vergrößernverkleinern
Serge Gnabry (2.v.l.) kam 2010 vom VfB Stuttgart zum FC Arsenal © getty

Auch Arsenals fünfter Deutschland-Import schießt sich ins Rampenlicht. Arsene Wenger tut es für die Engländer fast leid.

Von Martin Hoffmann

München - Arsene Wenger hat mittlerweile anscheinend schon das Gefühl, dass er sich entschuldigen muss.

Dass da bei seinem Klub schon wieder einer die Aufmerksamkeit auf sich zieht, der aus diesem gewissen Land stammt.

Serge Gnabry, 18 Jahre alt, Premierentorschütze für den FC Arsenal beim 2:1-Sieg in Swansea (BERICHT: Gnabry schießt Arsenal an die Spitze).

"Leider ist er ja auch ein Spieler für die deutsche Nationalelf", hielt sein Coach hinterher fest, "keiner für die englische". Tja.

Der fünfte Deutsche

Man kann verstehen, warum der Coach des Premier-League-Tabellenführers auf die Idee kommt, sich zu rechtfertigen (DATENCENTER: Premier League).

Mittlerweile hat er ja schon eine halbe Mannschaft beisammen, die - aus britischer Sicht betrachtet - leider deutsch ist.

Lukas Podolski. Per Mertesacker. Mesut Özil. Thomas Eisfeld, der soeben mit einem Treffer beim League-Cup-Sieg über West Bromwich in die Schlagzeilen drängte. Und nun also Gnabry.

Nicht zum ersten Mal im Rampenlicht

Eine ganz neue Erfahrung ist das große Rampenlicht nicht mehr für den Deutsch-Ivorer.

Schon im vergangenen Jahr hatte Gnabry als zweitjüngster Spieler der Arsenal-Geschichte sein Ligadebüt gefeiert und war auch in der Champions League beim 0:2 gegen Schalke 04 zum Einsatz gekommen.

Es ist dann aber schnell wieder ruhig geworden um den damals 17-Jährigen. Eine Rückenverletzung, Rückversetzung zu den Youngstern: Wenger sah keinen Grund, es mit Gnabry zu überstürzen. Was nicht heißt, dass er ihn vergessen hätte.

Walcott-Verletzung als Wegbereiter

Wie vor einem Jahr ist es nun eine Verletzung von Offensiv-Star Theo Walcott, die dem Sohn des ivorischen Ex-Nationalspielers Jean-Hermann Gnabry den Weg in Arsenals erste Mannschaft bereitete.

Beim 3:1-Heimsieg über Stoke City wurde Gnabry eingewechselt, im Pokal gegen West Bromwich spielte er 120 Minuten durch, bei Swansea City folgte sein Startelf-Debüt auf dem rechten Flügel.

Und nicht nur wegen seines Treffers sah sich Wenger hinterher bestätigt, auf den Schwaben gesetzt zu haben.

"Keine Ängstlichkeit"

"Er hat nicht nur Talent, er hat auch die Persönlichkeit, die man auf dem Platz braucht", schwärmte der Elsässer:

"Man merkt ihm keine Ängstlichkeit an, er hat das Selbstvertrauen - und das Können."

Es ist die Art von Können, die sich in Wengers offensives Spielsystem bestens einfügt.

Gnabry ist enorm schnell, beidfüßig, verfügt über herausragende Ballsicherheit und einen Hochgeschwindigkeitszug zum Tor, den Swanseas Abwehr zu spüren bekam, als er einen 21 Pässe langen Arsenal-Spielzug mit einem zielsicheren Rechtsschuss vollendete.

Arsenal zahlte 100.000 Euro

Der Durchbruch, den Gnabry mit diesem Tor gefeiert hat, bestätigt seine deutschen Förderer von einst.

"Allerhöchste Qualität" bescheinigte ihm in der "Stuttgarter Zeitung" Thomas Albeck, der Gnabry 2005 als Zehnjährigen für den VfB entdeckte.

Fünf Jahre später wurden die "Gunners" auf das Talent aufmerksam und holten es für 100.000 Euro Ausbildungsentschädigung in die Arsenal Academy.

Idol Zidane, Playstation-Kumpan Eisfeld

Dort wurde Gnabry seitdem behutsam für die Profimannschaft aufgebaut - und dabei von der Medienöffentlichkeit abgeschirmt.

Interviews hat der deutsche U-19-Nationalspieler bislang meist nur den Verlautbarungsorganen des Klubs gegeben, so wie jüngst in einer von Arsenal organisierten Twitter-Fragerunde.

Dort ließ er immerhin wissen, dass er am liebsten zentral hinter den Spitzen spielen würde, Zinedine Zidane sein Kindheitsidol war, Landsmann Eisfeld im Team sein bester Freund und Playstation-Kumpan ist - und dass er von Neuzugang Özil "viel lernen" möchte.

Ein Snack mit Özil und Merte

Gnabrys eigener Zwitscher-Account hat in den Stunden nach seinem Premierentor prompt etwa 15.000 neue Anhänger gewonnen.

Die konnten dann auch gleich sehen, wie sich ein "glücklicher" Gnabry auf der Heimfahrt für sein Premierentor belohnte: Mit einem Abhol-Imbiss an der Seite von Özil und Mertesacker.

Es dürfte nicht sein letzter Snack mit den Großen gewesen sein.

[tweet url="//t.co/TZ0usWxEL7"]

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel