vergrößernverkleinern
David Moyes trainierte Everton, ehe er bei United übernahm © imago

Erst der schwache Ligaauftakt, dann der schwarze Transfer-Montag: David Moyes erwischte bei United einen glatten Fehlstart.

Von Martin Jahns

München - "Desaströs", "frustrierend", "eine Farce" ? das Fazit der englischen Medien nach der ersten Transferphase des "Chosen One" bei Manchester United war niederschmetternd.

Einen Sommer lang hatte David Moyes Zeit, den Kader des englischen Rekordmeisters nach seinen Vorstellungen zu formen.

Zugleich sollte der 50-Jährige gleich sein eigenes Profil zeigen und sich als würdiger Erbe von United-Legende Alex Ferguson präsentieren.

Eine große Aufgabe. Doch am Ende der Transferperiode steht neben dem weitgehend unbekannten Uruguayer Guillermo Varela lediglich Marouane Fellaini neu auf Manchesters Gehaltsliste.

Reihenweise Absagen

Die Chronologie des Scheiterns: Schon früh legte sich Moyes auf Cesc Fabregas als Wunschspieler fest. Doch trotz mehrerer Angebote von United entschied sich der Katalane, dem FC Barcelona treu zu bleiben.

Als Alternative rückte Thiago Alcantara in den Blickpunkt, aber der 22-Jährige sagte Manchester ab und folgte lieber dem Ruf seines Ex-Trainers Pep Guardiola zum FC Bayern.

Ein weiterer Kandidat für das Mittelfeld war Ander Herrera von Athletic Bilbao, und auch hier schaute man im Old Trafford am Ende in die Röhre.

Herreras Ausstiegsklausel von 36 Millionen Euro war United zu teuer. Alle Versuche, den Preis zu drücken, scheiterten. Die Basken blieben wie schon in den zähen Verhandlungen mit den Bayern um Javi Martinez hart und ließen Herrera nicht gehen.

Verspekuliert bei Fellaini

So musste David Moyes ein Versprechen an seinen Ex-Verein brechen: Trotz aller Bekundungen, nicht beim FC Everton wildern zu wollen, wechselte letztlich Fellaini für rund 32,5 Millionen Euro nach Manchester.

Doch selbst der langersehnte hochkarätige Neuzugang sorgte bei United-Fans eher für eisige Mienen. Schließlich hätte sich Moyes bei dem Belgier mit einer realistischeren Einschätzung der Lage mehr als einen Monat Ärger und knapp fünf Millionen Euro sparen können - und er hätte den Mann mit der ausufernden Frisur schon in der Saisonvorbereitung im Kader gehabt.

Der Schotte setzte darauf, dass Fellaini nach dem Ablauf seiner Ausstiegsklausel in Höhe von 27,7 Millionen Euro ab Anfang August günstiger zu haben sei, biss dann jedoch bei Everton auf Granit.

Am Ende blieb, nach den kolportierten abgelehnten Angeboten für Sami Khedira (Real Madrid) und Daniele De Rossi (AS Rom), nur noch ein Transfer Fellainis zu teureren Konditionen.

"Er hat großartige Fähigkeiten und ich glaube daran, dass er den Unterschied ausmachen kann", lobte Moyes seinen Neuzugang überschwänglich.

Transferposse um Coentrao

Das verhinderte aber nicht, dass es in den letzten Minuten des offenen Transferfensters für United peinlich wurde. Eine einjährige Leihe von Real Madrids Fabio Coentrao galt bereits als sicher, zerschlug sich jedoch, weil Moyes und der Mitverantwortliche Ed Woodward zu spät handelten.

Real Madrid habe dem Geschäft laut "Daily Mail" bereits Zustimmung signalisiert, allerdings unter der Voraussetzung, mit Guilherme Siqueira vom FC Granada einen Ersatz zu verpflichten.

Als United schließlich ein unterschriftsreifes Angebot für Coentrao abgab, war es dafür jedoch zu spät: Siqueira hatte bereits bei Benfica unterschrieben. Auch weitere Bemühungen der Königlichen konnten daran nichts mehr ändern ? die dringend nötige Verstärkung auf der linken United-Abwehrseite wurde also schlicht verpennt.

So avancierte der letzte Tag der Transferperiode für Moyes zum schwarzen Montag, und reihte sich nahtlos in den bisherigen Fehlstart des Nachfolgers von Sir Alex Ferguson ein.

Mäßig in der Premier League

Schon der Auftakt in der Premier League lief alles andere als gut: Auf den Pflichtsieg gegen Swansea City folgte ein torloses Remis bei der Heimpremiere gegen Chelsea und eine bittere 0:1-Pleite beim Erzrivalen FC Liverpool. Platz sieben und fünf Punkte Rückstand auf die Tabellenspitze stehen nach drei Spieltagen auf dem Konto.

"United zu übernehmen ist ein Job, den jeder gern hätte, aber ich bin nicht sicher, ob jeder gerne auf Sir Alex folgen würde", ließ Moyes nach seiner Amtsübernahme durchblicken.

Mit dem sportlichen Fehlstart und dem Transfergebaren eines Elefanten im Porzellanladen macht sich der 50-Jährige die Herkulesaufgabe nicht leichter.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel