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Andrej Arschawin gewann 2008 mit Zenit St. Petersburg den UEFA-Cup © getty

Der "kleine Zar" Andrej Arschawin hat mit seinem Viererpack Großbritannien verzaubert. Liverpool übernimmt wieder die Spitze.

Liverpool - Es war die Nacht des Andrej Arschawin: Im Anfield-Thriller des Jahrzehnts verzauberte der "kleine Zar" das Vereinigte Königreich.

Mit einer "wunderbaren Vier-Tore-Show" ("The Times") schrieb der russische Stürmerstar beim dramatischen 4:4 des FC Arsenal im Liverpooler Fußball-Tempel Geschichte (Spielbericht) - und entschied in einem Spiel mit traumhaften Toren und absurden Abwehrfehlern das Titelrennen der Premier League vielleicht zugunsten von Manchester United.

Die britischen Kommentatoren überschlugen sich am Mittwochmorgen in Lobeshymnen auf ein "brillant lächerliches Wahnsinnsspiel" ("Guardian") mit "Kamikaze-Verteidigung" ("The Sun") oder "russischem Abwehr-Roulette" ("Mirror") auf beiden Seiten.

"Wie Basketball"

"Es war wie Basketball", sagte Arsenal-Held Arschawin (DATENCENTER: Spielerporträt) verwundert. "Ich habe schon Hattricks erzielt, aber nie vier Tore. Das war traumhaft für die Fans, aber keineswegs für die Teams."

Arsenal-Teammanager Arsene Wenger erklärte, er habe "niemals solch ein brillantes Spiel eines Torjägers" gesehen.

Ein gewisser Dennis Westcott, Torschützenkönig der Saison 1946/47, 1917 geboren und 1960 an Leukämie gestorben, hatte zuletzt vier Treffer für eine Gastmannschaft in einem Ligaspiel an der Anfield Road erzielt - am 7. Dezember 1946 für die Wolverhampton Wanderers (5:1).

Liverpool wieder vorn

Fast zur Nebensache wurde, dass die Reds zwar wieder die Tabellenspitze eroberten, der punktgleiche Titelverteidiger United (beide 71) aber zwei Spiele mehr zu absolvieren hat - das erste am Mittwoch gegen den FC Portsmouth (ab 21 Uhr LIVESCORES).

Parallel kämpft Michael Ballack mit dem FC Chelsea (67) gegen den FC Everton um seine Titelchancen, das Spiel war zugleich die "Vorschau" auf das FA-Cup-Finale zwischen Blues und Toffees am 30. Mai.

Titelkampf weiter offen

Wenger und sein Liverpooler Gegenüber Rafael Benitez erklärten unisono, der Titelkampf sei "nach wie vor offen". Doch das Ergebnis spielte Manchester United in die Karten.

"Sie haben es in der Hand, aber das war auch vorher so. Man weiß im Fußball nie, was geschieht - auch Manchester muss noch gegen Arsenal spielen", sagte Benitez.

Liverpool-Kapitän Steven Gerrard musste das Weltklassespiel sieben Tage nach dem 4:4 beim FC Chelsea in der Champions League im Fernsehstudio verfolgen. "Eine Niederlage wäre ein Desaster für uns gewesen. Doch dieser Punkt könnte noch wertvoll werden", meinte der Mittelfeldstar, der an der Leiste verletzt ist.

Vier Schüsse - vier Tore

Vor 44.424 Zuschauern eröffnete Arschawin (36.), der vier Tore aus vier Torschüssen verzeichnete, das Preisschießen.

Fernando Torres (49.) und Yossi Benayoun (56.) drehten das Match in acht Minuten, ehe Arschawin mit seinen Premier-League-Toren fünf und sechs in nur vier Minuten (67./70.) für die erneute Wende sorgte.

Er konterte Torres' 3:3 (73.) mit dem vierten Tor (90.), abermals Yossi Benayoun (90.+3) rettete den Reds schließlich einen Punkt.

Kennedy geehrt

Bei den Fans beider Mannschaften wurden Erinnerungen an ein legendäres Spiel vor 20 Jahren wach. Am 26. Mai 1989 sicherte ein Last-Minute-Tor von Michael Thomas Arsenal in Anfield den Titel vor Liverpool - bei identischer Tordifferenz aufgrund der mehr erzielten Treffer.

Ein bewegender Moment war das Spiel am Dienstag für Ray Kennedy.

Der an Parkinson erkrankte Ex-Nationalspieler, einst Meister und FA-Cup-Sieger mit Arsenal sowie Meister, Cupsieger und Europapokalsieger mit Liverpool, war im Stadion und wurde mit einer gemeinsamen Choreografie beider Fanlager geehrt.

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