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Die Gedenktafel an der Anfield Road erinnert an die Opfer von Sheffield © getty

Die Katastrophe von Hillsborough, die 96 Menschenleben forderte, läutete einen neuen Stellenwert für Sicherheit im Fußballstadion ein.

Liverpool - Hillsborough steht für eine der größten Katastrophen der Fußball-Geschichte.

Am 15. April 1989, einem sonnigen Samstag, pilgern Scharen von Fans nach Sheffield zum FA-Cup-Halbfinale zwischen dem FC Liverpool und Nottingham Forest.

Das Spiel ist längst ausverkauft, trotzdem machen sich Tausende von Reds-Anhängern ohne Eingangsberechtigung auf den Weg in die britische Stahlmetropole und hoffen auf ein Schwarzmarktticket.

Ausgang wird zur Falle

Vor der Tribüne Leppings Lane drängen die Liverpool-Supporter - mit und ohne Ticket. Sie stemmen sich mit aller Macht in Richtung der Drehkreuze an den Eingängen, je näher der Anstoß um 15 Uhr rückt.

Der Druck wird immer größer. Der Block "Pen 3" ist bereits voll, die Menschen werden von oben gegen die Zäune gepresst.

Eine fatale Entscheidung des damaligen Polizeichefs David Duckenfield verschärft die Situation. Er lässt ein Tor öffnen - womit der Druck unermesslich wird.

20. Jahrestag des Unglücks

Fans werden regelrecht zu Tode gequetscht.

Die grausame Bilanz: 96 Tote, kaum ein Opfer älter als 30, der Jüngste 10 Jahre alt, 766 Verletzte 92782(DIASHOW: Die Bilder der Tragödie) .

Am Mittwoch jährt sich die Katastrophe zum 20. Mal. Die Menschen im Mutterland des Fußballs, insbesondere die Hinterbliebenen der Opfer und die Zeitzeugen, haben das Drama vor Augen, als wäre es gestern gewesen.

Quälende sechs Minuten

Liverpools legendärer Torhüter Bruce Grobbelaar stand damals im Tor direkt vor dem Todes-Block.

Obwohl die Tragödie längst ihren Lauf genommen hatte, wurde das Spiel seinerzeit angepfiffen.

"Bitte Bruce, versuch uns zu helfen!" Die flehenden Worte der Fans am Zaun hat der Südafrikaner nie vergessen. Und auch nicht die Antwort einer Polizistin, die er am Spielfeldrand auf die Szenen aufmerksam machte: "Ich kann nichts tun."

Nachdem er den Ball zum dritten Mal zu fassen bekommen hatte, überzeugte er Schiedsrichter Ray Lewis, das Spiel abzubrechen. Nach sechs Minuten.

Wiederholungsspiel drei Wochen später

"Ich habe Gesichter gesehen, die gegen den Zaun gepresst wurden. Niemand, der in Hillsborough war, wird das je vergessen. Es wurde uns gesagt, dass das Spiel für 30 Minuten unterbrochen ist. Aber es kamen immer wieder Leute und schrien, dass es fünf, sechs Tote gab. Es war grausam", sagte Grobbelaar in einem Artikel des "Liverpool Echo".

Das Spiel wurde nicht wieder angepfiffen und drei Wochen später wiederholt.

Keine Strafen für Verantwortliche

Augenzeuge vor Ort war auch der deutsche TV-Reporter Peter Jensen, der Beiträge für die ARD erstellte.

"Man bekam nicht genau mit, was passierte. Man sah Krankenwagen. Aber erst nach einiger Zeit kamen die Meldungen von Toten und Verletzten. Ich habe dann nach und nach Tonbeiträge geschickt, in Deutschland hat man dann die Bilder dazugebracht", sagte der 71-Jährige.

"Ich kam erst nach Stunden aus dem Stadion, habe mir ein Taxi zum Hotel genommen und dann sofort meine Frau angerufen. Ich kam irgendwie nicht zur Ruhe, war paralysiert und stand ein wenig unter Schock."

Die Verantwortlichen für die Katastrophe wurden nie belangt. Erst nach dieser Tragödie wurden die Stadien in die Moderne geführt. Zäune und Stehplätze wurden abgeschafft, Ticketverkäufe stärker kontrolliert.

Grenzenlose Unterstützung

Die Unterstützung der Angehörigen und das Gedenken sind beispiellos.

Dem Vereinswappen Liverpools wurden zwei Flammen hinzugefügt, an der Anfield Road erinnert ein Denkmal an den Shankly-Gates an die Opfer, davor liegen täglich frische Blumen, am Zaun hängen Fanschals aus aller Welt.

Die Stars von damals und heute besuchen die Opfer, so auch unlängst Liverpools spanischer Teammanager Rafa Benitez.

Costello singt mit Reds-Unterstützung

Rockstar Elvis Costello hat anlässlich des 20. Jahrestages die Hymne der berühmten Fan-Tribüne Kop, "The Fields of Anfield", neu aufgelegt.

Als Background-Sänger wirken die ehemaligen Klub-Ikonen Kenny Dalglish, damals Reds-Teammanager, Phil Thompson und John Aldridge mit.

Bereits 19.000 Menschen haben die CD erworben, die Erlöse gehen an die Hillsborough Families Support Group.

Gerrard persönlich betroffen

Liverpools derzeitiger Kapitän Steven Gerrard hat gebeten, am 20. Jahrestag nicht spielen zu müssen. Sein Cousin Jon-Paul Gilhooley starb in Hillsborough, mit zehn Jahren war er das jüngste Opfer.

"Er hat Liverpool mit der gleichen Leidenschaft bewundert, wie ich es tue, wenn ich das rote Trikot überstreife", schrieb Gerrard in seiner Autobiografie. Die UEFA hat der Bitte entsprochen und das Champions-League-Rückspiel beim FC Chelsea (Spielbericht: Chelsea nach Krimi weiter) auf den Dienstag vorverlegt.

Gedenken um 15.06 Uhr

Um 15.06 Uhr Ortszeit blieben am Mittwoch in Liverpool alle öffentlichen Verkehrsmittel stehen, bei einer Trauerzeremonie im Stadion Anfield Road mit der Mannschaft des FC Liverpool und in der ganzen Stadt senkten die Menschen die Köpfe und schwiegen in Gedenken an die Tragödie im Stadion von Sheffield.

Die Glocken der beiden Kathedralen der Metropole läuteten. Auch in Nottingham und Sheffield neigten die Menschen aus Respekt vor den Toten die Häupter. Nach dem Ende der Schweigeminuten applaudierten sie verhalten.

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