Streithahn Pepe lässt Barca keine Ruhe
Von Christian Stüwe
München - Der Clasico vom vergangenen Sonntag ist längst vorbei, leistungsgerecht trennten sich die großen Rivalen Barcelona und Real Madrid in einer hochklassigen Partie mit 2:2.
Die Nachwehen des Spiels beschäftigen Spanien und den Rest der Fußballwelt aber nach wie vor, da sich zwei Spieler, die unterschiedlicher nicht sein könnten, einen verbalen Schlagabtausch liefern. (DIASHOW: Die Bilder des 254. Clasico)
Auf der einen Seite Reals Pepe, ein rustikaler und zu Zornesausbrüchen neigender Innenverteidiger. ( DATENCENTER: Primera Division)
Auf der anderen Seite Andres Iniesta, einer der filigransten Fußballer der Welt, der den Eindruck macht, abseits des Platzes keiner Fliege etwas anhaben zu können.
Pepe: Iniesta ist ein Schauspieler
Am Sonntag fiel Iniesta nach einem Zweikampf mit Pepe in Reals Strafraum, doch der Elfmeterpfiff blieb aus.
Der Welt- und Europameister forderte einen Strafstoß, was wiederrum Gegenspieler Pepe auf den Plan rief.
Iniesta sei "theatralisch", sagte der Portugiese, Barcas Mannschaft neige im Allgemeinen zur Schauspielerei.
"Seine Worte waren verletzend"
"Ich fühle mich angegriffen", erklärte der zurückhaltende Iniesta im Radio bei "Onda Cero": "Weder bin ich ein Schauspieler noch meine Mitspieler."
Jeder dürfe seine Meinung darüber haben, ob es nun ein Elfmeter gewesen sei oder eben nicht. Aber Pepe habe Grenzen überschritten, ärgerte sich der 28-Jährige.
"Seine Worten waren verletzend", erklärte Iniesta: "Aber wir wissen alle, wie er ist."
Im Clasico im Januar war Pepe dem am Boden sitzenden Messi absichtlich auf die Hand getreten und hatte für einen Skandal gesorgt.
Barcas Trainer Tito Vilanova giftete, dass man leicht ein Videoband mit Pepes Fouls füllen könne.
Ausraster gegen Getafe
Was der 29 Jahre alte Pepe wiederum von Schwalben und vermeintlichen Schauspielern hält, bekam Getafes Juan Albin im April 2009 zu spüren.
Pepe bezichtigte Albin, sich im Strafraum fallen gelassen zu haben und griff zur Selbstjustiz. Zweimal trat der den am Boden liegenden Albin mit voller Wucht, bevor er ihn auch noch auf den Hinterkopf schlug.
Pepe wurde daraufhin für zehn Spiele gesperrt.
Ein Psychologe riet ihm anschließend, sich künftig ein paar Stunden vor Anpfiff mit dem Video-Kriegsspiel "Call of Duty" abzureagieren.
Doch anstatt die Spielkonsole anzuwerfen, legte Pepe im Streit mit Iniesta nach.
Pepe: Die Wahrheit tut weh
"Wenn sich jemand durch meine Worte angegriffen fühlt, dann ist das, weil die Wahrheit wehtut", sagte der Verteidiger der "AS", gemäß der alten Weisheit, dass getroffene Hunde am lautesten bellen.
Erinnerungen an das Halbfinale der Champions League 2011 dürften den Abwehrchef der "Königlichen" zusätzlich in Rage bringen.
Damals war Pepe nach einem Foul an Barcas Außenverteidiger Dani Alves vom Platz geflogen.
Der Brasilianer hatte sich nach der Grätsche des Real-Verteidigers am Boden gewälzt und sich dann vom Platz tragen lassen, um aber wenig später wieder zurückzukehren.
Wurde Alves nicht voll getroffen?
Auf Fernsehbilder war später zu sehen, dass Pepe Alves zumindest nicht voll getroffen hatte.
Gut möglich also, dass die aktuelle Schauspiel-Debatte auch von diesem Vorfall beeinflusst wird.
Vielleicht will Pepe, der bei allen seinen Eskapaden stets von Trainer Jose Mourinho geschützt wurde, auch für ein wenig Unruhe bei den Katalanen sorgen.
Schließlich sind die schon auf acht Punkte enteilt.