Krisenherd Real: Mou vor Aus - Özil in Sorge
Von Christoph Lother
München - Man sollte meinen, ein gewonnenes Derby gäbe Kraft und habe eine euphorisierende Wirkung.
Doch bei Real Madrid ist das offensichtlich anders.
Von guter Stimmung ist bei den "Königlichen" nach dem 2:0-Erfolg im Stadtduell gegen Atletico ( Bericht) keine Spur.
Stattdessen brachte der Auftritt von Trainer Jose Mourinho im Vorfeld der Partie das Fass bei den ohnehin schon verstimmten Madrilenen wohl endgültig zum Überlaufen.
Mourinhos "Selbstmord" vor dem Derby
Der 49-Jährige hatte sich bereits 40 Minuten vor dem Anpfiff auf den Rasen des Estadio Santiago Bernabeu begeben, um sich dem Votum der Fans zu stellen.
Von den zu diesem Zeitpunkt gerade mal 3.000 anwesenden Anhängern hatte der Portugiese zwar höflichen Applaus geerntet, Klub-Chef Florentino Perez hatte Mourinho mit dieser Selbstinszenierung aber offenbar zur Weißglut getrieben ( News).
Von "Selbstmord" spricht Perez in der spanischen Sporttageszeitung "Marca", für die ein vorzeitiger Abschied Mourinhos aus Madrid trotz laufenden Vertrages bis 2016 beschlossene Sache zu sein scheint. "Der Zyklus Mou nimmt sein Ende", so die Zeitung.
"Will dieser Sache keine Nahrung geben"
Mourinho, meldete "Marca" unter der Überschrift "Divorcio" ("Scheidung"), werde spätestens zum Saisonende von Perez geschieden.
"Ich will dieser Sache keine Nahrung geben", sagte der gereizte Trainer am Montagmittag vor dem Champions-League-Spiel gegen Ajax Amsterdam (Di., ab 20.15 im LIVE-TICKER).
Sein Verhältnis zu "Florentino", wie er den Boss nannte, sei gut.
Über seine Zukunft, ergänzte Mourinho, wolle er aber nicht reden.
Özil von Kritik offenbar unbeeindruckt
Auch Mesut Özil wirkte angesichts seines Treffers gegen Atletico alles andere als befreit.
Zu viel hatte der Regisseur der "Königlichen" in den vergangenen Wochen um die Ohren bekommen.
Immer wieder war Özil von der spanischen Presse für den holprigen Saisonstart der Madrilenen verantwortlich gemacht worden.
"Wie ich in den spanischen Medien bewertet werde, interessiert mich nicht. Mir ist nur wichtig, wie der Trainer mich sieht und mit mir arbeitet", wirkt der 24-Jährige im "kicker" zwar weitgehend unbeeindruckt.
Dauerbrenner will kein Sündenbock sein
Als Hauptverantwortlicher für den derzeitigen Elf-Punkte-Rückstand Reals auf Spitzenreiter FC Barcelona will sich Özil aber auch nicht darstellen lassen ( DATENCENTER: Primera Division).
"Wenn ich so schwach wäre, wie manche mich gemacht haben, hätte ich den Job bei Real nie bekommen - und würde vom Trainer auch nicht so oft aufgestellt", betont er angesichts der Tatsache, in bislang allen 14 Ligaspielen auf dem Platz gestanden zu haben.
"Machen als Team zu viele Fehler"
Stattdessen nimmt Özil auch seine Mitspieler in die Pflicht.
"Bei meiner Spielweise liegt das nicht nur an mir, sondern auch daran wie wir als Mannschaft nach vorne agieren. Eine Mannschaft wie Real Madrid gewinnt zusammen und verliert zusammen", betont er und resümiert:
"Diese Saison bei Real verläuft deshalb so bitter, weil wir als Team zu viele Fehler machen."
Daran, dass der Titelverteidiger auch in dieser Spielzeit noch um die Meisterschaft mitspielen wird, besteht für den Mittelfeldspieler allerdings kein Zweifel.
"Wir kommen zurück, die Saison ist noch lang. Ich bin sicher, dass Barcelona noch patzen wird."
"Normal spielen ist nicht genug"
Gepatzt hatte zuletzt aber - anders als der noch ungeschlagene Erzrivale aus Barcelona - vor allem Real.
Besonders auswärts drückt bei den "Königlichen" in dieser Saison der Schuh und so wurden von den bislang sieben Partien auf fremdem Platz nur drei gewonnen.
Und auch für Özil persönlich läuft es angesichts von bislang nur zwei Toren und vier Vorlagen in der Liga noch nicht wie im Vorjahr. Da war der Linksfuß am Ende immerhin auf vier Treffer und 20 Assists gekommen.
"Die Latte liegt hoch, allgemein erwarten die Leute nun immer außergewöhnliche Leistungen. Normal zu spielen ist nicht mehr genug. Dann bist du schon der Depp", sagt Özil.
Mangelnde Unterstützung aus der Heimat
Doch schon in der Vergangenheit fühlte sich Özil von den Medien - besonders den deutschen - für seine Auftritte offenbar nicht entsprechend gewürdigt.
"Wenn ich manche deutsche Zeitungen lese, dann muss hier alles ganz schlecht und fürchterlich sein - das ist es aber gar nicht", stellt er klar und ergänzt: "Letztendlich könnte jeder deutsche Fußballfan doch stolz sein, dass hier zwei Deutsche Stammspieler bei Real Madrid sind."
Deshalb finde er es "einfach schade, dass wir so wenig Unterstützung aus der Heimat bekommen."
"Es geht nur um Titel"
Unterstützung hatte Özil dafür lange Zeit von Trainer Mourinho erhalten, dessen Arbeit der 24-Jährige nach wie vor schätzt: "Der Trainer hat viel mit mir gearbeitet. Wir arbeiten hart. Ich weiß, was er von mir will."
Zugleich betont Özil, der seinen bis 2016 laufenden Vertrag erfüllen und womöglich sogar seine Karriere in Madrid beenden möchte, aber auch: "Es geht nicht um Mourinho oder Özil oder einen anderen - wenn man bei Real Madrid arbeitet, geht es nur um Titel. So viele wie möglich."
Und zur Not wohl auch ohne Mourinho.