Krise in Barcelona: Die Nerven liegen blank
München/Barcelona - Der große FC Barcelona wankt bedenklich.
Nach der zweiten Clasico-Pleite innerhalb von fünf Tagen und einer weiteren Demütigung durch den Erzrivalen Real Madrid befindet sich das Starensemble um Weltfußballer Lionel Messi in einer handfesten Krise.
Drei Niederlagen in den vergangenen vier Pflichtspielen, darunter das 1:2 (1:1) am Samstag gegen die verhassten Königlichen ( Spielbericht) - da ist selbst die weiterhin ungefährdete Tabellenführung in der Primera Division nur ein schwaches Trostpflaster.( DATENCENTER: Primera Division)
Pique: Barca muss immer gewinnen
"Ich mache mir Sorgen, denn Barca ist ein Klub, der immer gewinnen muss", sagte Abwehrspieler Gerard Pique: "Aber ich habe großes Vertrauen in diese Mannschaft und bin sicher, dass wir diese Phase überstehen werden."
Doch die Lage ist kritisch: Schon vor dem freudlosen Wochenende war Barca im eigenen Stadion von Real aus dem Pokal gekegelt worden. Und auch in der Champions League stehen die Katalanen nach der 0:2-Hinspielpleite beim AC Mailand vor dem Aus.
Özil: Keine Probleme mit Mourinho
Am Samstag dann der nächste Tiefschlag - zumal Madrid lediglich mit einer verstärkten B-Elf antrat. Cristiano Ronaldo und Sami Khedira wurden nur eingewechselt. Mesut Özil nahm gar 90 Minuten lang auf der Bank Platz.
Zu Wort meldete sich der deutsche Nationalspieler dennoch und wies die anhaltenden Gerüchte über große Differenzen zwischen den Spielern und ihrem Coach Jose Mourinho zurück.
"Ich kann nur sagen: Ich komme mit Jose Mourinho sehr gut klar. Er unterstützt mich, wo er nur kann, und ist für mich einer der besten Trainer, wenn nicht der beste Trainer der Welt", sagte Özil der "Welt am Sonntag" und fügte hinzu:
"Wir sind eine Mannschaft, und wer sieht, wie erfolgreich wir spielen, kann doch nicht bezweifeln, dass es im Team stimmt. Wenn wir keine Einheit wären, könnten wir in Barcelona nicht gewinnen. Nein, hier gehen alle respektvoll miteinander um. Wir sind wie eine kleine Familie."
Die Nerven liegen blank
Bei Barca hat man derzeit deutlich größere Sorgen. "Wir haben zwar keine Punkte geholt, aber immer noch einen komfortablen Vorsprung. Wir glauben weiter an uns", sagte Verteidiger Jordi Alba zwar.
Doch wie blank die Nerven derzeit in Barcelona liegen, zeigte Victor Valdes nach der Partie.
Nachdem Barca in der letzten Minute der Nachspielzeit vehement einen Elfmeter gefordert hatte, sah der Keeper nach dem Schlusspfiff die Gelb-Rote Karte. Er hatte sich bei einer Rudelbildung ein wenig zu nachdrücklich eingebracht.
Drei schlechte Spiele
Noch vor wenigen Wochen galt Barcelona noch als fast unschlagbar, zog in der Liga einsam an der Tabellenspitze seine Kreise und schien auch in der Champions League einfach nicht zu stoppen.
Jetzt droht das Starensemble innerhalb weniger Wochen wichtige Saisonziele zu verspielen.
"Man kann so ein hohes Level nicht zwölf Monate lang halten. In den vergangenen vier Jahren hatten wir immer wieder Momente, in denen unsere Leistungen abgefallen sind. Aber es ist klar, dass wir jetzt drei schlechte Spiele gemacht haben", sagte Pique.
Vilanova fehlt Barca
Einer der Gründe für die momentane Krise könnte das Fehlen des an Krebs erkrankten Chefcoaches Tito Vilanova sein.
Der 44-Jährige befindet sich derzeit nach einer Operation an der Ohrspeicheldrüse zur Behandlung in den USA und wird von seinem Co-Trainer Jordi Roura vertreten.
"Es wäre eine Lüge, wenn ich sagen würde, dass uns seine Abwesenheit nicht weh tut", sagte Mittelfeldspieler Andres Iniesta schon nach der Pokalpleite gegen Real: "Es ist nicht einfach, wenn der Trainer nicht da ist, aber wir müssen damit klarkommen."
Denn der Nachfolger von Pep Guardiola auf der Trainerbank der Katalanen wird seinen Job nach derzeitigem Plan erst im April wieder aufnehmen können. Auch im Rückspiel gegen Mailand am 12. März muss Barcelona also noch ohne seinen Trainer bestehen.
Nächster Rekord von Messi
Da kann selbst der nächste persönliche Rekord von Superstar Messi die Laune beim FC Barcelona nicht verbessern.
Der Argentinier erzielte am Samstag sein 18. Tor gegen Madrid und zog damit in der ewigen Clasico-Torschützenliste mit Real-Legende Alfredo Di Stefano gleich.
Ein Bestwert, den Messi nur zu gern gegen einen Sieg eingetauscht hätte.