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Bestritt bisher drei Länderspiele für den DFB: Mittelfeldspieler Lewis Holtby © getty

Vor dem Spiel bei Arsenal kämpft Holtby in Tottenham um Anschluss. Wird der Ex-Schalker vor dem Ende der Wechselfrist verliehen?

Von Tom Vaagt

München - Lewis Holtby machte den Abflug.

Ein paar Schritte Anlauf, eine formvollendeter Bauchlandung.

Ein Diver obersters Güteklasse eben. Und eine Hommage: An Jürgen Klinsmann, die lebende Tottenham-Legende.

Es war Holtbys Jubel über seinen Treffer zum 3:0-Endstand gegen Dinamo Tiflis am vergangenen Donnerstag. Sein erstes Pflichtspiel-Tor für die Spurs. Und vielleicht auch sein letztes - zumindest für diese Saison.

Lewis Holtby steht wohl vor dem Abflug.

Große Konkurrenz im Mittelfeld

Das Problem: Sein Trainer Andre Villas-Boas hat eine Schwäche für zentrale Mittelfeldspieler. In dieser Wechselperiode holten die Nord-Londoner für diese Position:

Paulinho - einen Brasilianer, über den sie in Südamerika wahre Wunderdinge erzählen. Christian Eriksen - einen Dänen, der als eines der größten Talente Europas gilt. Etienne Capoue - einen Franzosen, auf den auch andere Spitzenklubs mehr als nur ein Auge geworfen hatten.

Insgesamt kostete das Trio rund 45 Millionen Euro.

Holtby kostete die Spurs im vergangenen Winter knapp zwei Millionen. Das sagt nicht zwingend etwas über Qualität aus, spielt aber trotzdem immer eine Rolle.

Für ihn - den Deutschen, der in der Premier League den nächsten Schritt seiner Karriere machen wollte, ist das Gedrängel auf seiner Position recht ungemütlich..

Schmerzen auf Mykonos

In den ersten beiden Ligasspielen stand Holtby nicht einmal im Kader. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Im Derby beim FC Arsenal um Per Mertesacker reichte es zumindest für einen Platz auf der Bank. (Goooal ? Das Internationale Fußballmagazin)

Dennoch: Der frühere Schalker neben der hochkarätigen Konkurrenz auch gegen seinen Körper kämpft. Die Vorbereitung der Spurs war nahezu komplett an ihm vorbeigerauscht.

Eine Bänderverletzung, die er sich bei der U-21-Europameisterschaft in Israel zugezogen hatte, zwang ihn zu einer neunwöchigen Verletzungspause.

Urlaub? Am Strand von Mykonos kühlte er sein Knie und musste verfolgen, wie sein Klub sukzessive aufrüstete.

Leihgeschäft geplant?

Dem Vernehmen nach will Tottenham den dreimaligen deutschen Nationalspieler ausleihen. Irgendwo reifen lassen - das ist die positive Umschreibung. Irgendwie abschieben - das ist die negative Umschreibung.

Die Lage für Holtby könnte sich sogar noch verschärfen. Der seit Wochen diskutierte Transfer von Spurs-Star Gareth Bale zu Real Madrid dürfte bis zu 100 Millionen Euro in Tottenhams Kassen spülen.

Und dann? Vielleicht kommt ja noch ein Zentraler nach London. Bis Montag ist noch Zeit.

Traum von Brasilien

Auch in Sachen Holtby.

Tatsächlich wäre ein - zumindest temporärer - Vereinswechsel vielleicht die beste Lösung.

Eine Saison als Ersatz- oder Ergänzungsspieler würde den Mittelfeldspieler in seiner Entwicklung zurückwerfen. Und ihn eines großen Traumes berauben.

Heimlich, still und leise hofft auch Holtby noch auf einen Platz im DFB-Flieger zur WM nach Brasilien. Zuletzt durfte er im November 2012 beim 0:0 in den Niederlanden für die deutsche A-Auswahl ran.

Dann war er kaum noch Thema.

Liebe zu England

Holtby liebt England. Und er liebt die Premier League. Das spürt man, wenn er spricht. Das spürt man, wenn man einen Blick auf sein Facebook- oder Twitter-Account wirft.

Kein Wunder: Sein Vater ist Engländer. Er selbst besitzt auch die Staatsbürgerschaft der Briten.

Und nun ist auch noch ein alter Kumpel aus Mainzer Tagen in London: Andre Schürrle kickt seit dem Sommer für den FC Chelsea.

Alles prima?

Ja - wäre da nur nicht die Schwäche von Villas-Boas für zentrale Mittelfeldspieler.

Holtby ist 22 Jahre alt. Er muss spielen. Wenn nicht bei den Spurs, dann anderswo. Sonst könnte sich der Abstecher nach England als Bauchlandung erweisen.

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