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Mesut Özil wechselte für 50 Millionen Euro aus Madrid nach London © getty

Arsenals Rekord-Transfer sorgt schon vor seinem Debüt für Lobeshymnen auf der Insel. Sein ehemaliger Co-Trainer tritt nach.

Von Jan Reinold

München - Eigentlich wollte Zinedine Zidane mit seinem Auftritt ja eine Baustelle schließen, also erklärte er, seine kritischen Worte zur Ablösesumme für Gareth Bale seien einfach fehlinterpretiert worden (Bericht: Zidane kritisiert Bale-Ablöse).

Kurze Zeit später machte der Co-Trainer von Real Madrid im Interview mit dem klubeigenen TV-Sender die nächste Baustelle aber auf - und sorgte so gekonnt für die Fortsetzung der Schlammschlacht, die deutsche, spanische und englische Medien mit reichlich Futter versorgt.

"Es gibt Spieler, die mit Stärke und dem Willen, um ihren Platz zu kämpfen, antworten", sagte Zidane. Den Namen Mesut Özil nahm er zunächst nicht in den Mund, doch schnell war klar, wohin die Reise gehen soll: "Aber nicht alle reagieren gleich. Di Maria hat so geantwortet und wollte kämpfen. Özil hat sich dazu entschlossen, den Verein zu verlassen""

Heißt im Umkehrschluss: Özil wollte nicht kämpfen - und spielt deshalb nun für den FC Arsenal. Real, wegen des Verkaufs des Deutschen stark unter Beschuss geraten wollte den deutschen Nationalspieler gar nicht abgeben. Vielmehr habe Özil nach der Bale-Verpflichtung die Flucht ergriffen, weil er sich nicht dem verschärften Konkurrenzkampf bei den "Königlichen" stellen wollte.

Hohe Erwartungshaltung

Dank Zidane geht der Rosenkrieg zwischen Real und seinem ehemaligen Spielmacher also in die nächste Runde (Bericht: Özil-Schlammschlacht nimmt Fahrt auf).

Özil wollte sich bei seiner Vorstellung in London am Donnerstag nicht zu dem Thema äußern, obwohl sein Vater (und Berater) Mustafa rechtliche Schritte gegen seinen Ex-Klub angekündigt hat (Bericht: Freude und Zoff für Özil).

Er wolle nicht schlecht über Real sprechen, schließlich "hatte ich drei wundervolle Jahre dort", meinte Mesut Özil. Viel lieber lobte er seinen Klub und Teammanager Arsene Wenger.

"Großartig", "unglaublich", "herzlich", "respektvoll" - so beschrieb der 24-Jährige sein neues Umfeld. Und die Begeisterung ist gegenseitig. Vor seinem wahrscheinlichen Debüt am Samstag im Auswärtsspiel beim Tabellenvorletzten AFC Sunderland (16 Uhr LIVESCORES) schießen die Erwartungen an Arsenals Rekord-Transfer durch die Decke.

Özil wird "einschlagen"

"In der Premier League hast du viel Platz, und er ist ein Spieler, der dich töten kann, wenn er Platz hat", sagt Barcelonas Cesc Fabregas, der zwischen 2003 und 2011 für die "Gunners" spielte: "Özil spielt brillante finale Pässe. Er wird bei Arsenal einschlagen."

Am besten schon am Samstag, wenn er passenderweise im Stadium of Light ins Rampenlicht tritt. Inwieweit Özil Anpassungsschwierigkeiten an die Premier League haben wird, bleibt abzuwarten. Tempo und Intensität dürften deutlich höher sein, als der Techniker das von seinen bisherigen Stationen in Deutschland und Spanien gewohnt ist.

Für Özil aber angeblich kein Problem. "Ich habe viele Premier-League-Spiele gesehen, es geht ordentlich zur Sache, aber es ist eben ein Männersport", meint er: "Ich bin mir sicher, dass ich mich hier beweisen werde."

Cazorla droht die Bank

Bei den noch sieglosen "Black Cats" dürfte Özil direkt in der Startformation stehen, zumal der frühere Dortmunder Tomas Rosicky mit einer Oberschenkelblessur ausfällt. Teammanager Arsene Wenger hat jedenfalls keine Bedenken, den 50-Millionen-Mann ins kalte Wasser zu werfen.

"Er hat einen Spielstil, der zu uns passt. Er hat alle Attribute, um unser Anführer zu werden", meinte der sichtlich stolze Franzose.

In Sunderland dürfte Özil hinter der wahrscheinlichen einzigen Spitze Olivier Giroud die Strippen ziehen, Santi Cazorla wird dafür wohl wieder auf den linken Flügel rücken. Wenn die Verletzten, wie ukas Podolski, wieder fit sind, droht dem Spanier mittelfristig allerdings die Bank. Und dennoch zeigte er sich "sehr glücklich" über den Özil-Deal.

"Er ist ein spektakulärer Spieler, an seiner Seite können wir nur lernen", meinte Cazorla: "Ich persönlich kann nicht verstehen, warum Real ihn verkauft hat, denn ich halte ihn für einen einzigartigen Spieler."

Özil ein "Champion"

Zunächst einmal aber dürfen die beiden Techniker Özil und Cazorla gemeinsam ran, und dieses Duo, ist sich Ex-Nationalspieler Jamie Carragher sicher, steht für absoluten Spitzenfußball.

Zwar müsse man abwarten, wie die beiden miteinander harmonierten, aber sollte das gelingen, werde es "eine Freude" sein, Arsenal zuzusehen.

Ob das allein den seit 2005 auf einen Titel wartenden "Gunners" reicht, darf bezweifelt werden. "Arsenal ist einer der größten Klubs der Welt. Natürlich können wir um den Meistertitel mitspielen", weiß auch Özil.

Mit einem Sieg in Sunderland könnte Arsenal im Optimalfall die Tabellenführung erobern. Es wäre ein Anfang, mehr (noch) nicht.

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