vergrößernverkleinern
Obwohl Özil Real noch die Treue schwört und bleiben will, folgt der unausweichliche Wechsel. Für sagenhafte 50 Millionen wechselt der Regisseur zum FC Arsenal. Durch den Transfer ist Özil der teuerste deutsche Fußballer aller Zeiten und trifft bei den "Gunners" auf seine Nationalmannschaftskollegen Lukas Podolski und den mittlerweile zurückgetretenen Per Mertesacker
Angekommen: Mesut Özil landet kurz vor Ende der Transferperiode doch noch bei Arsenal © getty

Kurz vor Mitternacht ist Özils Wechsel nach London perfekt. Finanziell betritt er damit neue Sphären. Wenger gibt den Ausschlag.

London - Um kurz nach 23 Uhr war es endlich so weit.

Da setzte Mesut Özil die Unterschrift unter den Vertrag beim FC Arsenal und hatte endlich Gewissheit über seine Zukunft,

"Ich bin extrem glücklich, mich einem Verein der Klasse Arsenals anzuschließen, und ich freue mich darauf, in der Premier League zu spielen", sagte Özil, der 2010 von Werder Bremen nach Madrid gewechselt war: "Der Transfer wird großartig für meine Entwicklung sein, ich blicke in eine aufregende Zukunft."

Die drei Jahre bei Real Madrid hakte er damit ab.

Teuerster Deutscher aller Zeiten

Finanziell stieß Özil ohnehin in neue Sphären vor.

45,2 Millionen Pfund (rund 50 Millionen Euro) Ablöse sollen sich die Gunners den Offensivspieler haben kosten lassen, dessen Vertrag in Madrid noch bis 2016 datiert war.

Damit ist Özil nicht nur der teurste "Gunner" aller Zeiten, sondern auch der teuerste deutsche Spieler der Fußball-Geschichte.

Özil erhält laut Arsenal einen "langfristigen Vertrag", in mehreren Medien ist von einem Fünfjahresvertrag die Rede. Angeblich soll er sieben Millionen Euro pro Jahr verdienen.

Poldi begrüßt Özil

In London trifft der 24-Jährige auf die Landsleute Per Mertesacker und Lukas Podolski. Vor allem Podolski freut sich schon auf seinen neuen Teamkollegen.

"Aha!! Welcome Bro. London calling!;)))", twitterte der Nationalspieler und postete dazu ein gemeinsames Foto mit dem Regisseur. (EINWURF: Vernunft schlägt Liebe)

Auch Arsenal-Coach Arsene Wenger freute sich über seinen Wechselcoup. "Wir sind extrem froh, Mesut Özil verpflichtet zu haben. Er ist ein großartiger Spieler, der seine Qualitäten im Verein und in der Nationalmannschaft bewiesen hat", sagte Wenger. Özil soll bei Arsenal die Rückennummer 11 erhalten.

Wengers Vertrauen entscheidend

Das Vertrauen des Trainers gab letztlich auch den Ausschlag für Özils Last-Minute-Wechsel.

"Im Gespräch mit Arsene Wenger habe ich gespürt, was mir zuletzt gefehlt hat - das Vertrauen. Das möchte ich jetzt in jedem Spiel zurückzahlen. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Arsene Wenger", erklärte Özil seine Beweggründe für den Wechsel zu den "Gunners".

Treueschwur noch am Mittwoch

Dabei hatte Özil Real noch am vergangenen Mittwoch die Treue geschworen. Er werde bleiben, sagte der 24-Jährige, Bale hin oder her.

Am Sonntagabend jedoch machte Madrid den Deal mit Bales Klub Tottenham Hotspur perfekt - und Özil ergriff die Flucht.

"Die Dinge haben sich anders entwickelt, als ich noch vor ein paar Tagen gedacht hätte", schrieb er den Real-Fans bei Facebook. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Medizincheck in München

Özil war um 13 Uhr in München im Kreise der Nationalmannschaft erwartet worden, die sich auf die WM-Qualifikationsspiele am Freitag gegen Österreich und auf den Färöern am Dienstag kommender Woche vorbereitet, fehlte aber entschuldigt.

Er musste bei DFB-Teamarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt noch den für die Vertragsunterschrift obligatorischen Medizincheck absolvieren.

Nach Bales Wechsel zu Real hatten mehrere Vereine versucht, Özil aus Spanien wegzuholen.

Paris St. Germain soll er abgesagt haben, ein angebliches Interesse des englischen Meisters Manchester United wurde schnell dementiert.

Kein Kommentar von Özil-Management

Im Hintergrund sondierte Vater Mustafa die Lage. Der Papa sei derzeit "außer Haus", hieß es am Montagmittag bei der Agentur ÖZIL International Sportmanagement, die den Profi berät.

Er sei "weder befugt noch in der Lage, dazu was zu sagen", sagte ein Mitarbeiter zu den Gerüchten um einen bevorstehenden Wechsel.

Und auch, als der Transfer von mehreren Medien in England und Spanien bereits perfekt gemeldet wurde, wollte das Management den Deal nicht kommentieren - der Medizincheck stand ja noch aus.

Özil und Real - das war drei Jahre lang eine Erfolgsgeschichte, der nur die Krönung Champions-League-Sieg fehlte. Der junge Deutsche erkämpfte sich nach seinem Wechsel von Werder Bremen nach Spanien im August 2010 für 18 Millionen Euro schnell einen Stammplatz.

Bale-Ankunft ist Özils Ende

Gleich in seiner ersten Saison gewann er mit Real den spanischen Königspokal, 2012 folgte die Meisterschaft an der Seite von Sami Khedira.

Als genialer Vorlagengeber spielte Özil eine tragende Rolle, kein Spieler in der Primera Division gab seit 2010 mehr Assists als er (47 wie Lionel Messi/FC Barcelona).

Doch als für Bale "ein Traum wahr wurde", wie der Waliser bei seiner Vorstellung im Estadio Santiago Bernabeu auf Spanisch sagte, platzte der von Özil. Beim 3:1 von Real gegen Athletic Bilbao saß er erstmals in dieser Saison nur auf der Bank.

Kein Platz für Özil unter Ancelotti

Isco, ebenfalls neu in Madrid, erhielt den Vorzug. Auf der rechten Seite, wohin Özil gerne ausweicht, stürmte Angel di Maria. Für Özil war kein Platz mehr im Team von Neu-Coach Carlo Ancelotti.

Und das, obwohl Bale noch gar nicht im Kader stand. Für Özil war klar: Er musste etwas Neues wagen - auch, um im WM-Jahr seinen Stammplatz bei Löw nicht zu gefährden.

Als Bale in Madrid den Rasen des Bernabeu betrat, war indes auch Özil Thema. "Verkauft Özil nicht!", riefen einige Fans. Vergeblich.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel