vergrößernverkleinern
Thomas Eisfeld wechselte 2012 von Borussia Dortmund zum FC Arsenal © getty

Thomas Eisfeld steht bei Arsenal im Fokus. Einst spielte er mit einem Top-Talent zusammen - dann stoppte ihn eine Verletzung.

Von Christoph Lother

München - Thomas wer?

Der eine oder andere Zuschauer im Hawthorns Stadium von West Bromwich dürfte sich fragend an seinen Sitznachbarn gewandt haben, als die Spieler des FC Arsenal ihren Torschützen zum zwischenzeitlichen 1:0 bejubelten.

Wer hatte das Tor geschossen? Abwehrchef Thomas Vermaelen? Nein. Thomas Eisfeld (BERICHT: BVB-Bubi trifft für Arsenal).

20 Jahre alt, geboren in Brandenburg, einst bei Borussia Dortmund aktiv - und nun der nächste Deutsche, der im multikulturellen Ensemble der Londoner in den Fokus drängt.

Klar, da sind der am Mittwochabend geschonte Mesut Özil, der derzeit verletzte Lukas Podolski und Abwehrchef Per Mertesacker.

Aber da sind eben auch Jungs wie Eisfeld oder Serge Gnabry, der in West Bromwich mit nicht ganz so viel Schussglück ausgestattet war. Im Elfmeterschießen versagten ihm die Nerven. Zum Sieg reichte es für die "Gunners" dennoch.

Neuer Rosicky?

Auch dank Eisfeld, den viele Arsenal-Anhänger bei seiner Ankunft in London vor gut 20 Monaten schon als neuen Rosicky bezeichnet hatten.

Fachkenntnisse? Insiderwissen? Bei manchen Fans wohl eher die pure Verzweiflung. Schließlich fiel es schwierig, den weitgehend unbekannten Neuen einzuordnen. Und zu Rosicky gab es zumindest Parallelen.

Wie einst der Tscheche kam Eisfeld aus Dortmund zu Arsenal. Wie Rosicky ist er ein Mittelfeldmann mit Spielmacherqualitäten.

Von weiteren Vergleichen mit dem Edeltechniker war der 20-Jährige bisher aber weit entfernt - zumindest bis zum Mittwochabend.

"Besonderer und emotionaler Abend"

Eisfeld nach nur einem Spiel mit Tschechiens dreimaligem Fußballer des Jahres zu vergleichen, wäre zwar definitiv verfrüht.

Ein Meilenstein war dieses hart erkämpfte 5:4 nach Elfmeterschießen für ihn aber allemal. (DATENCENTER: League Cup)

"Das war ein sehr besonderer und emotionaler Abend", schrieb der Mittelfeldspieler nach seinem ersten Profi-Tor und dem Einzug ins Ligapokal-Achtelfinale bei "Twitter".

Er habe "viel gelernt" und werde künftig "noch härter arbeiten".

Von Finsterwalde nach Dortmund

Geboren im Kleinstädtchen Finsterwalde, fand Eisfeld über die Stationen SV Quitt Ankum und VfL Osnabrück im Jahr 2005 den Weg zum BVB.

Anfangs musste ihn Vater Sergej noch vom damaligen Wohnort Osnabrück zum Training nach Dortmund fahren. 120 Kilometer hin, 120 Kilometer zurück.

Irgendwann zog der Sprössling dann doch lieber ins Jugendinternat der Dortmunder.

Hier entwickelte sich Eisfeld zu einem aufstrebenden und herausragenden Talent, dem schon bald erste Einsatzzeiten bei den Profis der Borussia winkten.

Schwere Verletzung mit 16 Jahren

Ein Kreuzbandriss im Oktober 2009 warf den damals 16-Jährigen in seiner Entwicklung dann aber entscheidend zurück.

Während Teamkollege Mario Götze sein Bundesliga-Debüt feierte, arbeitete Eisfeld in der Reha verbissen an seinem Comeback.

Das gab er schließlich im Frühjahr 2010. In der Dortmunder U 17 - mit einem Tor.

Lockruf von Wenger

Für eine Berufung in die deutschen Nachwuchs-Nationalmannschaften reichte es seitdem zwar nicht mehr, dafür zog Eisfeld das Interesse aus dem Ausland auf sich.

"Wir haben ihn lange beobachtet. Er hat die Einstellung und die technischen Fähigkeiten, um unser Team zu verstärken", urteilte Arsenals Trainer Arsene Wenger und lockte den Offensivmann im Januar 2012 nach London.

500.000 Euro und eine Ausbildungsentschädigung überwiesen die "Gunners" für Eisfeld nach Dortmund.

Leistungsträger in Arsenals U 21

Mittlerweile zählt der technisch versierte 1,77-Meter-Mann zu den unumstrittenen Leistungsträgern in Arsenals U-21-Mannschaft:

Drei Spiele, zwei Tore in der laufenden Saison. Zwölf Einsätze, acht Treffer in der vorherigen Spielzeit.

Und auch bei den "Großen" scheint Eisfeld allmählich Fuß zu fassen.

"Er spielt intelligent, ist gut ausgebildet und sorgt auf dem Platz für Bewegung", sagte Coach Wenger, nachdem er den jungen Deutschen bereits in der Vorbereitung hin und wieder getestet hatte.

Starker Auftritt als Zehner

Im Spiel bei West Bromwich reichte es nun für die Bewährungsprobe auf höchster Ebene.

Eisfeld gab 82 Minuten lang den Aushilfs-Zehner - "hübsch" und "cool", wie englische Medien anschließend befanden.

Es war sein zweiter Einsatz in Arsenals Profimannschaft. Und es soll nicht der letzte gewesen sein.

Dann heißt es vielleicht auch nicht mehr: Thomas wer? Sondern: Ach, schon wieder der Eisfeld.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel