Ronaldo: Torfestival dank Gruppentherapie?
Von Barnabas Szoecs
München - Jubelt er, oder jubelt er nicht?
Es scheint fast, also ob ganz Spanien (vielleicht sogar die ganze Welt) vor dem 4. Spieltag der Primera Division nur diese eine Frage beschäftigt.
Endet das Traurigkeits-Abgangs-Wertschätzungs-Gehaltserhöhungs-Theater um Cristiano Ronaldo beim FC Sevilla (Sa., ab 20 Uhr LIVESCORES)? Wird der Real-Superstar - falls er trifft - mit einer Freudengeste den anhaltenden Rummel um seine Person beenden?
Den Verantwortlichen der "Königlichen" würde jedenfalls ein gigantisches Stein vom Herzen fallen, etwas Ruhe würde wieder einkehren. Und die ist bitter nötig.
Mit vier Punkten aus drei Spielen steht das Team von Jose Mourinho vor dem Sevilla-Gastspiel nur auf Tabellenrang neun, während der Erzrivale aus Barcelona ohne Punktverlust an der Spitze thront ( DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).
Gegen den Lieblingsgegner
Somit ist die Marschroute des Meisters klar: ein Sieg muss her - und das geht mit der traurigen Tormaschine aus Portugal wesentlich leichter.
Zumal Ronaldo gegen Sevilla sehr gerne trifft. In den letzten beiden Begegnungen schenkte "CR7" den Andalusiern sieben Tore eindie Möglichkeit zum Jubeln ist quasi schon gebucht.
CR7 richtet sich an die Fans
Unterdessen wies der Portugiese auf seiner Facebook-Seite Gerüchte zurück, es ginge ihm nur ums Geld:
"Ich möchte beteuern - ohne Blick auf Verträge - dass mein Fokus einzig und allein darauf gerichtet ist, jedes Spiel und jede verfügbare Trophäe mit der unerlässlichen Hilfe meiner Mitspieler und aller Madridistas zu gewinnen." ( BERICHT: Reals Plan - Ronaldo auf Lebenszeit in Madrid)
Kollegen stärken Ronaldo den Rücken
Besagte Mitspieler unterstrichen postwendend ihre mentale Unterstützung und Loyalität zu Ronaldo:
"Er ist der selbe Spieler wie vor zehn Tagen oder zwei Monaten", sagt Xabi Alonso: "Die Fans lieben Spieler, die alles für ihren Verein geben."
Und auch Defensiv-Ass Alvaro Arbeloa sieht die Sache ähnlich, bestätigt nach außen Ronaldos Zufriedenheit bei Real: "Ihm geht es gut. Er hat das selbe Lächeln wie sonst auch. Er ist eine Ikone für unsere Anhänger und hat einen guten Draht zu ihnen."
Scherze mit Mourinho
Auch beim Thema "Goldener Ball", angeblich Auslöser eines Streits zwischen Ronaldo und Mitspieler Marcelo, zeigten sich die Kollegen solidarisch: "Cristiano verdient die Auszeichnung", so Arbeloa: "Er schießt viele Tore und sammelt Titel."
Reals brasilianischer Verteidiger Marcelo hatte sich für Iker Casilla und nicht für Ronaldo als Gewinner "Goldenen Balls" ausgesprochen.
Für Real-Kapitän Casillas ist die Ronaldo-Affäre aber "überhaupt kein Thema" und er fügte wertschätzend an: "Als Fußballer und Fan ist es eine große Freude, Ronaldo spielen zu sehen."
Auch auf dem Trainingsplatz der "Königlichen" scheint die Ronaldo-Posse kein Thema zu sein, der 94-Millionen-Mann und Trainer Mourinho wurden heiter beim Scherzen gesichtet.
Real mit Rekord-Umsatz
Für gute Laune sorgte auch der aktuelle Finanzbericht der Madrillenen. Mit einem Rekord-Umsatz von 514 Millionen Euro im Fiskaljahr 2011/12 ist der Verein das einzige Sportunternehmen, welches die 500-Millionen-Marke knacken konnte.
Der Gewinn jedoch fiel mit 24,2 Millionen Euro wesentlich geringer aus als im Vorjahr.
Doch was helfen schon schöne Zahlen, ein scherzender Ronaldo und therapierende Mitspieler, wenn immer neue Kritiker Öl ins Ronaldo-Feuer schütten?
Ex-Präsident Calderon teilt aus
Reals Ex-Präsident Ramon Calderon etwa legte CR7 einen Wechsel nah: "Seine Klasse steht außer Frage. Aber wenn ein Fußballer unzufrieden ist im Verein, dann muss er gehen", sagte der 61-Jährige (DIASHOW: Transfermarkt International).
Auch zu Jorge Mendes, Berater von Ronaldo, Mourinho und Angel di Maria hatte Calderon deftiges zu sagen: "Der wahre Präsident dieses Klubs heißt Jorge Mendes. Mendes wurde nicht von den Fans gewählt, trifft aber die Entscheidungen. Einige Spieler sind zu Real gewechselt, nur weil er sie betreut."
Einmal in Fahrt, äzte Calderon sogar gegen Mourinho: "Mourinho ist schon ein guter Trainer, aber für sein Verhalten muss man sich manchmal schämen." Er würde lieber Nationalcoach Vicente del Bosque auf der Real-Bank sehen.
Sorgen bei Barcelona
Während Real wie üblich um sich selbst kreist, hat Barca mit ganz anderen Problemen zu kämpfen - mit Personalproblemen: Vor dem Auswärtsspiel gegen Getafe muss Coach Tito Vilanova neben Mittelfeld-Dirigent Andres Iniesta und Alexis Sanchez auch auf Verteidiger Jordi Alba verzichten.
Der Neuzugang aus Valencia wird wegen einer Grippe das Spiel nahe Madrid verpassen. Dafür kehrt aber Kapitän Carles Puyol ins Team zurück.
Nach seinem Wangenknochenbruch hat der Verteidiger Grünes Licht von den Ärzten bekommen und wird mit Gesichtsmaske auflaufen.