause in Führung gegangen. (DATENCENTER: Premier League).

Merte per Kopf zur Stelle

Mertesacker verkürzte nach Flanke von Theo Walcott per Kopf (51.). Es war sein zweites Liga-Tor, beide erzielte er gegen Tottenham.

In der 70. Minute verhinderte der Nationalverteidiger mit einer starken Rettungsaktion gegen Gylfi Sigurdsson das 1:3.

Der Ex-Hoffenheimer Sigurdsson hatte von Teammanager Andre Villas-Boas den Vorzug vor Holtby bekommen und rechtfertigte seinen Einsatz unter anderem mit der Vorlage zum 1:0.

Übernahme seit Monaten geplant

Vor dem heiß erwarteten Spiel hatten englische Medien für Aufregung gesorgt ("Roarrr - Premier League Highlights": Fr., ab 23 Uhr im TV auf SPORT1).

Für 1,5 Milliarden Pfund (umgerechnet 1,73 Milliarden Euro) will angeblich eine arabische Investorengruppe den FC Arsenal übernehmen.

Werden Scheichs die neuen Bosse der deutschen Nationalspieler Lukas Podolski und Per Mertesacker?

Arsenal wies derartige Spekulationen am Sonntag zwar zurück, doch die potenziellen Käufer aus Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten scheinen wild entschlossen, den Deal durchzuziehen. Angeblich wird bereits seit vier Monaten an der Übernahme gearbeitet.

"Das sind seriöse Investoren"

"Das sind seriöse Investoren mit seriösem Geld", sagte eine nicht näher benannte Quelle der "Sun".

Die Interessenten sollen in den kommenden Wochen an den derzeitigen Mehrheitseigner Stan Kroenke herantreten und dem US-Amerikaner 20.000 Pfund für jede seiner Aktien bieten. Insgesamt hält Kroenke 66,64 Prozent der Vereinsanteile.

Sollte Kroenke verkaufen, würde er allein 830 Millionen Pfund kassieren. Das sind etwa 400 Millionen mehr, als der Unternehmer seit Beginn seines Engagements bei Arsenal vor rund sechs in den Klub steckte.

Ein durchaus lukratives Geschäft für Kroenke, dessen Familie auch Eigentürmer der Denver Nuggets aus der NBA und der Colorado Avalanche aus der NHL ist. Zudem halten die Kroenkes Anteile an den St. Louis Rams aus der NFL.

Kritik an Kroenke

Vielen Arsenal-Fans ist der Unternehmer schon lange ein Dorn im Auge. Der Vorwurf: Kroenke seien wirtschaftliche Gewinne wichtiger als sportliche Siege. Seit acht Jahren warten die Londoner nun schon auf einen Titelgewinn.

Die neuen Investoren, die auch die 29,11 Prozent der Arsenal-Anteile von Alisher Usmanov übernehmen wollen, haben hingegen große Pläne. Nach der Übernahme soll zunächst der Schuldenberg in Höhe von 250 Millionen Euro getilgt, anschließend eine Attacke auf die Spitze Europas gestartet werden.

Mit zahlreichen neuen Stars und einem weiter verbesserten Jugendkonzept. Die Konzentration auf den Nachwuchs soll gewährleisten, dass Arsenal künftig die Financial-Fairplay-Auflagen der UEFA erfüllt.

Chancenlos gegen Bayern

Zuletzt war Arsenal von vielen Profis eher als Sprungbrett benutzt worden. Cesc Fabregas ging zurück zum FC Barcelona, Robin van Persie wechselte zu Manchester United, Samir Nasri erlag den Verlockungen von Manchester City.

Wirkliche Weltklassespieler kamen im Gegenzug nicht mehr nach London. Folgerichtig läuft man der Konkurrenz hinterher. In der Premier League reicht es derzeit nur zu Platz fünf. In der Champions League ist das Achtelfinal-Aus nach der 1:3 Heimpleite gegen den FC Bayern so gut wie besiegelt.

Mit all dem soll nun Schluss sein. Vielleicht auch mit Teammanager Arsene Wenger, dessen Zukunft bei den potenziellen neuen Klubeigentümern angeblich intensiv diskutiert wird.