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Abwehrstar Paolo Maldini spielt seit 1984 für den AC Milan © getty

Milan-Institution Paolo Maldini hängt zum Ende der Saison die Fußballschuhe an den Nagel, doch die Ehrenrunde wird zum Desaster.

Von Mathias Frohnapfel

München - Es hätte ein so wunderschöner Festtag werden können: für Paolo Maldini, den AC Milan und den "calcio" insgesamt. Stattdessen wurde die letzte Heimpartie der Milan-Legende durch einige Fans kräftig verdorben.

Voller Hohn las sich das Plakat, das die Anhänger in der "Curva Sud" entrollten.

"Danke, Kapitän, auf dem Feld bist du ein unglaublicher Champion, aber du hast es an Respekt gegenüber denjenigen fehlen lassen, die dich reich gemacht haben."ad

Fans preisen lieber Franco Baresi

Und als der Haudegen, der in seiner Karriere wie sein Vater Cesare stets für Milan gespielt hat, auf die Ehrenrunde ging, schallte ihm aus der Kurve der Ruf entgegen: "C'e solo un capitano" ("Es gibt nur einen Kapitän").

Gemeint war alllerdings Franco Baresi, was die Fans unübersehbar mit einem riesigen Trikot von Maldinis Vorgänger demonstrierten.

Die 2:3-Niederlage seines Teams gegen den AS Rom tat ein Übriges, um dem 40-Jährigen die Laune zu versauen.(Juve zieht in die Champions League ein).

Maldini maßlos enttäuscht

In unglaublichen 901 Spielen trug Paolo Maldini das Milan-Trikot und führte das Team als "capitano" zu zig Titeln, Triumphen in Italien und in der Champions League.

"Ich bin stolz keiner von denen zu sein", sagte Maldini an die Fans in der Kurve gerichtet. Die Enttäuschung saß beim 126-fachen italienischen Nationalspieler so tief, dass er um ein Haar seine Ehrenrunde durch "San Siro" abgebrochen hätte.

"900-mal Danke"

Dabei hatten zig Fans vor der Partie auf Plakaten, Schals und Trikots dem Fußballer ihre Wertschätzung gezeigt.

"Die erste Liebe vergisst man nie", lautet die Aufschrift auf einem Spruchband eines "Milanista", ein anderer AC-Anhänger schrieb ebenso schlicht wie herzlich: "900 volte grazie" ("900-mal Danke"). Andere Fans forderten gar wissenschaftliche Methoden, um künftig nicht auf ihren Liebling verzichten müssen: "Klont Maldini".

Ärger über Gehaltsgespräche?

Umso bitterer müssen Maldini die Schmährufe aus der Südkurve erschienen sein, in der zirka 8000 organisierte Fans jede Partie ihres Klubs verfolgen.

Hintergrund, so vermutet die "Gazzetta dello Sport" könnten die Vertragsverhandlung aus dem vergangenen Sommer sein, als der Verteidiger und Milan sich lange nicht auf ein neues Jahresgehalt einigen konnten.

Auch ein mehrere Monate altes Interview hat womöglich den Unmut der Fans auf sich gezogen.

"Nach allem, was wir erreicht haben, verdienen wir es, anders behandelt zu werden", reagierte Maldini damals auf Pfiffe gegen das eigene Team. Zur beinahe schon notorischen Unzufriedenheit vieler Fans sagte er:

"Es ist nicht nur die Kurve, die uns nicht unterstützt, auch die Fans in den anderen Sektoren bleiben still. Ich glaube, wer singt: 'Wir haben Milan im Herzen', muss das auch zeigen."

Immer wieder Pfiffe für die Stars

Auch nach dem Ausscheiden von Milan gegen Werder im UEFA-Cup hatte es zwischen Fans und Maldini gekracht. Als es im Februar wieder und wieder Pfeifkonzerte setzte, legte der "Captiano" den Zeigefinger auf die Lippen, um die Fans zum Schweigen aufzufordern. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Sein Trainer Carlo Ancelotti versuchte indes am Sonntag nach der Niederlage gegen die Roma etwas die Schärfe aus dem Streit zu nehmen.

"Man muss das nicht dramatisieren, ein großer Teil des Stadions hat seine Zuneigung zu Paolo gezeigt." Allerdings gab auch er zu: "So etwas hat an einem Tag wie heute hier nichts zu suchen."

Trost vom Gegner

Mit warmherzigen Worten für seinen Kapitän versuchte der Milan-Coach, dem selbst zum Saisonende das Aus droht, Maldinis Ärger etwas abzukühlen.

Er sprach voller Respekt von einer "außergewöhnlichen Karriere" und einer "ungewöhnlichen Verbundenheit zu Milan".

Selbst Romas Trainer Luciano Spalletti warf sich für Maldini ins Feld: "Das sind Leute", klagte er, "die den Sport nicht lieben, sondern ihn nur benutzen".

Seine Profis trugen Maldini zu Ehren sogar T-Shirts mit der Aufschrift: "Grazie Paolo, grande capitano" ("Danke Paolo, großer Kapitän").

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