"Für den HSV wird es nicht einfach"
Von Thorsten Langenbahn
Mönchengladbach - Im Test bei Borussia Mönchengladbach war Piotr Trochowski der Regisseur beim FC Sevilla.
Die Spanier kamen im Borussia-Park aber nicht über ein 0:0 hinaus. Für Trochowski war es trotzdem ein gelungener Kurzbesuch in seiner alten Heimat.
Die Bundesliga verfolgt der WM-Dritte von 2010 nach wie vor intensiv - vor allem das Geschehen rund um den Hamburger SV. 2011 hatte er die Hanseaten nach sechs Jahren in Richtung Andalusien verlassen. (DIASHOW: Der internationale Transfermarkt)
"Der HSV tut sich riesig schwer. Aber an Gladbach kann man sehen, wie es funktionieren kann. Die haben vor zwei Jahren noch gegen den Abstieg gespielt und es letzte Saison super hingekriegt", macht 28-Jährige seinen früheren Kollegen Mut für die neue Saison.
Im SPORT1-Interview spricht der 35-malige Nationalspieler (bislang letzter Einsatz im WM-Halbfinale 2010 gegen Spanien) außerdem über seine Ziele in der Primera Division, eine mögliche Bundesliga-Rückkehr und seinen Traum vom Nationalelf-Comeback.
SPORT1: Herr Trochowski, wie war es, mal wieder in Deutschland zu spielen?
Piotr Trochowski: Definitiv ein gutes Gefühl. Ich komme immer wieder gerne nach Deutschland zurück, ob privat oder sportlich mit dem Verein. Es macht immer Riesenspaß, die Leute wieder zu treffen, die man von früher kennt und Menschen um sich zu haben, die die gleiche Sprache sprechen.
SPORT1: Wie ist der FC Sevilla für die Saison 2012/2013 aufgestellt?
Trochowski: Wir haben einen Umbruch in der Mannschaft. Erfahrene Spieler wie Frederic Kanoute sind weggegangen. Das ist natürlich nicht einfach. Das sieht man auch an meinem alten Verein: der HSV tut sich auch riesig schwer. Aber an Gladbach kann man sehen, wie es funktionieren kann. Die haben vor zwei Jahren noch gegen den Abstieg gespielt und es letzte Saison super hingekriegt. Deswegen: Wir haben jetzt die Möglichkeit, neu zu starten und müssen positiv nach vorne schauen. Dann ist einiges möglich.
SPORT1: Im vergangenen Jahr sind Sie mit Sevilla im Europa-League-Playoff gegen Hannover 96 ausgeschieden. Was hat der Klub daraus gelernt?
Trochowski: Das war kein guter Start. Allgemein war der Verlauf der vergangenen Saison mit dem neunten Platz am Ende nicht gerade großartig für uns. So eine Saison muss man so schnell wie möglich aus dem Gedächtnis löschen.
SPORT1: Mit welchen Zielen geht Sevilla in die Saison?
Trochowski: Wir wollen auf jeden Fall international spielen. Die Plätze hinter Barcelona und Real Madrid sind hart umkämpft. Da kann jeder jeden schlagen, das hat man letzte Saison gesehen.
SPORT1: Real und Barca dominieren die Primera Division. Wer wird diesmal am Ende vorne liegen?
Trochowski: Schwierig zu sagen. Die sind beide unglaublich stark. Madrid will den Titel natürlich verteidigen, Barcelona ist ein wenig enttäuscht und sauer, dass sie nicht Meister geworden sind. Es wird sehr eng.
SPORT1: Wer wird in der Bundesliga das Rennen machen?
Trochowski: Die Bayern wollen sich keine Blöße mehr geben. Für sie steht einiges auf dem Spiel. Die Dortmunder sind für mich auch ein Favorit. Ich glaube, diese beiden werden die Meisterschaft unter sich ausmachen.
SPORT1: Wie intensiv verfolgen Sie die Bundesliga?
Trochowski: Immer. Ich schaue so oft es geht rein. Natürlich auch im Hinblick auf die Hamburger, um zu sehen, wie sie sich so schlagen.
SPORT1: Haben Sie noch Kontakt zum HSV?
Trochowski: Zu den Angestellten oder zu Dennis Aogo habe ich noch Kontakt.
SPORT1: Müssen sich die Fans Sorgen machen um den HSV?
Trochowski: Als mittlerweile Außenstehender kann ich das nur begrenzt beurteilen. Natürlich habe ich einige, die mir etwas zuflüstern. Aber die sind relativ positiv gestimmt und arbeiten hart, um nicht das zu wiederholen, was im letzten Jahr passiert ist. Es wird definitiv nicht einfach. Die Mannschaft hat es schwer bei so vielen Abgängen in so kurzer Zeit. Auch das Umfeld ist nicht gerade einfach.
SPORT1: Sie gehen in Spanien in Ihr zweites Jahr. Wie heimisch fühlen Sie sich schon in Sevilla?
Trochowski: Es ist alles ein bisschen anders, der Fußball ist ein anderer, aber ich fühle mich wohl. Ich habe noch drei Jahre Vertrag und vorerst kein Interesse, woanders hinzugehen.
SPORT1: Eine Bundesliga-Rückkehr ist aber nicht ausgeschlossen?
Trochowski: Nein. Ich bin 28 Jahre alt und habe noch einige Jahre vor mir. Solange ich noch fit bin und gesundheitlich alles in Ordnung ist, will ich auch spielen. Jetzt gucke ich erstmal, dass ich in Spanien erfolgreich bin.
SPORT1: Haben Sie Kontakt zu den anderen deutschen Profis in Spanien? Den einen oder anderen kennen Sie ja noch aus der Nationalelf.
Trochowski: Nach den Spielen sieht man sich und tauscht sich aus, aber ansonsten habe ich da keinen großen Kontakt. Die Entfernung Madrid - Sevilla ist schon recht groß (gut 500 Kilometer, Anm. d. Red.).
SPORT1: Wie haben Sie die EM verfolgt?
Trochowski: Ich habe mir so gut es ging alle Spiele angeschaut und mitgefiebert. Am Ende war es schade für die Deutschen. Das Aus lag an der Tagesform: Die Italiener waren an dem Tag überragend, die Deutschen hatten nicht ihren besten Tag.
SPORT1: Könnte die Nationalmannschaft nochmal ein Thema für Sie werden?
Trochowski: Ich hake die Nationalmannschaft niemals ab. Ich hoffe, dass ich irgendwann wieder zurückkomme. Für sein Land spielen zu können, das ist das größte Ziel für einen Fußballer.
SPORT1: Also der Bundestrainer hat Ihre Telefonnummer noch?
Trochowski: Natürlich. Er kann mich jederzeit anrufen.