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Ferguson sammelt in seiner Karriere Titel wie andere Leute Briefmarken. Zum Abschluss feiert er mit Manchester United seine 13. Meisterschaft. Insgesamt kommt er auf 49 Titel
Sir Alex Ferguson wurde 1986 Teammanager von Manchester United © getty

Die Trainerlegende tritt zurück. Die Fußballwelt verneigt sich - und beginnt zu spekulieren: Wird Klopp Fergusons Nachfolger?

Von Jan Reinold

München/Manchester - Die ersten Gerüchte machten am frühen Mittwochmorgen die Runde. Es wurde getuschelt und geraunt.

Um 10.19 Uhr platzte dann die Bombe: Sir Alex Ferguson tritt nach 27 glanzvollen Jahren als Teammanager von Manchester United zurück. Am Saisonende ist Schluss. Was bleibt, sind ein Vermächtnis - und 38 Titel, die die lebende Legende dem Klub bescherte.

"Thank you, Sir Alex", twitterten die "Red Devils". Und Ferguson erklärte: "Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht, aber es ist der richtige Zeitpunkt."

Erst vor eineinhalb Wochen hatte der 71-Jährige ManUnited zur 20. Meisterschaft der Klubgeschichte geführt, für Ferguson war es der 49. Titel als Vereinstrainer. (Porträt: Gentleman und "British Bulldog")

Ferguson rückt in Vorstand auf

Wie der Schotte mitteilte, hinterlasse er seinem Nachfolger ein bestelltes Feld.

"Für mich ist es wichtig, den Verein in bestmöglicher Verfassung zu hinterlassen - und ich denke, das tue ich", sagte er: "Die Qualität dieser Meistermannschaft und das Alter des Teams garantieren auch langfristig weiteren Erfolg auf höchstem Niveau. Der Verein steht vor einer glänzenden Zukunft."

Ferguson wird dem Klub als Vorstand und Botschafter erhalten bleiben.

Letztmals wird der "erfolgreichste Trainer in der Geschichte des englischen Fußballs" (Klubhomepage) am 19. Mai bei West Bromwich Albion auf der Bank sitzen - sein 1500. Mal als Coach an der Seitenlinie.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Hamann setzt auf Klopp

Die Liste potenzieller Nachfolger ist lang. Jose Mourinho? David Moyes? Oder gar Jürgen Klopp?

"United hat Klopp an die Spitze der Nachfolgeliste für Ferguson gesetzt", schreibt der "Mirror". Der "Guardian" sieht Klopp bei Manchester als "den Mann im Scheinwerferlicht".

Auch für Ex-Nationalspieler Dietmar Hamann ist der BVB-Coach ernsthafter Kandidat für den Posten beim englischen Rekordmeister.

"Ich würde niemanden abwimmeln, der auf Klopp setzt. Vielleicht ist es ein guter Zeitpunkt, das Pferd zu wechseln, wo seine Mannschaft auseinandergepflückt wird", twitterte der 39-Jährige kurz nach Fergusons Abschiedsankündigung.

Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Borussen-Manager Michael Zorc standen SPORT1 am Mittwoch nicht für eine Stellungnahme zur Verfügung.

Mourinho Favorit auf Nachfolge

In manchen britischen Medien wurde der scheidende Bayern-Trainer Jupp Heynckes zwar ebenfalls als Anwärter auf Fergusons Nachfolge genannt.

Dennoch: In den kommenden Tagen dürfte vor allem auch Mourinho mehr und mehr in den Fokus rücken.

Der Star-Trainer des spanischen Rekordmeisters Real Madrid soll laut der spanischen Tageszeitung "El Pais" eine gezielte Kampagne führen, um seinen Vertrag bei den "Königlichen" aufzulösen.

"The Special One" dürfte angesichts seiner Erfolge mit Porto, Chelsea, Inter Mailand und Real Madrid am ehesten in die Fußstapfen Fergusons passen.

Bestürzung, Respekt und Anerkennung

Die Nachricht über den überraschenden Rücktritt lösten ein internationales Mediengewitter aus, teilweise sogar Bestürzung.

"Farewell Fergie", titelte der "Mirror". "Fergie hört auf!", informierte die "Daily Mail" seine Leser und fügte geschockt hinzu:

"Nach 27 Jahren gibt der größte Trainer der Geschichte bekannt, dass der richtige Zeitpunkt gekommen sei, um Manchester United zu verlassen."

"Es fühlt sich nicht richtig an"

Auch viele Funktionäre, Spieler und Trainer verneigten sich vor dem Erfolgstrainer.

"Seine Verdienste um das Spiel sichern ihm ohne Zweifel einen Platz unter den Größten", twitterte FIFA-Boss Joseph S. Blatter.

"Sir Alex ist einer der besten Trainer aller Zeiten", sagte Manchester Citys Kapitän Vincent Kompany: "Nach 26 Jahren des Erfolges im Fußballgeschäft schulden wir ihm alle einen Tribut."

Ex-Nationalspieler Michael Owen twitterte: "Es will mir nicht in den Kopf. Manchester United ohne Sir Alex fühlt sich einfach nicht richtig an. Es war ein Privileg, unter dem besten Trainer, den die Welt wahrscheinlich je gesehen hat, gespielt zu haben."

Hüft-Operation im Sommer

Über die Gründe für den völlig überraschenden Rücktritt zum Saisonende herrscht zunächst Unklarheit.

Englischen Medienberichten zufolge sollen gesundheitliche Gründe ausschlaggebend gewesen sein.

Der 71-Jährige wird sich im Sommer einer Hüftoperation unterziehen, bei der ihm ein künstliches Gelenk eingesetzt wird.(478343DIASHOW: Fergusons beste Sprüche)

Warnung beim Golfspiel

Offenbar waren die Spieler am Dienstag im Laufe eines Golfspiels gegen den Trainerstab vom Klub gewarnt worden, dass eine "wichtige Mitteilung" anstehe.

"Lasst uns hoffen, dass es sich dabei um die Rückkehr von Cristiano Ronaldo und nicht um den Rücktritt von SAF (Sir Alex Ferguson, d. Red.) handelt", twitterte der frühere United-Torwart Peter Schmeichel.

Nachdem die angesehene Tageszeitung "Daily Telegraph" am Mittwochmorgen vom bevorstehenden Rücktritt berichtet hatte, bestätigte der Klub die Meldung.

Hairdryer und Titelhamster

Ferguson, der in den Achtzigern dreimal mit dem FC Aberdeen die schottische Meisterschaft holte, war 1986 nach Manchester gekommen und machte die "Red Devils" zu einem der erfolgreichsten und renommiertesten Klubs der Welt.

Unter dem knorrigen Schotten, wegen seiner Wutausbrüche gegenüber Spielern auch als "Hairdryer" bekannt, holte ManUnited 13 Meistertitel und löste den FC Liverpool als englischer Rekordmeister ab.

Zudem gewann Ferguson fünfmal den FA-Cup, zweimal die Champions League und einmal den Weltpokal.

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