Reals 40-Millionen-Euro-Joker
Von Christian Stüwe
München - Real Madrid steht unmittelbar davor, Luca Modric von Tottenham Hotspur zu verpflichten.
Die "Marca" aus Spanien berichtet, dass die Klubs im Bezug auf die Ablösesumme lediglich noch rund zwei Millionen Euro auseinander lägen.
Die englische "Sun" wiederum rechnet mit einer Einigung bis spätestens Dienstag. (DIASHOW: Transfermarkt international)
Und so wird es wohl kommen, dass Madrid den 26 Jahre alten Kroaten für eine Ablöse irgendwo zwischen 40 und 42 Millionen Euro unter Vertrag nimmt.
Spurs-Coach hat wohl schon kapituliert
Tottenham scheint sich zumindest schon mit dem Verlust seines Spielmachers abgefunden zu haben. "Schon in den letzten beiden Spielzeiten haben verschiedene Klubs Luka verpflichten wollen. Und er weckt weiter Interesse", meinte Spurs-Coach Andre Villas-Boas.
Er zähle für Tottenhams Mittelfeld fest auf Rafael van der Vaart, der zuletzt erklärt hatte, in London bleiben zu wollen, sagte der Portugiese und ergänzte: "Die Situation von Modric ist eine andere."
"Er wird um seinen Platz kämpfen müssen"
Selbst am anderen Ende der Welt wird der bevorstehende Mega-Transfer mit großem Interesse verfolgt.
"Er ist ein guter Spieler", sagte Reals Innenverteidiger Pepe, der derzeit mit Kollege Alvaro Arbeloa in Indonesien weilt, örtlichen Reportern.
Arbeloa, der mit Pepe in Jakarta ein Benefizspiel bestritt, schloss sich an.
"Modric ist ein großartiger Spieler", urteilte der Rechtsverteidiger: "Ich bin sehr froh, dass er nach Madrid kommen könnte."
Allerdings brachte Arbeloa auch gleich den Haken des Transfers auf den Punkt.
"Wir haben viele gute Mittelfeldspieler, er wird um seinen Platz kämpfen müssen", erklärte der 29-Jährige.
Wo soll Modric spielen?
Während bei wohl fast jedem anderen Klub der Welt ein 40-Millionen-Euro-Neuzugang gesetzt wäre, ist im Mittelfeld der "Königlichen" auf den ersten Blick gar kein Platz für Modric.
Die Frage ist also, wo Trainer Jose Mourinho ihn einsetzen will.
Vier der fünf Plätze im Mittelfeld des spanischen Meisters dürften auch in der anstehenden Saison fest vergeben sein.
Xabi Alonso und Sami Khedira sind im defensiven Mittelfeld gesetzt, Superstar Cristiano Ronaldo auf dem linken Flügel sowieso.
Di Maria als Wackelkandidat
Mesut Özil glänzte in der vergangenen Saison im zentralen Mittelfeld als bester Vorlagengeber der Primera Division und gilt ohnehin als Lieblingsschüler von Trainer Mourinho.
Der Wackelkandidat in Reals Mittelfeld dürfte Angel di Maria auf Rechtsaußen sein.
Modric, dessen stärkerer Fuß der rechte ist, könnte die Position des Argentiniers übernehmen.
Dass der kroatische Nationalspieler dort aber regelmäßig zum Einsatz kommen könnte, erscheint eher unwahrscheinlich.
Zentrale Positionen bevorzugt
Denn Modric bevorzugt die Positionen im zentralen Mittelfeld.
Auf der Sechs etwa könnte der potenzielle Neuzugang für Xabi Alonso oder Khedira spielen.
Zwar ist der 1,73 Meter große Modric nicht so zweikampfstark wie die beiden Platzhirsche, wäre mit seinem Tempo und seinen Pässen gegen weniger starke oder körperlich nicht so robuste Gegner aber eine Alternative mit zusätzlicher Offensivpower.
Backup für Özil
Eine Position weiter vorne wäre Modric der ideale Backup-Spieler für Özil, falls es bei dem deutschen Nationalspieler auf der Zehn mal nicht so laufen sollte.
Denkbar ist auch, dass Özil auf dem rechten Flügel, wo er auch schon in der Bundesliga und in der Nationalmannschaft spielte, zum Einsatz kommt und Modric in der Mitte ran darf.
Modrics Vielseitigkeit dürfte ihm also reichlich Einsatzzeit garantieren. Gleichzeitig könnte diese Vielseitigkeit aber zum Fluch für ihn werden.
"Er ist einfach ein fantastischer Spieler, ein großer Profi und ein toller Kerl", beschrieb Ex-Spurs-Coach Harry Redknapp Modric kürzlich.
Der eher ruhige und leise Mittelfeldspieler dürfte es ohne Murren akzeptieren, auf verschiedenen Positionen zum Einsatz zu kommen oder auch zunächst auf der Bank zu sitzen.
Ein Joker für 40 Millionen
Deshalb steht Modric auf Mourinhos Liste ganz oben.
Er wäre eine Alternative mit enormem Potenzial auf allen Mittelfeld-Positionen, der perfekte Joker.
Und genau das scheint Real Madrid 40 Millionen Euro wert zu sein.