Mou kitzelt Özil: Erst Scharfschütze, dann Weltfußballer
Von Hardy Heuer
München - Viele Vorlagen, aber zu wenig Tore:
Wenn es nach Real Madrids Trainer Jose Mourinho geht, ist Mesut Özil "die beste Nummer 10 der Welt. Alle sehen Sachen von Figo und Zidane in ihm und stehen auf ihn."
Doch es gibt ein Problem: Özils Torgefährlichkeit.
In zwei Spielzeiten bei den Königlichen erzielte der deutsche Nationalspieler 16 Tore, für seinen portugiesischen Star-Coach zu wenig.
Nur ein Tor bei der EM
Mourinho fordert laut einem Bericht der "Marca" mehr Tore, einen Wunsch, den in ähnlicher Form auch schon Bundestrainer Joachim Löw geäußert hat.
In Polen und der Ukraine traf Özil trotz teils bester Chancen nur einmal - in der Nachspielzeit des Halbfinals gegen Italien vom Elfmeterpunkt.
Anwärter auf "Ballon d'Or"?
Reals Coach glaubt daran, dass Özil bei manchmal egoistischerer Spielweise häufiger zuschlagen könnte. Dann hätte er sogar eine realistische Chance, Weltfußballer zu werden.
Auf der vorläufigen Kandidaten-Liste für die Anwärter auf den "Ballon D'Or" wird Özil angeblich geführt, wie die "Gazzetta dello Sport" berichtet, gemeinsam mit den Favoriten Lionel Messi vom FC Barcelona und Teamkollege Cristiano Ronaldo.
Wenn es aber nach den Toren geht, kann der Deutsche bei weitem nicht mithalten. Messi erzielte in der abgelaufenen Saison sage und schreibe 50 Tore, Ronaldo lag mit 46 Treffern knapp dahinter.
Konkurrenzkampf als Antrieb
Bei den Vorlagen ist Özil hingegen bereits absolute Weltklasse. 57 Tore hat der Spielmacher wettbewerbsübergreifend in zwei Jahren bei Real vorbereitet.
Damit er sich endlich auch im Abschluss verbessert, greift Mourinho auf ein bekanntes Druckmittel zurück - Konkurrenzkampf.
Luka Modric soll auf seinem Einkaufszettel ganz oben stehen. Der kroatische EM-Teilnehmer kann sowohl die Spielmacher- als auch die Sechser-Position bekleiden. (DIASHOW: Transfermarkt international)
Verhandlungen mit Modric stocken
Die Verhandlungen um den 26-Jährigen gestalten sich aber als schwierig. Mit dem Spieler soll sich Real laut einem Bericht der "as" einig sein, dessen Verein Tottenham Hotspur will für den Kroaten aber angeblich satte 50 Millionen Euro Ablöse.
Ein Betrag, den Real nicht zahlen möchte.
Modric wird deshalb offenbar schon ungeduldig. Wie die englische "Sun" berichtet, habe das Umfeld des Mittelfeldspielers Real eine Deadline bis zum 17 Juli gesetzt, um in den Gesprächen mit den Spurs voranzukommen.
Andernfalls werde man andere Optionen prüfen. Auch Manchester United soll Interesse haben, allerdings versagte Tottenham schon einem Wechsel zum FC Chelsea seine Zustimmung, da der Spielmacher keinen direkten Konkurrenten verstärken sollte.
Sahin nicht als Tauschmasse
Eine von Real angeblich angedachte Transferlösung mit Nuri Sahin als Zugabe ist dagegen wohl vom Tisch. Der türkische Nationalspieler will sich im zweiten Jahr in Madrid durchsetzen und auch Mourinho möchte den früheren Dortmunder noch mindestens ein Jahr behalten.
Das erste Jahr Sahins beim Rekordmeister soll nicht als Maßstab gelten. Erst verpasste er die Saison-Vorbereitung verletzungsbedingt, dann fand er sich auf der Bank wieder.
Es reichte nur zu jeweils vier Einsätzen in der Primera Division und der Champions League. Doch der Türke will sich trotzdem durchsetzen.
Trainingsstart am 15. Juli
Anfangen kann er damit beim Trainingsauftakt am 15. Juli. Schließlich gehört Sahin zu jener Gruppe von Spielern, die nicht bei der EM im Einsatz waren und deshalb deutlich früher mit der Arbeit beginnt als viele Kollegen.
Die insgesamt elf EM-Teilnehmer Reals bekommen vier Wochen Zeit zur Erholung. Karim Benzema, als einziger Mourinho-Zögling nicht im Halbfinale, steigt als Erster wieder ein. Zuletzt kehren die fünf Europameister Iker Casillas, Sergio Ramos, Xabi Alonso und Raul Albiol am 30. Juli auf den Trainingsplatz zurück.
Pepe, Fabio Coentrao, Cristiano Ronaldo, Sami Khedira und Mesut Özil müssen bereits zwei Tage früher wieder ran.
Genug Zeit also für Mourinho, sich für Özil noch ein paar schöne Torschuss-Übungen einfallen zu lassen.