Peitsche statt Zuckerbrot: Mourinho greift hart durch
Von Barnabas Szoecs
München - Eigentlich sollte Real Madrids Fokus nach der Winterpause auf der Primera Division und Real Sociedad liegen, dem ersten Gegner im Jahr 2013.
Doch bei den "Königlichen" haben sich vor dem Heimspiel gegen den baskischen Überraschungs-Siebten (So., ab 17 Uhr LIVESCORES) gleich mehrere Personal-Brandherde ausgebreitet, die selbst Jose Mourinho nicht so rasch beheben können dürfte. ( DATENCENTER: Primera Division)
Vielmehr wirkt es sogar, als vergrößere der Portugiese die Probleme.
Im Mittelpunkt der zahlreichen Streitereien steht Iker Casillas.
Ob der frischgebackene Welttorhüter des Jahres 2012 nach seiner Verbannung auf die Bank durch Mourinho am Sonntag auflaufen wird, bleibt weiterhin ein gut gehütetes Geheimnis. (NEWS: Casillas Welttorhüter, Neuer Vierter)
Wirrwarr in Madrid
Es scheint fast, als setze der Portugiese alles daran, das Wirrwarr um seinen erfahreren Keeper noch zu steigern.
Kurz vor Weihnachten hatte Mourinho Casillas bei der Niederlage beim FC Malaga (2:3) auf die Bank gesetzt und Ersatzmann Antonio Adan den Vorzug gegeben.
"The Special One" erklärte am Samstag lediglich, dass der Welt- und Europameister entweder gegen Real Sociedad San Sebastian oder im Pokalspiel am Mittwoch gegen Celta Vigo auflaufen werde.
"Derjenige, der am Sonntag spielt, spielt nicht im Pokal und umgekehrt", so Mourinho knapp.
Warnung an das Team
Seinen momentanen Zweifel an Casillas brachte er wenig subtil zum Ausdruck: "Jede Position im Team erfordert Vertrauen - das gilt auch für den Torhüter. "Vertrauen hängt mit Leistung auf dem Platz zusammen. Es ist für keinen Spieler ratsam, sich dauerhaft sicher zu fühlen."
Klar dürfte jedenfalls sein, dass Mourinho den Unmut aller Real-Fans auf sich ziehen wird, sollte im Bernabeau statt Liebling Casillas Ersatztorhüter Adan auflaufen.
"Die Fans unterstützen Real, nicht Iker"
Das Team setzt derweil auf Deeskalation: "Die Fans unterstützen Madrid, nicht Iker", meint Verteidiger Alavaro Arbeloa: "Wir Spieler sehen Casillas' Auswechslung als normal an. Iker hat Adan immer unterstützt. Nun hat er noch härter trainiert, es zeigt, was für ein Profi er ist."
Casillas sei "mit der Entscheidung professionell umgegangen. Es war einfach eine taktische Maßnahme", ergänzte Arbeloa.
Ronaldo auf der Bank? "Wäre kein Problem"
Selbst Cristiano Ronaldo könne so etwas passieren, glaubt der spanische Nationalspieler: "Wenn Cristiano irgendwann auf die Bank muss, wäre das kein Problem - jemand anderes würde ihn ersetzen."
Wie allerdings Ronaldo auf solch ein Szenario reagieren würde, ließ Arbeloa auf einer Pressekonferenz unbeantwortet.
PK und öffentliches Training als Bonbon
Dass der Spanier und einige seiner Kollegen überhaupt vor die Medien treten durften, zum ersten Mal nach mehreren Monaten, scheint eine Art Charme-Offensive der Madrilenen zu sein.
Diese beinhaltete auch ein öffentliches Training - eine Seltenheit bei Real unter Mourinho.
Über das durchaus zerrüttete Innenleben des Tabellendritten, der bereits 16 Punkte Rückstand auf Erzrivalen Barcelona hat, täuschen die freundlichen Maßnahmen allerdings nicht hinweg.
Benzema muss auf der Bank schmoren
Neben Casillas scheint Mourinho auch mit Stürmer Karim Benzema nicht zufrieden zu sein.
Am Sonntag wird daher der Argentinier Gonzalo Higuain auflaufen - obwohl er seit zwei Monaten kaum ein Lauftraining absolviert hat. Für den Franzosen bleibt nur die Bank.
Klarer kann ein Trainer seine Unzufriedenheit über einen Spieler nicht zum Ausdruck bringen. Besonders, weil Benzema nach einer Verletzung seit zwei Tagen wieder komplett mittrainiert.
Mourinho droht Coentrao
Und auch Fabio Coentrao bekam die Macht seines Trainers zu spüren. Nachdem der Verteidiger die erste Trainingseinheit des Jahres verpasst hatte, erinnerte ihn Mourinho an seinen Vertrag, der im Sommer 2013 ausläuft, und fügte an: "Du spielst mit deiner Zukunft."
Viel Zündstoff vor dem Duell mit San Sebastian, das seit immerhin sieben Partien ungeschlagen ist.
Spätestens dann sollte die realsche Charme-Offensive in Teamgeist umschlagen - sonst wird es noch ungemütlicher in Madrid.