Ronaldo-Hammer: Händereiben bei den Top-Klubs
Von Barnabas Szoecs
München/Madrid - Es waren nur knappe Andeutungen, doch sie lösten eine gigantische Lawine aus.
Seit Cristiano Ronaldo nach seinem Doppelpack gegen Granada am Wochenende (BERICHT: Real siegt dank Ronaldo-Doppelpack) seine Unzufriedenheit bei Real Madrid mit Wortfetzchen wie "ich bin traurig" oder "es geht um professionelle Dinge" andeutete, überschlagen sich die Spekulationen über seine Zukunft ( DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).
Zusätzlich angeheizt wurde das Ganze von Ronaldo höchstpersönlich ( BERICHT: Real in Aufruhr: Will Ronaldo weg?).
Bei seiner Ankunft im Lager der portugiesischen Nationalmannschaft, die am Freitag im WM-Quali-Spiel im Stade Josy Barthel auf Luxemburg trifft, ließ er leise verlautbaren, dass es "für alles eine Lösung" gäbe.
Englands Topklubs heiß auf Ronaldo
Halb Europa fragt nun: Wie sieht die Lösung aus? Will sich der teuerste und womöglich beste Spieler der Welt mit einem Wechsel aus seiner Traurigkeit erlösen?
Bei seinem Ex-Klub Manchester United sowie bei den Liga-Rivalen Meister ManCity und Chelsea herrsche laut englischen Medien "Alarmstufe Rot", das Buhlen um den teuersten Fußballer der Welt habe wohl bereits begonnen.
Besonders Sir Alex Ferguson, Ronaldos Ex-Trainer und Mentor bei ManUnited, dürfte bei einem möglichen Wechsel ganz vorne in der Gunst des Portugiesen stehen.
Allerdings wäre ein Wechsel des 94-Millionen-Angreifers aus Madrid auf die Insel frühestens im Winter möglich, das Transferfenster ist bereits geschlossen.
Dank Millionen nach Paris?
Sollte es Ronaldo bis dahin bei den "Königlichen" nicht mehr aushalten und eine sofortige Flucht anstreben, könnte die Stunde von zwei anderen Teams schlagen: Paris St. Germain und Anschi Machatschkala.
Einerseits sind sowohl in Frankreich als auch in Russland die Transferfenster noch offen, andererseits verfügen beide Teams über millionenschwere Finanziers, die für "CR7" wohl mit Freudentränen den Geldkoffer öffnen würden.
"Ja, Cristiano will den Verein verlassen"
Fragt sich nur, ob Real seine traurige Tormaschine überhaupt gehen lässt.
Berichten zufolge soll Ronaldo bereits bei Real-Präsident Florentino Perez um seine Freigabe gebeten haben. "Ja, Cristiano hat Präsident Perez mitgeteilt, dass er den Verein verlassen will", wird eine ungenannte Quelle in spanischen Medien zitiert.
Zudem kommen immer mehr Gründe für Ronaldos Abwanderungsgedanken ans Tageslicht.
Eto'o und "Ibra" verdienen mehr als "CR7"
Der finanzielle Aspekt spielt beim ganzen Tohuwabohu eine untergeordnete Rolle.
Ronaldo verdient in Madrid zehn Millionen Euro pro Jahr - wobei zum Beispiel Zlatan Ibrahimovic oder Samuel Eto'o, die Stars von Antschi bzw. PSG, mehr verdienen. Er würde angeblich gerne zu ihnen aufschließen.
Viel schwerer jedoch wiegt beim 27-Jährigen - zumindest aus seiner Sicht - die fehlende Wertschätzung im gesamten Verein.
Kein neuer Vertrag, kein Rückhalt
Nicht nur, dass der amtierende spanische Meister noch zögert, den 2015 auslaufenden Vertrag des Stars zu deutlich verbesserten Konditionen zu verlängern. Auch der Rückhalt im Team und der Fans fehlt ihm.
Bei seinen Mannschaftskollegen soll Ronaldo keinesfalls das gewünschte Ansehen eines Führungsspielers haben.
So soll er auch über die Vergabe der Kapitänsbinde enttäuscht sein, die bei Real stets der Dienstälteste inne hat - in diesem Fall Torhüter Iker Casillas.
Kaka versichert Solidarität
Und auch der Streit mit Verteidiger Marcelo nagt am Portugiesen. Der Brasilianer hatte öffentlich bekundet, dass Casillas die Auszeichnung als Weltfußballer verdiene. Seitdem soll das Verhältnis der beiden beschädigt sein.
"Cristiano hat die volle Unterstützung des Teams – und das weiß er ganz genau", hält Ronaldos Teamkollege Kaka den Gerüchten entgegen: "Wir brauchen ihn, er ist ein enorm wichtiger Spieler für Real Madrid, und er soll hier glücklich sein. Ich sage es noch mal: Er hat die gesamte Unterstützung der Mannschaft!"
Es geht aber nicht nur um Klubobere und Teamkollegen: Auch die oftmals eingeschränkte Zuneigung der Fans vermisst Reals Nummer 7.
Ronaldo, die "Prinzessin"
Für die Medien ist Ronaldos Klagelied ein gefundenes Fressen: "Die Prinzessin ist traurig", titelte beispielsweise die spanische Zeitung "El Mundo", während "La Vanguardia" das Jammern der Diva als "launisch und unangebracht" bezeichnete.
Barca-Legende Carlos Rexach reihte sich ebenfalls in den Chor der Spötter ein: "Wenn Cristiano traurig ist, sollten die Menschen auf die Straße gehen und weinen."
Ob ihn Trainer Jose Mourinho gehen lassen wird, Mega-Angebot hin oder her, darf stark bezweifelt werden.
Für die beiden Parteien Real und Ronaldo gilt es nun, während der Länderspielpause einen Ausweg zu finden. Denn nicht nur der Portugiese weiß: "Es gibt für alles eine Lösung".