Reals Fehlstart perfekt: Mou zürnt und handelt
Von Jakob Gajdzik
München - Der Pleite folgte der Groll.
"Das war inakzeptabel", fasste Real-Trainer Jose Mourinho kurz und knapp die Leistung seiner Mannschaft beim 1:2 im Derby beim FC Getafe ( Bericht) zusammen.
"Real ist immer noch im Urlaub", pflichtete die Sporttageszeitung "AS" dem Coach bei.
Stinksauer versuchte der Portugiese gar nicht erst, Gründe oder Ausreden für die erste Niederlage am 2. Spieltag zu suchen, die den schlechtesten Saisonstart in der Primera Division seit 2001 bedeutet. ( DATENCENTER: Primera Division)
"Wir haben furchtbar gespielt und es verdient zu verlieren. Nach dem, was ich während des Spiels gesehen habe, wundert mich das Ergebnis nicht", sagte "Mou".
Real gibt Führung aus der Hand
Ein Schlag ins Gesicht für seine Starttruppe um Weltstar Cristiano Ronaldo und die beiden DFB-Kicker Mesut Özil und Sami Khedira, die eine Führung von Gonzalo Higuain noch aus der Hand gaben.
Der 49-Jährige ist bekannt dafür, sich in kritischen Phasen vor seine Mannschaft zu stellen, doch nach einem Punkt aus zwei Spielen und der Pleite im Supercup-Hinspiel beim Erzrivalen FC Barcelona, platzte ihm nun der Kragen.
"Es gibt Dinge, die kann ich nicht mit der Presse analysieren. Ich habe noch nicht mit den Spielern gesprochen, sie wissen noch gar nicht, wie ich darüber denke und wie meine Analyse ausfällt", sagte Mourinho und klang bedrohlich.
Modric-Wechsel perfekt
Die Konsequenz aus dem Fehlstart: Real beendete das wochenlange Tauziehen um Luka Modric und bestätigte seine Verpflichtung. (DIASHOW: Transfermarkt international)
Rund 30 bis 35 Millionen Euro soll Tottenham Hotspur für den Kroaten erhalten, der dem Mittelfeld der "Königlichen" neuen Schwung verleihen soll. Der 26-Jährige unterschreibt für fünf Jahre. Zudem soll Real bis zu sieben Millionen Euro an erfolgsabhängigen Zahlungen leisten.
Der Wechsel ist auch ein deutliches Zeichen an Mesut Özil, der die bisherige Kreativzentrale Madrids ist.
"Es wird viel darüber gesprochen, dass Modric Xabi Alonso und Khedira entlasten soll, aber der wahre Grund ist, dass er Mesut Özil Beine machen wird", spekulierte "Marca".
"Immer Konkurrenz bei Real"
Der Deutsche reagierte auf den Wechsel gelassen: "Bei Real Madrid hat man doch immer Konkurrenz, ob die nun Kaka oder Luka Modric heißt. Real ist ein Klub, der nie nur aus elf Spielern besteht, sondern aus 20 oder mehr Weltklasseleuten. In einer Mannschaft mit diesem Anspruch und diesen hohen Zielen muss man sich immer beweisen", sagte er der "Welt".
Özil "geistig nicht auf der Höhe"
Der Nationalspieler hatte keinen guten Tag erwischt und brachte das Kunststück fertig, den Ball aus fünf Metern an die Latte, anstatt ins Tor zu schießen.
"Er kommt nicht aus dem Quark, ist geistig nicht auf der Höhe", schrieb die "AS" über seine Leistung, sah ihn aber nicht als Hauptschuldigen: "Özil ist der einzige Spieler Reals, der den Ball derzeit länger als fünf Sekunden am Fuß halten kann", schrieb die Sportzeitung
Sami Khedira saß die 90 Minuten gar nur auf der Bank, erneut bekam der Franzose Lass Diarra den Vorzug.
Die Mitspieler der beiden waren nach der Pleite ebenfalls enttäuscht.
"Ein Spiel zum Vergessen", sah Real-Kapitän und Torhüter Iker Casillas und ergänzte: "Wir sollten selbstkritisch sein, um die Dinge, die uns zum Scheitern brachten, zu verbessern."
"Waren nicht schlagfertig"
Mittelfeldspieler Xabi Alsonso erkannte das Problem im Abschluss: "Wir waren nicht in der Lage, das Spiel mit einem zweiten Tor zu entscheiden. Wir waren nicht schlagfertig, das ist Fußball und so kann es dann laufen. Für uns gilt es, diese Dinge jetzt zu beheben."
Als negativen Höhepunkt gab er zudem eine Rote Karte für Fabio Coentrao wegen Schiedsrichterbeleidigung. Dabei saß der Linksverteidiger auf der Bank.
"Ich habe gehört, was meine Spieler zu dem zweiten Tor von Getafe gesagt haben. Sie sagten, Colunga hätte bei der Aktion die Hand benutzt. Und ich habe auch gehört, was der Schiedsrichter dann gesagt hat. Er hat Fabio vorgeworfen, etwas gesagt zu haben, was überhaupt nicht stimmt", schloss Mourinho auch den Unparteiischen in seine Rundum-Kritik mit ein.
Messi-Doppelpack dreht das Spiel
Nach dem Sieg von Barca nach einem Messi-Doppelpack bei CA Osasuna hat Real nach zwei Spielen bereits fünf Punkte Rückstand auf die Katalanen.
Dabei machten es die Blaugrana anders als Real und drehten einen Rückstand in einen Sieg.
"Hier ist das doppelt schwer, denn Osasuna unterbricht den Spielrhythmus, wenn sie führen", sagte Barca-Coach Tito Vilanova und lobte die Comeback-Qualitäten seines Teams: "Wir haben mentale Stärke bewiesen."
Einen Dämpfer erhielt der Sieg der Katalanen durch den Jochbeinbruch von Kapitän Carles Puyol.
Der spanische Nationalspieler verletzte sich in der Schlussphase der Partie bei einem Zweikampf mit Gegenspieler Roland Lamah.
Wie lange Puyol ausfällt, sollen ärztliche Untersuchungen am Montag ergeben.
Am Mittwoch treffen Real und Barcelona im Supercup-Rückspiel erneut aufeinander, diesmal im Estadio Santiago Bernabeu. Für Madrid gilt es, den 2:3-Rückstand aus dem Hinspiel wettzumachen.
Casillas will ersten Titel
"Ein knapper Sieg würde uns den Titel bescheren. Es ist eine großartige Gelegenheit, um diese vergangenen Spiele vergessen zu machen und den ersten Titel der Saison zu holen“, hofft Casillas auf eine positive Wende.
Gelingt die nicht, wird Mourinhos Zorn garantiert nicht kleiner.