"Wir wollen uns nicht mit Barcelona messen"
Von Hardy Heuer
München - Den RCD Mallorca konkurrenzfähig machen - das ist das große Ziel von Anteilseigner Utz Claassen.
Der ehemalige EnBw-Vorstandsvorsitzende und Präsident von Hannover 96 hält 20 Prozent der Klubanteile.
Momentan ist Mallorca nur unteres Mittelmaß und spielt gegen den Abstieg statt um Europapokal-Plätze.
Claassen will den verschuldeten Insel-Verein sanieren und in den nächsten Jahren zu einem Top-Klub in der Primera Division formen (DATENCENTER: Primera Division).
"Mit dem FC Barcelona wollen wir uns aber nicht messen", stellt der 49-jährige Unternehmer jedoch klar.
Im SPORT1-Interview spricht Utz Claassen über seine Pläne, mögliche Neuverpflichtungen, die Gerüchte um Michael Ballack und die Einseitigkeit in der Primera Division.
SPORT1: Herr Claassen, in den letzten Wochen gab es Turbulenzen um RCD Mallorca. Worum ging es da?
Utz Claassen: Offensichtlich gab es einen deutschen Investor, der 98 Prozent der Anteile des Vereins erwerben wollte. Er soll behauptet haben, dass er sich mit Verantwortlichen des Vereins bereits über die Konditionen eines Kaufs verständigt hätte. Das fand ich merkwürdig, weil ich niemanden beauftragt hatte, für meine Anteile und in meinem Namen solche Verhandlungen zu führen.
SPORT1: Wie haben Sie darauf reagiert?
Claassen: Nachdem ich durch Zufall davon erfahren hatte, habe ich einen Fragenkatalog erstellt. Danach hat man sich auf spanischer Seite entschlossen, die Verhandlungen mit dem potenziellen Investor sofort zu beenden.
SPORT1: Wie wollen Sie den Klub sanieren?
Claassen: Merchandising und Fernsehrechte sind zwei entscheidende Umsatzträger der erfolgreichen Vereine, wie etwa des FC Barcelona, mit dem wir uns aber nicht messen wollen. Die Gestaltungskraft eines Klubs hängt von seiner Markenreichweite ab. Exemplarisch dafür steht auch Madrid: Real hat Beckham gekauft und offenbar allein mit den Merchandising-Umsätzen in Asien den Transfer refinanziert.
SPORT1: Gibt es Überlegungen, einen solchen Star zu verpflichten?
Claassen: Wir hatten im letzten Sommer die Möglichkeit, zwei ehemalige deutsche Nationalspieler zu verpflichten. Auch Owen Hargreaves spielte in meinen Überlegungen eine Rolle. Wegen seiner langwierigen vorherigen Verletzung zögerte die sportliche Leitung. Ich bedauere, dass uns ein solcher Transfer nicht gelungen ist.
SPORT1: Es gibt Gerüchte um Michael Ballack? Ist er ein Thema?
Claassen: Ich möchte keine Spekulationen anheizen und werde mich weder an Spekulationen beteiligen noch in die Belange der sportlichen Leitung einmischen. Der Transfer von Ballack zum FC Chelsea hat konzeptionell gezeigt, wie enorm sich die Aufmerksamkeit in Deutschland für Chelsea erhöht hat. Wenn man aber einen derart namhaften Spieler verpflichten will, dann muss man ein Paket auch mit Sponsoren schnüren. Ich glaube, dass es uns grundsätzlich helfen würde, wenn wir einen deutschen und einen englischen Spieler in unseren Reihen hätten, der in seinem Land ein Sympathieträger ist. Aber das ist eine generelle Überlegung, die nichts mit konkreten Plänen oder Gesprächen zu tun hat.
SPORT1: Und wie wollen Sie die Touristen ins Stadion locken?
Claassen: Es wird immer berichtet, dass mit 14.000 Zuschauern zu wenig Fans ins Stadion gehen. Prozentual auf die Einwohnerzahl gerechnet kommen allerdings mehr Leute ins Stadion als zum Beispiel in Barcelona. Strukturell gesehen hat Mallorca mit seiner Logistik und dem Bekanntheitsgrad der Insel die Voraussetzungen, langfristig zur dritten Kraft in Spanien zu werden. Unser Problem ist, dass der unmittelbare regionale Markt zu klein ist.
SPORT1: Inwiefern?
Claassen: Wenn zwei Prozent der mehr als zehn Millionen Touristen einmal im Urlaub ins Stadion gingen, wäre das Stadion immer ausverkauft. Dann bekämen wir auch mehr Attraktivität für Fernsehübertragungen, Sponsoren und Merchandising-Produkte. Mir blutet das Herz, wenn ich sehe, dass in den Sportgeschäften in Mallorca tonnenweise Trikots von Barca und Real hängen, aber kaum vom RCD.
SPORT1: Wie sehen Sie die Einseitigkeit in der Primera Division?
Claassen: Wenn es zu einseitig wird, leiden am Ende alle darunter. Ich bin davon überzeugt, dass die Dominanz von Barca und Real langfristig auch für die beiden Klubs selbst nicht gut ist, wie ja das Beispiel Schottland zeigt. Celtic und die Rangers sind international nicht mehr so stark wie vor 30 oder 40 Jahren. Auch die Liga und die Nationalmannschaft haben meines Erachtens unter deren Dominanz gelitten.
SPORT1: Welche Rolle spielt die Verteilung der Fernsehgelder in Spanien?
Claassen: Die Verteilung der Fernsehgelder muss auf Sicht geändert werden. Der relative Anteil, den die beiden Ersten erhalten, ist viel größer als in Deutschland, England oder Frankreich.